Die TU Dresden hat im Rahmen einer Diplomarbeit untersuchen lassen, warum wir Radfahrer in bestimmten Situation die Straße, den Radfahr-/Schutzstreifen bzw. den Rad-/Gehweg benutzen. Von Mitte Februar bis Mitte April dieses Jahres wurden online 6584 Personen befragt, von denen 5575 (2/3 Männer, 1/3 Frauen) für die Studie verwertbare Angaben machten. Das Durchschnittsalter lag jenseits der 40, das Bildungsniveau war überdurchschnittlich hoch und die meisten Befragten gaben an, in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern zu leben.

Die Studie ist zwar nicht repräsentativ, weil die Mehrheit der Befragten angab, überdurchschnittlich häufig mit dem Rad unterwegs zu sein (80,8 % mindestens 4 Tage/Woche im Sommer bzw. 55,1 % im Winter), aber sie gibt eine gute Vorstellung davon, was uns Radfahrern besonders wichtig ist:

Wir wollen sicher und zügig ans Ziel kommen, dabei auf möglichst unverschmutzten Wegen ohne Behinderung durch Kraftfahrzeuge und gleichzeitig rücksichtsvoll anderern Verkehrsteilnehmern gegenüber unterwegs sein:

Motive der Flächenwahl (Daten: TU Dresden)

Sicher fühlen wir uns vor allem auf separat von der Straße verlaufenden Radfahr- und Schutzstreifen. Auch auf nicht benutzungspflichtigen Radwegen fahren wir lieber als auf der Straße. Anders sieht es aber aus bei Gehwegen, auf denen wir zwar fahren dürfen, aber nur geduldet sind. Die Mehrheit der Radfahrer – vor allem die männlichen zwischen 35 und 44 und diejenigen, die fast täglich mit dem Rad unterwegs sind – ziehen dann die Straße vor.

Nutzungsverhalten

Wenn vorhanden, nutzen

  • 99 % Radfahrstreifen
  • 95 % Schutzstreifen (5 % fahren auf der Straße oder dem Gehweg (falls vorhanden), wobei Männer häufiger die Straße wählen als Frauen oder Personen, die selten Rad fahren)
  • 87,5 % nicht benutzungspflichtigen Radweg (12,5 % wählen die Straße, Männer wählen deutlich häufiger die Straße als Frauen)
  • 33,3 % Gehweg (Fahrräder frei) (Mehrheit der Befragten nutzt die Straße, Männer: 75 % und Frauen: 50 %)
  • 10,5 % Gehweg (Fahrräder nicht frei)

Wer wählt bevorzugt welchen Weg?

  • Straßen
    Radfahrer – mehrheitlich männlich – die häufig bis täglich mit dem Rad fahren und schnell von A nach B kommen wollen
  • Radfahrstreifen
    Fast alle
  • Gehwege
    Je wichtiger es einer Person ist, möglichst getrennt vom Kfz-Verkehr unterwegs zu sein, desto häufiger nutzt sie den Gehweg anstelle der Straße.
    Vor allem weibliche und ältere Radfahrer oder Menschen, die selten fahren, ziehen den Gehweg der Straße vor.

Wann wird gewechselt?

  • Von der Straße/dem Radweg wechseln die meisten auf den Gehweg, wenn sie bei Dunkelheit ohne Licht unterwegs sind. Auch ein schlechter Belag, Scherben und widerrechtlich parkende Fahrzeuge veranlassen häufig zu einem Fahrbahnwechsel.
  • Von der Straße auf den Radweg wechseln die meisten, wenn es sich staut, die Straße gepflastert bzw. der Radweg benutzungspflichtig ist.
  • Vom Radweg auf die Straße wechseln wir vor allem, wenn der Weg Schäden aufweist, verschmutzt oder zugeparkt ist.
  • Gehwegbenutzer wechseln vor allem auf andere Wege, wenn zu viele Fußgänger unterwegs sind, der Weg extrem schmal oder zugeparkt ist

Wie sieht es mit der Regelkenntnis der Befragten aus?

Die meisten Befragten wussten, was erlaubt bzw. nicht erlaubt ist, was sie aber nicht davon abhalten würde, etwas Verbotenes zu tun (z.B. widerrechtlich mit dem Rad auf dem Gehweg fahren).
Erstaunlich vielen Radfahrern war es nicht bekannt (mehr als 40 %), dass sie auch auf der Straße fahren dürfen, wenn rechts daneben ein Schutzstreifen bzw. ein nicht benutzungspflichtiger Radweg verläuft. Nur die Wenigsten würden in solch einer Situation zwar auf der Straße fahren, aber rein rechtlich gesehen wäre es erlaubt.

Falls auch ihr zukünftig an einer Online-Befragung der TU Dresden zu einem Radverkehrsthema teilnehmen wollt, könnt ihr euch hier anmelden.