Waldautobahn ade?

Derzeit ist in Baden-Württemberg das Radfahren in Wäldern nur auf Wegen erlaubt, die mindestens 2 Meter breit sind oder der Weg ist explizit als Mountainbike-Strecke oder Single Trail ausgewiesen. Mehrere Radfahrerverbände haben versucht, die leidige 2-Meter-Regelung zu kippen, bisher aber vergeblich.

Nichtsdestotrotz steigt aber die Zahl der Mountainbiker im Ländle und die Tourismusverbände machen mobil, um auf die die Nöte und Wünsche der Radfahrer im Allgemeinen und der Mountainbiker im Speziellen aufmerksam zu machen.

Der Forstminister Alexander Bonde von den Grünen hat mittlerweile Gelder bewilligt für die Planung und Beschilderung von Single Trails und weiteren Mountainbike Strecken auf unbefestigten Waldwegen im Land. Vorausgesetzt, dass die EU dem Vorhaben des Forstministers in Richtung nachhaltige Waldwirtschaft zustimmt und auch ihren finanziellen Part übernimmt, sollen Gemeinden, die Single Trails als naturnahe Walderholung ausweisen, einen Zuschuss von 50 Prozent der Planungs- und Umsetzungskosten erhalten.

Auch in den Naturparks Baden-Württembergs sollen anspruchsvolle Mountainbike Strecken auf unbefestigten Wegen und Pfaden entstehen. Die Naturparks unterstützen diese Neuausweisung als touristische Attraktion mit 50 Prozent der anfallenden Kosten und erhalten im Gegenzug mehr Geld vom Land.

Die Pläne des Forstministers sind ehrgeizig. Insgesamt sollen 10 Prozent der Radstrecken im Land als Single Trails ausgewiesen werden. Diese Wege werden natürlich nicht neu angelegt, die gibt es schon, sei es als Wanderwege oder als Rückgassen, d.h. Wege, über die gefällte Bäume aus dem Wald transportiert wurden. Bei der Beschilderung hilft der Schwarzwaldverein. Das ist meiner Meinung nach eine Win-Win-Lösung. Dem Schwarzwaldverein eröffnet sich eine neue, junge, sportliche Klientel und die Radfahrer und Mountainbiker können auf die Ortskenntnis des Schwarzwaldvereins zurückgreifen.

Quer durch den Schwarzwald gibt es ja bereits eine 450 Kilometer lange Mountainbike Strecke, die von Pforzheim im Norden bis nach Bad Säckingen im Süden des Landes reicht. Die Gemeinde Baiersbronn will zusätzlich bis 2015 weitere Mountainbike Routen durch den Nationalpark Schwarzwald ausweisen. Geplante Länge: 400 Kilometer.

Auch ein weiteres ehrgeiziges Projekt ist bereits in Arbeit. Ein sogenannter Gipfeltrail soll die folgenden Berge verbinden: Feldberg, Herzogenhorn, Belchen und Schauinsland. Auf der etwa 115 Kilometer langen Strecke müssen mehr als 2000 Höhenmeter überwunden werden. 30 Prozent der Strecke sollen Single Trails sein. Das werden die wenigsten von uns an einem Tag bewältigen können. Die meisten Mountainbiker werden diese Strecke in 2-3 Tagen meistern. D.h. sie werden übernachten und den Gemeinden vor Ort Geld in die Kassen schwemmen.

Insgesamt sollen wie gesagt zehn Prozent des 8500 Kilometer umfassenden Radwegenetzes im Naturpark Südschwarzwald über Single Trails führen. Im Februar hatte Minister Bonde ja bereits eine Art Leitfaden vorgestellt, der den Verantwortlichen vor Ort zukünftig bei der Planung und Einrichtung neuer Mountainbike Strecken helfen soll.

Ziel ist es, den Wald für alle Menschen so uneingeschränkt wie möglich erlebbar zu machen. Deshalb wollen wir den Beteiligten vor Ort einen Leitfaden für die Einrichtung spezieller Mountainbike-Trails in die Hand geben

Dieses Mountainbike Handbuch soll aufzeigen, welche Aspekte hinsichtlich Tourismus und Naturschutz zu beachten sind und informiert über Zuständigkeiten. Darüber hinaus bietet es konkrete Hinweise zur praktischen Umsetzung, beispielsweise zur Beschilderung.

Waldautobahnen wird es also auch weiterhin geben. Wieso auch nicht. Ich liebe Waldautobahnen. Aber der Anteil der Single Trails und technisch anspruchsvolleren Mountainbike Strecken wird zunehmen. Und das ist doch schon mal ein positives Signal für alle Mountainbiker.