Tandem on Tour – zurück in Georgien – Fazit

Zurück in Georgien radeln wir entlang des Kleinen Kaukasus durch den Südwesten. Wir überstehen die Attacke eines riesigen aggressiven Hundes, der glücklicherweise nur die Hinterradtasche anstatt meiner Wade erwischt, rumpeln auf einer Strecke von 50 km über einen unbefestigten Pass und machen noch einen Abstecher nach Vardzia, der alten Höhlenstadt. Die Höhlen selbst sind ein Muss für jeden Georgien-Reisenden.

Höhlenstadt Vardzia

Der Weg dorthin ist ein wenig mühsam, aber jeden Meter wert.

Gott sei Dank mussten wir nicht über diese Brücke!

„Straße“ nach Batumi

Schließlich erreichen wir Batumi, diesen schrecklichen, auf Massentourismus angelegten Badeort am Schwarzen Meer. Andere Radfahrer berichten begeistert über diese Stadt, wir wollen möglichst schnell wieder weg.

Batumi

Unsere Route führt uns ein Stück die Küste entlang Richtung Norden nach Swanetien im Großen Kaukasus. Auf dem Weg dorthin werden wir nicht nur ein paar Kilometer von der Polizei eskortiert, sondern dürfen unser Zelt im Vorgarten der Polizeiwache aufschlagen. Schlafen mit Polizeischutz – das hatten wir auch noch nicht.

Schlafen unter den Augen des Gesetzes

Die Straße nach Mestia, dort wo es zahlreiche alte Wehrtürme zu bestaunen gibt, führt durch pittoreskes Bergpanorama. Immer am Fluss bzw. Stausee entlang geht es durch ein tief eingeschnittenes Tal mit dicht bewaldeten Hängen.

Tiefe Schluchten

Eine Traumstraße sollte man meinen. Wenn, ja wenn da nicht die für Radfahrer nahezu unmögliche Wegstrecke wäre. Ein stetiges Auf und Ab lässt uns nur mühsam an Höhenmetern gewinnen.

Pause

Dazu kommt aufgerauter, mit Schlaglöchern gespickter grober Betonbelag, der ein Laufenlassen des Rades bei Abwärtsstrecken unmöglich macht. Warum ich mich auch dieses Mal wieder ausgerechnet bei Autofahrern nach der Streckenbeschaffenheit erkundigt habe, weiß ich nicht. Ich sollte es mittlerweile besser wissen. „Alles prima“, ist die Standardantwort von allen, die noch nie mit einem Rad so eine Straße gefahren sind. Trotzdem sind wir froh, dass wir es bis nach Mestia schaffen.

Von den Wehrtürmen, die in jedem Georgien-Reiseführer zu finden sind, gibt es hier mehr Exemplare, als wir vermutet haben. Viele Besucher fahren noch weiter bis nach Ushguli und dann über den gänzlich unbefestigten Pass.

Wehrtürme in Swanetien

Das schenken wir uns, zumal wir jetzt langsam den Rückzug antreten müssen. In ein paar Tagen fliegen wir zurück nach Deutschland.

In der Nacht wird Fritz noch einmal von heftiger Übelkeit gepackt. Gott sei Dank kein weiterer Infekt, der auf mich überspringt. Etwas geschwächt geht er die Rückfahrt Richtung Kutaisi an. Leider können wir die Positionen auf unserem Tandem nicht tauschen. Zum einen ist das Rad vorne zu groß für mich und zum anderen wäre ich wahrscheinlich nicht in der Lage, das schwere Gespann zu halten. Fritz muss wohl oder übel die Hauptarbeit leisten.

Jvari Reservoir

Als wir endlich die Betonpiste hinter uns haben und am Stausee auf ordentlichem Belag das Rad ein wenig rollen lassen können, reißt das Ventil am Vorderrad. Bevor ich begreife, was passiert, knallen wir auch schon auf den Asphalt. Dank der Helme tragen wir nur leichte Verletzungen davon. Nachdem der Schlauch gewechselt ist, können wir unsere Fahrt vorsichtig fortsetzen. Wir haben riesiges Glück gehabt, dass der Unfall an einer unbedenklichen Stelle passiert ist und dass gerade kein Auto auf der Straße war, das uns hätte überrollen können.

Reifen flicken

Ohne weitere Zwischenfälle rollen wir am nächsten Nachmittag am Flughafen Kutaisi ein.

Sechs Wochen Kaukasus liegen hinter uns. Wir sind 3.200 Kilometer gefahren, haben 32.500 Höhenmeter bewältigt und dabei unterschiedliche Länder und Menschen kennengelernt. Überall waren die Menschen freundlich und hilfsbereit. Wenngleich uns die Gastfreundschaft der Aserbaidschaner überwältigt hat. Hätten wir dort jede Einladung zum Tee angenommen, wären wir wahrscheinlich immer noch dort. Armenien mit seiner uralten christlichen Kultur bietet einen schier unerschöpflichen Schatz an historischen Kirchen und Klöstern. Während die Städte häufig unansehnlich sind, weist das Land abwechslungsreiche, mitunter bizarre Landschaften auf. Und auch Georgien hat so vielschichtige Regionen zu bieten.

Für uns geht eine außerordentlich erlebnisreiche, teilweise recht abenteuerliche Reise zu Ende. Wir haben sie als ungemein anstrengend empfunden, obwohl sie weder von der Gesamtstrecke noch vom Höhenprofil außergewöhnlich war. Vielleicht lag es am Streckenverlauf und den zum Teil doch sehr schlechten Straßenverhältnissen. Oder sind wir mittlerweile zu alt für solche Reisen? Wir hoffen nicht. Denn wir werden es wieder tun!