Angekommen. Der kleine aber nagelneue Flughafen in Kutaisi spuckt unser Tandem, das Paket mit dem Hänger und die Packtaschen unbeschädigt aus. Als eingespieltes Team haben wir zügig alles in fahrbereiten Zustand montiert. Die erste Nacht werden wir in Kutaisi verbringen. Auch wenn sich der Hostel-Wirt anfangs etwas sperrt, gelingt es uns schließlich doch noch, das Rad sicher im Gebäude unterzustellen.
Unsere Route soll uns zunächst nach Tiflis führen, wo wir bereits eine Unterkunft durch das Servas-Netzwerk klargemacht haben.

Das Straßenangebot in Georgien ist nicht von großer Auswahl. Auf der Karte eingezeichnete Nebenstraßen sind meist holprige Schotterpisten.

Schotterpiste

Also fährst du entweder Hauptstraße oder Autobahn. Nachdem wir am ersten Tag eine äußerst mühsame Etappe durch die Hügel von Imeretien absolvieren, wollen wir nun Strecke machen. Es gibt keine Verbotsschilder für Fahrräder an der Autobahn.

Mit dem Tandem auf dem Seitenstreifen der Autobahn

Und so finden wir uns auf einem schönen breiten Seitenstreifen wieder, der viel angenehmer zu fahren ist als die einspurigen Landstraßen, auf denen die unzähligen Kleinbusse und LKWs auf Tuchfühlung an uns vorbeirauschen.

Die erste Nacht campen wir an einem Fluss neben der Straße. Nachts bekommen wir Besuch von der Polizei. Fritz versucht eifrig, dem Beamten zu erklären, dass wir Angler gefragt haben. Doch das einzige, was der Mann wissen will ist, ob alles OK ist. Sehr entspannt. Auch die folgende Nacht stehen wir unter Polizeischutz. Wir finden bei anhaltendem Regen ein trockenes Plätzchen unter dem Vordach des Kindergartens im kleinen Dorf Urbnisi, kurz vor Gori.

Dorf bei Gori

Der Dorfsheriff gibt uns seine Telefonnummer mit der Aufforderung ihn anzurufen, falls es ein Problem gibt. Wir bekommen Tomaten, Gurken und Wodka geschenkt und werden in ein Haus eingeladen. Nur mit Mühe können wir durchsetzen, dass wir im Zelt übernachten. Ich schicke Fritz allein los, rede mich mit Müdigkeit heraus. So müssen wir unsere Sachen nicht unbeaufsichtigt lassen und trotzdem nicht unhöflich sein. Fritz verbringt einen ausgelassenen Abend in einer fröhlichen Männerrunde. Es war wohl gut, dass ich mich da ausgeklinkt habe. Als Frau wäre ich hier fehl am Platz gewesen.

In Tiflis werden wir von unseren Gastgebern zu einem ausgiebigen traditionellen georgischen Abendessen eingeladen. Unsere Unterkunft ist das leerstehende Haus der kürzlich verstorbenen Oma. Wir dürfen solange bleiben, wie wir wollen. Gut zu wissen, denn in der Nacht wird Fritz von einem heftigen Magen-Darm-Infekt heimgesucht, der ihn den ganzen nächsten Tag nicht aus dem Bett kommen lässt.

Tiflis

Als wir dann schließlich mit einem Tag Verzögerung Richtung Norden zur georgischen Heeresstraße aufbrechen, verzichten wir auf eine ausführliche Stadtbesichtigung, sondern beschränken uns auf eine kurze Rundfahrt durch das Zentrum. Es ist unglaublich staubig hier, die Abgase verpesten die Luft, wir sind froh, als wir endlich aus der Stadt sind. Während unserer Mittagspause lädt uns ein Werkstattbesitzer auf einen Kaffee ein. Die georgische Heeresstraße führt in den hohen Kaukasus bis zur russischen Grenze.

Der hohe Kaukasus – Natur satt!

Hinter Gudauri muss man den Jvari Pass auf 2379 m überqueren, hinter dem sich ein atemberaubendes Tal mit Blick auf die Gletscher offenbart. Leider ist diese Straße nicht verkehrsarm, wie wir in unserem Reiseführer gelesen haben. Denn der gesamte Transitverkehr aus Armenien und Georgien quält sich über die engen Kehren.
Leider verlieren wir unsere GoPro-Kamera auf dem Weg zurück. Misslich ist, dass wir die bereits gedrehten Filme nicht gesichert hatten.

Dann erwischt der Magen-Darm-Infekt auch mich. An Radfahren ist nicht zu denken. Wir campen bei einer sehr lieben alten Dame, die mich mit Graupenbrei wieder aufpäppelt.

Mariami heilt meinen Magen-Darm-Infekt

Als wir mit einem Tag Verzögerung endlich weiterkommen, machen wir einen entscheidenden Fehler. Wir nehmen eine Nebenstraße in den Osten Richtung aserbaidschanische Grenze, um Höhenmeter und Kilometer zu sparen. Der Weg gestaltet sich als eine grobe Schotterpiste, die in Serpentinen durch die Wälder bergan und bergab führt. Ansonsten tummeln sich hier vorzugsweise Allradfahrzeuge. Wir schaffen es dennoch unfallfrei.
Die große Hitze erwischt uns hinter Telawi. Wir sind mitten im georgischen Weinanbaugebiet. Auf der Suche nach einem Schlafplatz landen wir bei einer Familie, die darauf besteht, dass wir im Haus übernachten. Es ist stickig, gern hätten wir im luftigen Zelt geschlafen.

Morgen geht es über die Grenze weiter nach Aserbaidschan!