Tandem fahren – wäre das was für mich?

Diese Frage habe ich mir natürlich sofort gestellt, als Tandem On Tour vor gut drei Wochen den ersten Bericht über ihre Reise durch den Kaukasus hier veröffentlicht haben. Achtung, Spoiler – nein, das wäre absolut nichts für mich. Ich glaube, dass ich weder als Captain noch als Stoker hinter dem Captain eine gute Figur abgeben würde. Mir fällt spontan einfach niemand ein, mit dem ich auf einem Tandem ein harmonisches Ganzes bilden würde.

Eins ist sicher, der Platz hinten wäre bestimmt nichts für mich. Das behaupte ich jetzt mal mit dem Brustton der Überzeugung, ohne jemals auf einem Tandem gefahren zu sein. Die Vorstellung, ständig auf den Rücken des Vordermanns blicken zu müssen, einfach schrecklich. Ich liebe es, wenn mir beim Radfahren der Fahrtwind ins Gesicht bläst und ich alles im Blick habe, was von vorne und von den Seiten naht. Als Stoker müsste ich darauf verzichten, ja ich müsste mich komplett auf den Captain verlassen. Ich könnte lediglich in die Pedale treten, würde nicht sehen, was von vorne kommt und könnte weder bremsen noch lenken. Danke, aber nein danke! Das wäre nichts für mich. Das Argument, als Beifahrer in einem Auto sei ich ja auch auf Gedeih und Verderb dem fahrerischen Können des Fahrzeuglenkers ausgeliefert, lasse ich nur zum Teil gelten, denn als Beifahrer habe ich zumindest freien Blick nach vorne und zur Seite. Und Radfahren ist für mich vieles – Sport, Entspannung, Bewegung an frischer Luft und Frustabbau, während es mir im Auto lediglich darum geht von A nach B zu kommen.

Als Captain auf einem Tandem hätte ich zwar alles unter Kontrolle und ich könnte in die Pedale treten, bremsen und lenken, aber ich wäre nicht nur für mich, sondern auch für den Stoker verantwortlich. Ich müsste mich also gegebenenfalls rechtfertigen für Fahrfehler, Umwege oder Schlimmeres. Ich fahre zwar gerne in der Gruppe, aber auf meinem Rad sitze ich lieber alleine. Zumal ich mich in den letzten beiden Jahren drei Mal auf die Nase gelegt habe, zwei Mal selbstverschuldet (zu schnell gefahren oder unaufmerksam) einmal, weil ein PKW-Fahrer mir die Vorfahrt genommen hat und ich unsanft über den Lenker abgestiegen bin. Solche Erfahrungen möchte ich anderen doch ersparen. Grundsätzlich sollte auch immer die schwerere Person vorne sitzen, denn sie muss das Gespann halten. Bei einem Ampelstopp nimmt z.B. nur der Captain die Füße vom Pedal, der Stoker nicht. Diese allgemein empfohlene Gewichtsverteilung grenzt die Zahl möglicher Personen, die hinter mir Platz nehmen könnten, erheblich ein. Selbst meine Kinder kämen nicht mehr in Frage, denn zu Ihnen kann ich mittlerweile aufblicken.

Auch wenn Tandem fahren nichts für mich wäre, Brigitte und Fritz von Tandem on Tour haben meine vollste Hochachtung, zumal sie ja derzeit nicht gemütlich durch die norddeutsche Tiefebene radeln, sondern sich unter widrigen Bedingungen durch den Kaukasus kämpfen. Auf einem Tandem ist man nur gemeinsam stark.

Ein Tandem ist ideal um sicherzustellen, dass man zusammen ankommt – immer. Das gilt nicht nur für lange Touren, sondern auch für die Tagestour. Es gibt nur ein paar sportliche Aktivitäten, bei denen zwei Personen mit einem unterschiedlichen Leistungsniveau ein harmonisches Team bilden können. Tandem fahren ist eine davon.