Schlagwort: Verkehrsunfall

CM KA – Nachlese

Critical Mass in Karlsruhe: Immer am letzten Freitag des Monats. Start immer um 18 Uhr vom Kronenplatz. Da könnte man meinen, dass das eine schnarchlangweilige Veranstaltung ist. Wer das glaubt, war noch nie dabei und heute Abend schon gar nicht.

Es ist nichts Spektakuläres passiert und dennoch wird die Tour heute einen ganz besonderen Platz in meiner Erinnerung einnehmen. Wieso? Vor allem wegen der vielen Leute, die heute zum ersten Mal zu uns gestoßen sind.

Da waren zum Beispiel die vier Knirpse, die uns entdeckt haben, sich uns anschlossen und total beeindruckt waren, dass sie mit ihrem Rad auf der 2-spurigen Ludwig-Erhard-Allee fahren dürfen. Um es mit ihren Worten auszudrücken „einfach geil“.

Oder die junge Frau, die in Pfaffenrot bei Marxell von uns gehört hatte und schon immer mal mit uns mitfahren wollte. Karlsruher wissen, wie weit Pfaffenrot von Karlsruhe entfernt ist. Da fährt man nicht mal eben kurz mit dem Rad runter und wieder hoch.

Besonders beeindruckt war ich von der älteren Dame – und wenn ich „älter“ sage, dann meine ich eine Frau jenseits der 70 – die zufällig auf uns aufmerksam wurde. Sie kam mit ihrem Rad angefahren, sah die Polizisten und sprach diese an, weil sie eine Beschwerde vorbringen wollte, die zwar nichts mit Fahrrad oder Critcal Mass zu tun hatte, aber in den Zuständigkeitsbereich der Polizei fiel. Ich muss jetzt mal eine Lanze brechen für die Polizei. Der Beamte, der von der Seniorin angesprochen wurde, hat nicht nur zugehört, sondern sich gekümmert, obwohl er mit Sicherheit nicht für ihr Anliegen zuständig war.

Die Seniorin ist daraufhin spontan mit uns mitgefahren. Sie hatte ein „normales“ Fahrrad ohne eingebauten Rückenwind. Locker hat sie die 10 Kilometer Umweg per Rad weggesteckt, sich am Ziel auf dem Werderplatz vielmals bedankt für die schöne Radtour durch die Stadt, die sie eigentlich schon kennt wie ihre Westentasche und versprochen, in Zukunft häufiger teilzunehmen.

Ach ja, und dann war da ja noch die Presse. Thomas Simon vom SWR hat uns mit seinem Rad begleitet. Ich durfte mit seiner GoPro Kamera die Tour aufnehmen. Er hat mit seinem Smartphone ebenfalls gefilmt und unterwegs bzw. am Start/Ziel Teilnehmer interviewt. Der SWR4 veröffentlicht seinen Beitrag am kommenden Montag gegen Mittag.

Die Ehefrau von Herrn Simon sollte mit dem PKW den Weg der CM Tour kreuzen, um das ganze aus dem Blickwinkel der Autofahrer zu beleuchten. Sie wurde auf dem Weg dahin in einen Unfall verwickelt. Am Ende der Tour war leider nicht klar, ob es sich hier „lediglich“ um einen Blechschaden handelt oder nicht. Ich hoffe mal, dass alles glimpflich abging. Blechschäden sind mega-ärgerlich, aber immer noch besser, als wenn Menschen zu Schaden kommen.

 

 




Rad-Rowdys

In der gestrigen BNN Ausgabe gab es einen Leserbrief zum Thema Radfahren in der Sophienstraße in Karlsruhe:

Radfahrer = Landplage?

Ich stimme dem Verfasser des Leserbriefes insofern zu, dass auch ich es hasse, wenn sich Radfahrer nicht an die Verkehrsregeln halten, so als stünden sie über dem Gesetz, nur weil sie per Rad und nicht mit dem Auto unterwegs sind. Es gibt diese Rad-Rowdys, wie er sie nennt, und sie ruinieren den Ruf aller Radfahrer.

Aber angesichts der steigenden Zahl von Radfahrern auf Karlsruher Straßen von einer „Landplage“ zu reden, halte ich nun doch für etwas übertrieben und am Thema vorbei. Nehmen wir den Ort des Geschehens, die Sophienstraße. Sie ist eine der vielen Fahrradstraßen der Stadt Karlsruhe. Wie die meisten Fahrradstraßen in unserer Stadt ist sie zwar gut gemeint, aber nicht gut gemacht.

  1. Die winzigen grünen Fahrradpiktogramme auf der Straße sind verblichen und weder für Radfahrer noch für Autofahrer gut erkennbar.
  2. Bis auf eine einzige Ausnahme (ca. 30 Meter langes Teilstück der Erbprinzenstraße) ist auf allen Fahrradstraßen PKW Verkehr zugelassen, so dass es mir schwer fällt überhaupt einen Unterschied zwischen unseren „Fahrradstraßen“ und „normalen“ Straßen zu erkennen.

Die Sophienstraße ist extrem. Auf beiden Seiten parken Autos und dazu kommt die von Herrn Fehrle genannte Rechts-vor-Links-Regelung. Damit will ich jetzt nicht das verkehrswidrige Verhalten von wem auch immer entschuldigen, aber die Situation wäre dort viel entspannter und übersichtlicher, wenn man die Sophienstraße gleich zur Vorfahrtsstraße erklären würde. Noch besser wäre, wenn man – abgesehen von Anliegern – überhaupt keine Autos mehr auf Fahrradstraßen zuließe. Dann könnte man wirklich von Fahrradstraßen reden.

 




Radfahrstreifen – gut gemeint, aber oft gefährlich

Verglichen mit anderen Städten Deutschlands hat Karlsruhe ein imposantes und ständig wachsendes Radwegenetz. Aber auch bei uns ist natürlich nicht alles Gold was glänzt. Viele Radwege sind Stückwerk, zwar gut gemeint, aber leider oft nur das Gegenteil von gut gemacht. Man sieht ihnen einfach an, dass die Stadtväter bemüht waren, es möglichst allen recht zu machen – den Autofahrern, den Geschäftsleuten und den Radfahrern. Leider ist das Endergebnis dann für Radfahrer suboptimal bzw. gefährlich.

Nehmen wir die Karlstraße. Hier wurde der Radweg im Zuge von Straßenbauarbeiten beidseitig neu angelegt. Wenn man von der Ebertstraße in Richtung Innenstadt fährt, ist der Radweg durchgängig befahrbar bis knapp vor der Kriegstraße. Leider ist er nur zu Anfang breit und links mit einem dicken fetten weißen Strich von der Fahrbahn gut sichtbar getrennt. Die erste Hürde kommt am Kolpingplatz. Dort befindet sich eine Straßenbahnhaltestelle, die man als Radfahrer rechts umfahren muss. Fußgänger, die zur Straßenbahn wollen, scheinen aber nicht zu wissen, dass es sich hier um einen Radweg handelt. Die meisten queren ihn ohne nach links zu schauen. Ab der Jollystraße verjüngt sich der Radweg, so dass man beim Überholen langsamerer Radfahrer auf die Straße ausweichen muss. Kurz vor der Kriegstraße ist er dann urplötzlich komplett verschwunden, weil man hier eine zusätzliche Spur für rechtsabbiegenden PKW eingerichtet hat.

Anders sieht es aus, wenn man von der Stadt in Richtung Ebertstraße fährt. Hier haben die Stadtväter anscheinend Angst vor ihrer eigenen Courage gehabt. Alle Nase lang mündet der Radweg entweder ohne Vorankündigung oder mit einem kleinen „Auslauf“ in einen Parkstreifen. Das ist so unübersichtlich, dass ich es an bestimmten Stellen Autofahrern nicht mal übelnehmen kann, wenn sie hier auf dem Radweg parken.

Zwei Meter weiter stünde der Lieferwagen zumindest mal nicht mehr im absoluten Halteverbot.

Wo hört der Radweg auf, wo fängt der Park- /Haltestreifen an?




Freitag, der 13. harmloser als gedacht

Laut Statistischem Bundesamt ist Freitag, der 13. gar nicht so schlimm wie immer behauptet. Bei Licht betrachtet ist dieser Tag wie jeder andere Freitag auch. Es passieren an diesem Tag auch nicht mehr Unfälle als sonst.

Freitag, der 13.

Freitag, der 13.

2015 fielen insgesamt 3 Freitage auf den 13. des Monats. Es wurden insgesamt 829 Unfälle gemeldet, bei denen 1103 Personen zu Schaden kamen. Zum Vergleicht: An den übrigen Freitagen passierten 966 Unfälle mit 1259 verunglückten Personen. Eigentlich ist Freitag, der 13. somit ein Glückstag!

Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens, so das Statistische Bundesamt, passieren freitags aber mehr Unfälle, als an den anderen Wochentagen. Dies hängt damit zusammen, dass freitags viele Pendler nach Hause fahren und Ausflügler ins Wochenende starten.

Ihr müsst euch also nicht vor dem morgigen Tag fürchten, im Gegenteil, Freitag, der 13. ist eigentlich ein Glückstag!

 




UDV fordert Abbiegeassistent für LKW

Es gibt eine brandneue Studie der UDV zum Thema Fahrradunfälle durch rechtsabbiegende LKW im Jahr 2015.

Das erschütternde Ergebnis: 72 getötete und 665 schwer verletzte Radfahrer. Opfer waren mehrheitlich Frauen, aber auch Senioren über 65 waren überproportional häufig an einem solchen Unfall beteiligt. Laut UDV gehen etwa 1/3 aller getöteten Radfahrer auf das Konto von Abbiegeunfällen.

Die meisten Unfälle geschahen an ampelgeregelten Kreuzungen, während der Radfahrer Grün hatte.




Mit Abstand gefallt ihr mir am besten

In Osnabrück ist gerade eine großangelegte Kampagne für mehr Rücksicht und Sicherheit im Straßenverkehr gestartet. Da findet man u.a. Plakate mit dem Titel „Osnabrück sattelt auf“ um fürs Radfahren zu werben oder „Nach dir muss man sich einfach umdrehen“ um an den Schulterblick zu erinnern. Diese Kampagne sollte Vorbild sein für viele Städte, denn sie macht deutlich, wie eine Stadt und ihre Stadtväter zum Fahrradverkehr stehen.

Extrem gelungen finde ich den Spruch Was Autos von Radfahrern halten? Abstand!

Mit Abstand gefallt ihr uns am besten (Bild: rad-net.de)

Mit Abstand gefallt ihr uns am besten (Bild: rad-net.de)

Das nenne ich mal einen guten Slogan und als Image Kampagne für eine Stadt erheblich gelungener als gigantische Schilder mit dem Spruch: „Karlsruhe – viel vor. viel dahinter“




Ghost Bikes – stumme Zeugen eines tödlichen Fahrradunfalls

Die Route der morgigen Critical Mass Veranstaltung in Karlsruhe hat einen traurigen Hintergrund. Sie führt an der Stelle vorbei, an der am 28. Juni dieses Jahres ein 31-jähriger Radfahrer mit einem entgegenkommenden LKW zusammengeprallt und tödlich verletzt wurde. Am Unfallort beim Sonnenbad wollen wir morgen in der Südlichen Uferstraße ein sogenanntes „Ghost Bike“ zur Erinnerung aufstellen.

Überall auf der Welt findet man diese stummen weiß angestrichenen Zeugen eines tödlichen Fahrradunfalls. Sie sind Gedenkstätte und Mahnmal zugleich und sollen außerdem auf potentielle Gefahrenstellen für Radfahrer hinweisen.

Ghostbike (Bild: Essen)

Geisterrad in Essen

Sowohl die Streckenführung als auch das Ghost Bike selbst wurden vom AK Fahrradcampus des KIT Karlsruhe organisiert.

Ich bin jetzt schon mal gespannt, wie lange das Geisterrad stehen bleiben darf. Vor ca 2 Jahren hat Klemens bereits an einer anderen unfallträchtigen Stelle, an der ebenfalls ein Radfahrer ums Leben kam, ein Ghost Bike aufgestellt. Es wurde nach kurzer Zeit mit fadenscheinigen Begründungen von der Polize konfisziert. Es hat eine Weile gedauert, bis Klemens es wieder hatte.

Aber zurück zur morgigen Critical Mass. Wir starten wie gewohnt um 18 Uhr auf dem Kronenplatz. Von dort geht es dann über die Zähringerstraße, Waldstraße, Sophienstraße in Richtung Rheinstraße zur Südlichen Uferstraße. In der Nähe der Sonnenbad Gaststätte wird dann das Ghost Bike aufgestellt. Die Critical Mass endet auf dem Schlossplatz.

Hier der Streckenverlauf:

CM Streckenführung im September 2016

CM Streckenführung im September 2016




Fakten, Fakten, Fakten

Nachfolgend eine Sammelsurium von Zahlen, Fakten und Statistiken rund ums Fahrrad.

Wusstet ihr, dass

  • 2015 rund 535.000 E-Bikes verkauft wurden (Quelle: ZIV)?
  • man letztes Jahr durchschnittlich 557 € für ein neues Fahrrad (inkl. E-Bikes) berappen musste (2014 waren es 528 €)?
  • in Baden-Württemberg allein der Radtourismus eine Nettowertschöpfung von 860 Mio Euro/Jahr erzielt und damit ca. 25.000 Arbeitsplätze sichert (Quelle: ADFC)?
    Deutschlandweit arbeiten übrigens mehr als 270.000 Vollzeitbeschäftigte in der Fahrradbranche inkl. Fahrradtourismus und setzen 16 Milliarde Euro um.
  • jeder einzelne der vier größten Fahrradhersteller in Deutschland mehr E-Bikes verkauft als die gesamte deutsche Autoindustrie zusammen Elektroautos (Quelle: Vivavelo)?

    E-Mobilität in Deutschland fährt auf 2 Rädern

     

  • 69 % aller Räder über den Fachhandel, 18 % über SB-Warenhäuser u. Baumärkte und nur 13 % über Internetversender verkauft werden (Quelle: ZIV)?
  • 61,1 % aller Fahrradunfälle 2015 mit tödlichem Ausgang innerorts passierten (Quelle: DESTATIS)?
  • letztes Jahr 84.616 Radfahrer an einem Unfall mit Personenschaden beteiligt waren (2014: 85.199, Quelle: DESTATIS)?
  • das Trekkingrad (33 %) und das Cityrad (21 %) die meistverkauften Räder sind und das E-Bike mit 12,5 % bereits an dritter Stelle steht (Quelle: ZIV)?
  • Karlsruhe mit mehr als 10.200 Teilnehmern die höchste Carsharing-Dichte Deutschlands hat (Quelle: Stadt Karlsruhe)?
  • der Einzelhandel in den Städten mehr von Radfahrern profitiert als von Autofahrern?
  • der Anteil der Radfahrer unter den Verkehrsteilnehmern in Karlsruhe von Jahr zu Jahr zugenommen hat (1982: 13 % / 1992: 17 % / 2002: 16 % / 2012: 25 %)?
  • das Radwegenetz der Stadt Karlsruhe seit 6 Jahren unverändert bei einer Länge von 204 Kilometern liegt, während die Länge der Straßen im selben Zeitraum kontinuierlich gewachsen ist?
    Radwege im Unterhalt der Stadt

    Radwege im Unterhalt der Stadt

    Was sagen uns die Zahlen?

  • Radfahren schafft bzw. erhält Arbeitsplätze und ist ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor.
  • Die Elektromobilität in Deutschland fährt auf zwei Räden auch ohne finanzielle Anreize des Staates. Qualitativ hochwertige E-Bikes sind aber verhältnismäßig teuer. Gäbe es eine Kaufprämie für E-Bikes würden wahrscheinlich viel mehr Verkehrsteilnehmer vom Auto aufs Rad umsatteln.
  • Radfahrer leben gefährlich, denn sie haben keinen Airbag und keine Knautschzone. In punkto Sicherheit muss noch viel getan werden.
  • Radfahren ist zwar voll im Trend, aber der Ausbau der Infrastruktur (Radwege) hinkt hinterher.

 




Wenn man vom Teufel spricht

Ich hätte nicht so viel über Unfälle schreiben sollen. Jetzt hat es mich selbst auf dem Heimweg zerlegt. Aufgrund überhöhter Geschwindigkeit bin ich auf auf dem regennassen, abschüssigen Radweg hinter der Weiherfeldbrücke in der Kurve ins Rutschen gekommen und habe mich auf die Nase gelegt, sprich mir eine sturzbedingte Selbstverletzung ohne Fremdverschulden und Übersehenwerden zugefügt.

Das ausgerechnet mir das passieren muss! Ich erledige die meisten Wege mit dem Rad, bin somit das, was man gemeinhin eine erfahrene Radfahrerin nennt und mache so einen Anfängerfehler – ein Sturz mit Ansage. Ich hatte es eilig und war mit meinen Gedanken komplett woanders, jedenfalls nicht beim Radfahren. Wie heißt das Sprichwort noch mal? Übermut kommt vor dem Fall! Hoffentlich ist mir das eine Lehre. Doch leider verfällt man schnell wieder in alte Verhaltensmuster, wenn die aufgeschürften Knie und Ellbogen wieder verheilt sind.




Umfrageergebnis zu Floskeln in Unfallmeldungen

Hier das Ergebnis der von @PresseRad durchgeführten Umfrage zu Floskeln in Unfallmeldungen der Polizei:

Welche Floskeln stören euch stärker?

  • 61 % übersah den Radler
  • 16 % es kam zum Zusammenstoß
  • 23 % stürzte und verletzte sich

Neben mir haben noch 75 weitere Personen an dieser Umfrage teilgenommen.

Ausnahmsweise vertrete ich mal die Meinung der Mehrheit. Es ist mir seit jeher schleierhaft, wie man einen Radfahrer – in der Regel rechts vom Auto auf einem Radweg oder Schutzstreifen fahrend – einfach übersehen kann. So klein sind wir doch gar nicht.