Schlagwort: Verkehrssicherheit

Wie laut müssen Klingeln sein?

Diese Frage geisterte jüngst durch Twitter. Das Gesetz (§ 64 a der StVZO) sagt Folgendes:

Fahrräder und Schlitten müssen mit mindestens einer helltönenden Glocke ausgerüstet sein; ausgenommen sind Handschlitten. Andere Einrichtungen für Schallzeichen dürfen an diesen Fahrzeugen nicht angebracht sein. An Fahrrädern sind auch Radlaufglocken nicht zulässig.

Das Gesetz selbst schreibt keine bestimmte Lautstärke vor. Die Glocke bzw. Einrichtung für Schallzeichen – so einen Begriff können nur wir Deutsche uns ausdenken – muss lediglich helltönend sein.

Nehmen wir die Klingeln, die ich an meinen diversen Rädern montiert habe. Die winzige Klingel an meinem Mountainbike – ja, auch Mountainbikes, Rennräder oder Kinderräder müssen mit einer Klingel ausgerüstet sein – erzeugt einen eher höflich leisen Ton mit etwa folgendem Tenor:

Wären Sie so nett – aber nur, wenn es wirklich keine Umstände macht – mal kurz beiseite zu treten, damit ich geschwind vorbei fahren kann?

Die Klingel an meinem Alltagsrad dagegen ist so laut, dass ich vorsichtshalber schon aus weiter Entfernung klingle, damit niemand vor Schreck einen Herzinfarkt bekommt. Beide Klingeln sind helltönend, aber sie trennt Welten.




KA-Feedback im Test

Vor ein paar Tagen habe ich über den unsäglichen Radweg entlang der Michelin Reifenwerke berichtet. Boris fragte mich daraufhin, ob ich denn schon Widerspruch gegen die Anordnung der Radwegbenutzungspflicht eingelegt habe. Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, dass ich das kann. Wenn auf einem Radweg kein Platz ist, weiche ich einfach dahin aus, wo Platz ist und denke mir meinen Teil. Gefahrenstellen, wie z.B. Scherben auf auf dem Radweg oder Überflutungen, habe ich zwar schon gemeldet, aber widersinnige Beschilderungen und Wegmarkierungen noch nicht. Da der besagte Radweg innerhalb der Stadtgrenzen verläuft, nehme ich mal an, dass die Stadt auch dafür zuständig ist. Wir haben in Karlsruhe ein Online-Portal, das nennt sich KA-Feedback. Über dieses Portal können wir der Stadt mitteilen, wo wir eine Verunreinigung, eine Gefahrenstelle oder eine falsche bzw. irreführende Beschilderung festgestellt haben.

Geben Sie uns Feedback, damit wir uns kümmern können.

Letzten Freitag habe ich mein „Feedback“ gegeben. Ich habe mein Anliegen kurz geschildert und mit einem aussagekräftigen Foto verdeutlicht.




Schutzstreifen – Wunsch und Wirklichkeit

Je länger ich mit dem Rad in der Stadt unterwegs bin, desto weniger glaube ich an die schützende Wirkung der sogenannten Schutzstreifen. Und das denke ich nicht nur, weil mir vor zwei Jahren auf eben genau so einem Schutzstreifen jemand die Vorfahrt genommen hat, so dass ich unsanft über den Lenker absteigen musste.

Was will man mit Schutzstreifen erreichen und wie sieht die Wirklichkeit aus? Die Stadt Hamburg hat einen Flyer herausgeben mit dem Titel Radfahrstreifen und Schutzstreifen – Sicher und komfortabel Rad fahren. Auf diesen Flyer werde ich mich im Folgenden beziehen.

  • These 1: Schutzstreifen bieten hohen Fahrkomfort und die Möglichkeit schnell voranzukommen.
    Theoretisch mag das stimmen, aber praktisch komme ich als Radfahrer nur in den Genuss dieses Komforts, wenn die Straße leer ist – also sonntags – und keine Fahrzeuge widerrechtlich auf dem Schutzstreifen parken.

Zugeparkter Schutzstreifen




Stressfrei in die City?

Die Stadt Karlsruhe rüstet sich wieder für den Weihnachtsansturm. Unter Stressfrei in die Weihnachtsstadt  findet man Informationen zur Verkehrsführung.

Der Verkehr soll fließen

Damit meint man allerdings in erster Linie den Autoverkehr. Damit dieser Verkehr noch „besser“, sprich schneller durch die City direkt am ECE und am Rondellplatz vorbei Richtung Fritz-Erler-Straße fließen kann und Autofahrer auf den für sie anscheinend lästigen Schulterblick komplett verzichten können, hat man den Radfahrstreifen auf  der Markgrafenstraße für Radfahrer kurzerhand aufgehoben, zu unserem Schutz, wie es in der Pressemeldung lapidar heißt.

Wieso man den Autoverkehr hier lang führt, ist mir absolut schleierhaft. Wegen der paar Stellpätze in der IHK Tiefgarage? Auf dem Friedrichplatz eröffnet bald der Weihnachtsmarkt, vom ECE  laufen täglich Tausende von Fußgänger in Richtung Kaiserstraße und die Markgrafenstraße ist Hauptverkehrsader für Radfahrer. Ausgerechnet hier leitet man jetzt zusätzlich den Autoverkehr lang? Dann sieht das bis Anfang nächsten Jahres hier wohl so aus, bloß noch schlimmer, da die Weihnachtszeit ja noch kommt:

 

Man konnte förmlich spüren, dass der Autofahrer die vor ihm fahrende Radfahrerin am liebsten zur Seite gefegt hätte. Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit ist er mit überhöhter Geschwindigkeit an ihr vorbeigebraust, nur um an der nächsten Kreuzung gleich wieder eine Vollbremsung hinzulegen, um links abzubiegen. So viel zum Thema Der Verkehr soll fließen.




Gut gemeint, aber auch gut gemacht?

Zwei Radfahrer sind innerhalb kürzester Zeit in Karlsruhe durch einen tragischen Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Die Critical Mass Karlsruhe hat daraufhin spontan beschlossen, zwei Ghost Bikes aufzustellen. Es wurde geplant, auf die Schnelle zwei Räder organisiert, diese weiß angestrichen und Gedenktafeln beschriftet.
Eigentlich alles richtig gemacht und dennoch frage ich mich, ob wir die beiden verunglückten Radfahrer nur als Vorwand genommen haben, um auf Missstände im Radverkehr hinzuweisen.

Impressionen von der Critical Mass Oktober 2017

Wieso komme ich darauf, obwohl ich selbst an der Planung beteiligt war? Woher rühren meine Zweifel?




CM KA will Ghost Bikes aufstellen

Hintergrund der Aktion sind die beiden schrecklichen Fahrradunfälle, die sich Ende September / Anfang Oktober in Karlsruhe ereignet haben. Am 28. September wurde ein 80-jähriger Pedelec-Fahrer bei einem tragischen Unfall in Mühlburg tödlich verletzt. Der genaue Unfallhergang ist noch immer ungeklärt. Der zweite Unfall ereignete sich eine Woche später in der Nordweststadt. Ein vorfahrtsberechtigter 74-jähriger Radfahrer wurde von einem rechtsabbiegenden LKW erfasst und schwer verletzt. Der Radfahrer erlag wenig später seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus.

Es ist geplant, morgen Abend (= letzter Freitag des Monats) an beiden Unfallorten (Rheinhafen-/Eckenerstraße bzw. Landauer Str./Wilhelm-Hausenstein-Allee) ein Ghost Bike zur Erinnerung an die verunglückten Radfahrer aufzustellen. Die Critcal Mass startet wie gewohnt um 18 Uhr auf dem Kronenplatz.

Streckenverlauf – Critical Mass Karlsruhe / Oktober 2017




Die einen nennen es Radweg …

… ich nenne das gefährlich. Was ihr hier seht, ist nicht etwa eine Einbahnstraße, sondern eine Straße, die in beiden Richtungen befahren wird. Sie führt quer durch die City einer kleinen Kreisstadt im Norden der Republik. Die max. Geschwindigkeit ist auf 20 km/h begrenzt. Links und rechts von dieser Straße verlaufen sogenannte Radwege. Rechts von diesen „Radwegen“ sind Parkplätze. Ich habe meinen Augen nicht getraut. Eine Stadt, die gerade groß in der Presse war, weil sie beim Stadtradeln extrem viele Radler mobilisieren konnte, hat so eine Hauptverkehrsader mitten durch die Innenstadt? Wie passt das zusammen? Bin ich schon zu verwöhnt? Jammern wir in Karlsruhe auf hohem Niveau?

Für mich ist ein Radweg, der schmaler ist als der Lenker meines Mountainbikes, kein Radweg mehr.

Hier dieselbe Straße etwa hundert Meter weiter:




Kleiner Strich, große Wirkung

Satzzeichen sind wichtig, ja man könnte sogar sagen lebenswichtig. Sätze wie Wir grillen, Oma bzw. Wir grillen Oma zeigen das überdeutlich. Dass auch Bindestriche oder besser gesagt fehlende Bindestriche die Botschaft eines Verkehrsschildes total verändern können, wurde mir heute Nachmittag schmerzlich bewusst.
Ich hatte eine Radtour nach Rotenburg / Wümme unternommen. Da ich schon lange nicht mehr dort gewesen war, wollte ich mal schauen, wie sich die niedersächsische Kleinstadt so gemausert hat. Mein erster Weg führte mich zu meiner ehemaligen Schule. Schon von weitem sah ich, dass man die Straße, die direkt an der Schule vorbeiführt, in eine Fahrradstraße umgewandelt hatte.

Kleines Zeichen, große Wirkung (Original und Wunschvorstellung)

Man liest ja bekanntlich nur, was man lesen will. Ich las „KFZ-frei“ und dachte „endlich mal eine Fahrradstraße, die den Namen auch verdient“.

Keine Autos = keine Elterntaxis vor der Schule = mehr Verkehrssicherheit.

Die Freude hielt allerdings nicht lange. Für „KFZ-frei“ parkten entlang der Straße einfach zu viele Autos. Sonderregelung für Lehrer? So lauffaul sind die eigentlich nicht. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich nicht richtig gelesen hatte. Typischer Fall von Wunschdenken! Am liebsten hätte ich einen Edding genommen und den fehlenden Bindestrich hinzugefügt, so wie im Bild oben rechts.

 




CM KA – Nachlese

Critical Mass in Karlsruhe: Immer am letzten Freitag des Monats. Start immer um 18 Uhr vom Kronenplatz. Da könnte man meinen, dass das eine schnarchlangweilige Veranstaltung ist. Wer das glaubt, war noch nie dabei und heute Abend schon gar nicht.

Es ist nichts Spektakuläres passiert und dennoch wird die Tour heute einen ganz besonderen Platz in meiner Erinnerung einnehmen. Wieso? Vor allem wegen der vielen Leute, die heute zum ersten Mal zu uns gestoßen sind.

Da waren zum Beispiel die vier Knirpse, die uns entdeckt haben, sich uns anschlossen und total beeindruckt waren, dass sie mit ihrem Rad auf der 2-spurigen Ludwig-Erhard-Allee fahren dürfen. Um es mit ihren Worten auszudrücken „einfach geil“.

Oder die junge Frau, die in Pfaffenrot bei Marxell von uns gehört hatte und schon immer mal mit uns mitfahren wollte. Karlsruher wissen, wie weit Pfaffenrot von Karlsruhe entfernt ist. Da fährt man nicht mal eben kurz mit dem Rad runter und wieder hoch.

Besonders beeindruckt war ich von der älteren Dame – und wenn ich „älter“ sage, dann meine ich eine Frau jenseits der 70 – die zufällig auf uns aufmerksam wurde. Sie kam mit ihrem Rad angefahren, sah die Polizisten und sprach diese an, weil sie eine Beschwerde vorbringen wollte, die zwar nichts mit Fahrrad oder Critcal Mass zu tun hatte, aber in den Zuständigkeitsbereich der Polizei fiel. Ich muss jetzt mal eine Lanze brechen für die Polizei. Der Beamte, der von der Seniorin angesprochen wurde, hat nicht nur zugehört, sondern sich gekümmert, obwohl er mit Sicherheit nicht für ihr Anliegen zuständig war.

Die Seniorin ist daraufhin spontan mit uns mitgefahren. Sie hatte ein „normales“ Fahrrad ohne eingebauten Rückenwind. Locker hat sie die 10 Kilometer Umweg per Rad weggesteckt, sich am Ziel auf dem Werderplatz vielmals bedankt für die schöne Radtour durch die Stadt, die sie eigentlich schon kennt wie ihre Westentasche und versprochen, in Zukunft häufiger teilzunehmen.

Ach ja, und dann war da ja noch die Presse. Thomas Simon vom SWR hat uns mit seinem Rad begleitet. Ich durfte mit seiner GoPro Kamera die Tour aufnehmen. Er hat mit seinem Smartphone ebenfalls gefilmt und unterwegs bzw. am Start/Ziel Teilnehmer interviewt. Der SWR4 veröffentlicht seinen Beitrag am kommenden Montag gegen Mittag.

Die Ehefrau von Herrn Simon sollte mit dem PKW den Weg der CM Tour kreuzen, um das ganze aus dem Blickwinkel der Autofahrer zu beleuchten. Sie wurde auf dem Weg dahin in einen Unfall verwickelt. Am Ende der Tour war leider nicht klar, ob es sich hier „lediglich“ um einen Blechschaden handelt oder nicht. Ich hoffe mal, dass alles glimpflich abging. Blechschäden sind mega-ärgerlich, aber immer noch besser, als wenn Menschen zu Schaden kommen.

 

 




Critical Mass in Karlsruhe am 25.08.2017

Die einen nennen es Critical Mass, andere wiederum Fahrrad-Demo und manch einer sogar Kirchentag der Radfahrer und Velomobilisten – dies spiegelt die ganze Bandbreite der Veranstaltung wider.

Hier schon mal die Streckenführung der morgigen CM für alle, die unterwegs mit ihrem Rad einsteigen wollen.

Der Start ist wie immer um 18 Uhr auf dem Kronenplatz. Die 1-stündige Tour führt über die Ludwig-Erhard-Allee zum „Horror“-Kreisel (siehe Video unten) von dort über die Oststadt und die neue Südoststadt in die Südstadt. Danach umrunden wird einen Teil des Stadtgartens und fahren dann zurück in die Südstadt, wo die Tour auf dem Werderplatz enden wird.

Solltet ihr übrigens den Beitrag über den Oststadtkreisel auf extra-3 verpasst haben, hier das Video: