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Benutzungspflichtiger Radweg?

Dieser kuriose Radweg führt direkt an den Michelin-Reifenwerken in Karlsruhe vorbei. Es handelt sich dabei um einen benutzungspflichtigen Radweg, was durch das StVO Schild 241-30 eindeutig gekennzeichnet ist. Ich habe schon in einem anderen Zusammenhang über ihn berichtet.
Heute Nachmittag bin ich zufällig wieder hier vorbeigekommen und ich konnte nicht umhin, den Streckenabschnitt in einem kleinen Filmchen festzuhalten. Ich bin froh, dass ich nur meine linke Gepäckträgertasche am Rad montiert habe, sonst wäre ich womöglich an einem der Pfeiler hängengeblieben. Aber was machen Triker oder Radfahrer mit Kinderanhänger? Wo fahren die lang? Links auf dem Radweg, wie vorgeschrieben oder rechts am Hindernis vorbei auf dem Gehweg?

 

Wer gibt so eine „Strichführung“ in Auftrag bzw. wer führt solch einen Auftrag aus? Die Maxime „Ist doch egal, ich krieg’s ja bezahlt“ scheint nicht nur in meiner Firma verbreitet zu sein.

Wieso man hier die weiße Markierung nicht längst entfernt hat, um einen für Radfahrer und Fußgänger gemeinsam genutzten Geh-/Radweg (Zeichen 240) zu schaffen, ist mir schleierhaft. Übrigens kann man sich dieses Meisterwerk der Malerei auch über Google Earth anschauen. Einfach „Karlsruhe, Michelin Reifenwerke“ eingeben und den Radweg heran zoomen.


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Nur mal kurz …

… zum Bäcker, zur Reinigung, zur Bank, den Warnblinker ausprobieren oder mit schlechtem Beispiel vorangehen. Ausreden gibt es immer. Seit wir in Karlsruhe diese wunderschön breiten und durch einen fetten Strich von der Fahrbahn abgetrennten Radwege haben, parkt es sich darauf viel besser als früher.

Nehmen wir einen typischen Samstagmorgen in der Karlstraße. Alle paar Meter steht ein Fahrzeug widerrechtlich geparkt auf dem breiten Radweg. Die Karlstraße steht stellvertretend für viele in Karlsruhe. Die Stadtväter bauen neue Radwege, Schutzstreifen und Fahrradstraßen. Doch als Radfahrer muss man Slalom fahren. Das Ordnungsamt könnte sich eine goldene Nase verdienen. Aber entweder fehlt der Wille, hier durchzugreifen oder das Personal oder beides.

Nur mal kurz im Weg stehen

 




Ganz schön „draist“ diese CM in Karlsruhe

Ja, wir sind ganz schön „draist“, dass wir – die Critical Mass Bewegung in Karlsruhe – selbst am Drais Wochenende nicht umhin kommen, auf Missstände in punkto Fahrradinfrastruktur und Verkehrssicherheit hinzuweisen, und zwar im Zuge unserer für Freitag, dem 26. Mai geplanten und um 18 Uhr auf dem Kronenplatz beginnenden Radtour durch die Stadt.

Critical Mass im April begleitet durch 5 Polizisten auf Motorrädern und 4 Polizisten in 2 PKW – weniger wäre mehr gewesen!




Filmtipp – Der Fahrradkrieg – Kampf um die Straßen

Am Montag, den 24. April gibt es auf NDR abends um 22.00 Uhr den 45-minütigen Film Der Fahrradkrieg von Güven Purtul (nicht zu verwechseln mit Der Fahrradkrieg – Wem gehört die Stadt, den der SWR produziert hat).

Beide Titel hören sich martialisch an, und der Fahrradalltag ist in der Tat manchmal kein Zuckerschlecken. Wenn man nicht unter die Räder kommen will, muss man als Radfahrer seinen Platz auf der Straße selbstbewusst behaupten. Radfahren ist zwar voll im Trend doch die Infrastruktur hinkt leider noch hinterher. Der Platz auf unseren Straßen wird allmählich eng.

Dabei soll das Fahrrad zentrale Probleme lösen, mit denen deutsche Städte zu kämpfen haben: Stau, Lärm, Luftverschmutzung. Doch dafür sind die Radwege im Norden noch völlig unzureichend: Sie sind schmal, verwinkelt, buckelig, verkrautet oder gleich ganz zugewachsen.

Das kann ich nach meinem jüngsten Besuch in der alten Heimat leider nur bestätigen. Der Verbindungsweg zwischen der Nord- und der Südroute des Wümme-Radweges war in einem katastrophalen Zustand.

Auch dieser Radweg ist bucklig, von Rillen durchzogen und verkrautet

 

 




Land unter an der Alb

Seit ein paar Tagen regnet es und die Flusspegel steigen wieder. Eigentlich kein Problem, denn Regen haben wir bitter nötig. Anscheinend wurde die Stadt Karlsruhe vom Regen kalt erwischt. War ja auch Fasching, da war die Personaldecke wahrscheinlich dünn. Ergebnis: Die Alb ist an einigen Stellen übers Ufer getreten und der angrenzende Radweg ist wegen Überschwemmung unpassierbar.

Am Entenfang hat man mittlerweile eine Absperrung aufgestellt:

Entenfang wegen Überflutung abgesperrt

Am Bulacher Loch, ausgerechnet dort wo man mit Karacho den abschüssigen Radweg hinunter fährt, um unter die Unterführung hindurch in Richtung Europabad zu gelangen, braucht man Schwimmflügel, oder wie Thomas gestern scherzhaft meinte, einen Taucheranzug. Man erkennt auf dem nachfolgenden Foto leider nicht viel, weil es dort stockdunkel ist:

Bulacher Loch? Nein, dunkles Loch

Tagsüber ist das ja kein Problem. Da sehe ich rechtzeitig, dass ich umkehren muss. Aber morgens um kurz nach 6 Uhr erkenne ich diese Gefahrenstelle ggf. erst, wenn ich schon kniehoch im Wasser stehe oder nach links in die Alb gefahren bin. Ich habe diese Gefahrenstelle bereits vor zwei Tagen gemeldet, aber außer einer automatisch generierten Mail, die mir den Eingang bestätigte, habe ich noch keine Rückmeldung erhalten. Sind ja auch noch Faschingsferien!




Bilder der Woche

Die Bilder der Woche kommen aus Südkorea, genauer gesagt aus der Hauptstadt Seoul. Dort verbringt meine Jüngste gerade ein Auslandssemester. Das Fahrrad ist in der Millionenstadt Seoul nicht erste Wahl, wenn es darum geht zur Arbeit, zur Schule oder zur Uni zu gelangen. Dazu sind die Wege zu lang, der Verkehr zu dicht und viel zu hektisch. Das Rad führt aber dennoch kein Schattendasein. In der Freizeit und für sportliche Zwecke wird es viel genutzt.

Cycling the busy main streets of the citiy is not recommended but a pedal along the cycling lanes beside the Han River and through several parks can be a pleasure.

Solche vom restlichen Verkehr komplett getrennt verlaufende Radwege hätte ich auch gerne, aber nicht nur entlängs der Flussläufe, auch innerorts. So könnten z.B. die Radschnellwege aussehen, die derzeit bei uns in Deutschland in aller Munde sind.

Radweg entlängs des Han Flusses

Was die zu leihenden Räder anbelangt, bin ich nicht so begeistert, aber ich bin natürlich auch verwöhnt.

Leihräder in Seoul




Radlerforum Karlsruhe

Ich wohne seit knapp 30 Jahren in Karlsruhe und das Rad ist mein Hauptfortbewegungsmittel, aber ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich das Radlerforum Karlsruhe bis vor kurzem gar nicht kannte. Bei einem unserer letzten CM Treffen (einmal im Monat treffen sich Anhänger/Mitfahrer der Critical Mass Bewegung in Karlsruhe zu einem Meinungsaustausch) wurde das Radlerforum thematisiert. Ein Teilnehmer der Runde hatte vorgebracht, ob wir nicht Vertreter der einzelnen Parteien oder Honoratioren der Stadt mit ins Boot holen sollten, um die Critical Mass bekannter und hoffähiger zu machen. Kommentar einer anderen Teilnehmerin, die bereits versucht hatte, solche Kontakte herzustellen:

Die Critical Mass in Karlsruhe ist denen nicht politisch genug. Macht euch mal Gedanken, was ihr überhaupt wollt. Was sind eure persönlichen Ziele. Hier ein Flyer vom Radlerforum und ein Ausdruck des 20-Punkte-Programms der Stadt zur Förderung des Radverkehrs.

Jeder griff sich einen Flyer und blätterte ihn durch. Ein verächtliches Schnauben ertönte zu meiner Linken. Ein Seniorenrat sei Teil dieses Radlerforums, dann könne das ja wohl nichts sein, denn was wissen die schon vom Radfahren. Ich bin zwar noch kein Senior, fühle mich jedenfalls nicht so, auch wenn ich in den Augen eines 20-Jährigen mein „Best before date“ wahrscheinlich schon lange überschritten habe. Aber ich merkte, wie mir der Kamm schwoll.




Warum wir fahren wo wir fahren

Die TU Dresden hat im Rahmen einer Diplomarbeit untersuchen lassen, warum wir Radfahrer in bestimmten Situation die Straße, den Radfahr-/Schutzstreifen bzw. den Rad-/Gehweg benutzen. Von Mitte Februar bis Mitte April dieses Jahres wurden online 6584 Personen befragt, von denen 5575 (2/3 Männer, 1/3 Frauen) für die Studie verwertbare Angaben machten. Das Durchschnittsalter lag jenseits der 40, das Bildungsniveau war überdurchschnittlich hoch und die meisten Befragten gaben an, in Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern zu leben.

Die Studie ist zwar nicht repräsentativ, weil die Mehrheit der Befragten angab, überdurchschnittlich häufig mit dem Rad unterwegs zu sein (80,8 % mindestens 4 Tage/Woche im Sommer bzw. 55,1 % im Winter), aber sie gibt eine gute Vorstellung davon, was uns Radfahrern besonders wichtig ist:

Wir wollen sicher und zügig ans Ziel kommen, dabei auf möglichst unverschmutzten Wegen ohne Behinderung durch Kraftfahrzeuge und gleichzeitig rücksichtsvoll anderern Verkehrsteilnehmern gegenüber unterwegs sein:




Stehen wir über dem Gesetz?

Stehen wir Radfahrer über dem Gesetz, nur weil wir Rad fahren? Gelten Regeln immer nur für andere Verkehrsteilnehmer, aber nicht für uns selbst? Anders kann ich die Pressenachricht der Polizei Karlsruhe leider nicht interpretieren:

Radkontrollen stießen auf Unverständnis

Ich weiß natürlich nicht, wie viele Radfahrer insgesamt kontrolliert wurden. 17 von 100 sind viel, 17 von 1000 sind nicht viel. Die Kreuzung Rüppurrer Straße / Baumeisterstraße ist ein gefährliches Eck. Gerade dort sollten wir Radfahrer nicht nur höllisch aufpassen, sondern uns auch an die Regeln halten. Ich halte es weder für Schikane noch für unsinnig, wenn man auch uns kontrolliert. Die Polizisten hätten bestimmt auch lieber etwas „Besseres“ getan,  Auch zugeparkte Radwege oder blind nach rechts abbiegende Autofahrer rechtfertigen nicht unser eigenes Fehlverhalten. Nur weil wir mit dem Rad unterwegs sind, gibt uns das keinen Freifahrtschein für Regelverstöße. Das sehen viele andere Radfahrer auf Twitter und Facebook zwar komplett anders als ich, aber irgendwie war ich noch nie Mainstream.




Eine Stadt voller Räder

Im Juni wurden wir vor dem Start der Critical Mass von Kirsten Etzold, einer Redakteurin der Badischen Neuesten Nachrichten, interviewt. Ganz zum Schluss fragte Frau Etzold in die Runde, was wir uns denn für die Zukunft erhoffen. Daraufhin antwortete Christa Walter:

Mein Traum ist eine Stadt voller Räder.

Ich muss gestehen, dass mir in diesem Moment keine wohligen Schauer über den Rücken liefen, eher so was wie Panik. Nicht weil ich mir nicht auch eine Stadt voller Räder anstelle vieler Autos wünschen würde, aber angesichts der noch fehlenden Infrastruktur macht mir die Vorstellung vieler Räder auf engstem Raum um mich herum eher Angst als angenehme Vorfreude.

Freitag war wieder Critical Mass. Knapp 100 Radfahrer fuhren in einem langgestreckten Verband gemütlich eine Stunde durch die Stadt Karlsruhe. Bei Versammlungen wie der Critical Mass bekommt man eine ganz gute Vorstellung davon, wie viel Raum eine Hundertschaft Radfahrer benötigt, um sicher von A nach B zu kommen. Da reicht ein 2 Meter breiter Radstreifen nicht, geschweige denn ein schmaler Schutzstreifen. Viele Radfahrer benötigen auch viel Raum. Wenn Hundert Radfahrer schon viel Raum einnehmen, wie viel Raum muss dann erst für eine Stadt voller Räder vorgesehen werden?