Ich bin ja eigentlich ein positiv gestimmter Mensch, aber wenn es um Wahlversprechen geht, bin ich eher skeptisch. Papier ist geduldig und versprochen hat man sich schnell.

Wenn man mal von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und DIE LINKE absieht, haben sich die anderen vier Parteien, die wahrscheinlich im Bundestag vertreten sein werden, in puncto Radverkehr nicht allzu weit aus dem Fenster gelehnt. Hier ein Link zu den Wahlprogrammen der einzelnen Parteien.

Zwei Parteien – die FDP und die AFD – schweigen sich zu diesem Thema komplett aus.

Bei der SPD finden sich gerade mal ein paar Zeilen:

Die Infrastruktur für den Fahrradverkehr wollen wir verbessern. Dazu gehören mehr innerörtliche Fahrradspuren, sichere Abstellmöglichkeiten und regionale Radschnellwege. Für E-Bikes müssen außerdem mehr Ladestationen unter anderem an öffentlichen Gebäuden zur Verfügung gestellt werden.

Das Wahlversprechen der CDU/CSU fällt ähnlich knapp aus und der Schwarze Peter wird schon mal prophylaktisch an die Kommunen weitergereicht.

Wir erwarten von den betroffenen Städten, dass sie auch die Fahrrad-Mobilität fördern, ähnlich wie dies in den Niederlanden oder in der Stadt Münster der Fall ist. Gerade junge Menschen sind häufig bereit, auf Fahrräder umzusteigen. Der Bund wird den Fahrradverkehr und den Radwegebau weiter fördern. Wir starten ein Programm zur Förderung von Radschnellwegen, die unabhängig von vorhandenen Bundesstraßen verlaufen.

Christine Lehmann, stellt in ihrem heutigen Blogbeitrag die Frage: Welche Partei versteht am meisten vom Fahrradfahren? Den Kommentaren nach zu urteilen ist das Vertrauen der Leser in die diesbezügliche Kompetenz der Parteien nicht allzu groß. Ich muss gestehen, dass ich diese Skepsis teile. Wenn die beiden großen Parteien sich gerade mal am Rande für den Radverkehr interessieren, nützt es wenig, wenn potentielle Juniorpartner sich dafür stark machen. Noch dazu heißt koalieren auch immer kompromissbereit zu sein.

Im Gegensatz zu den Autofahrern, haben wir Radfahrer leider keine Interessenvertreter aus der Zweiradindustrie, die sich in Berlin für den Radverkehr stark machen. Jedenfalls habe ich nicht den Eindruck, dass sich Firmen wie Derby Cycle, Winora etc. hier ins Zeug legen würden. Solange das der Fall ist, müssen wir wohl oder übel selbst auf unsere Rechte als Verkehrsteilnehmer aufmerksam machen. Steter Tropfen höhlt den Stein, heißt es doch so schön.

Die Critical Mass ist so ein steter Tropfen. In Karlsruhe treffen wir uns immer am letzten Freitag des Monats um 18 Uhr auf dem Kronenplatz, um mit Gleichgesinnten etwa eine Stunde gemütlich durch die Stadt zu radeln und auf unser Anliegen aufmerksam zu machen. Den Streckenverlauf der nächsten Tour am 29. September findet ihr übrigens schon auf GPSies zum Download.