Schlagwort: Radfahrer

Nicht geschimpft ist genug gelobt

Egal ob bei Tisch, in der Beurteilung von Mitarbeitern oder auf Twitter – wir haben die Kunst des Lobens verloren. Die meisten Menschen – und ich leider auch – haben das Prinzip des Net gschimpft isch globt gnug schon so verinnerlicht, dass nur noch gemeckert wird. Wenn das Essen lecker ist, sagt keiner was, aber wehe es fehlt Salz!

Auf Twitter findet man die Kunst des Lobens leider eher selten. Meist wird gescholten oder abgelästert – in meiner Timeline in der Regel gegen Autofahrer oder besser gesagt DIE Autofahrer. Ich muss gestehen, dass ich allergisch bin gegen das DIE in DIE Autofahrer, DIE Radfahrer, DIE Frauen, DIE Deutschen, DIE Wasauchimmer, …

Ich möchte hier ein Beispiel aus Twitter anführen und hoffe, dass die Autoren mir deshalb nicht böse sind. Ich bin offen für Kritik und freue mich auf eure Kommentare:




WISO Tipps

Es ist Frühling und viele Menschen haben ihre Räder aus dem Winterschlaf geholt. ZDF-WISO hat dem Rechnung getragen und ein paar Tipps zum Thema Überholabstand auf einer Grafik zusammengefasst. Bei Licht betrachtet ist ein friedliches Miteinander aller Verkehrsteilnehmer ganz einfach. Es braucht nämlich nur gegenseitige Rücksichtnahme und regelkonformes Verhalten.

Quelle: @ZDFwiso

Eigentlich sollten diese Regeln ja jedem Führerscheinbesitzer bekannt sein, aber es kann ja nie schaden, sie regelmäßig ins Gedächtnis zurückzurufen.




Gut gemeint

Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut gemacht. Über die Osterfeiertage war ich mit meiner Familie in Norddeutschland. Die Autobahnen waren am Gründonnerstag randvoll, es staute sich gefühlt von Karlsruhe bis Bremen. Für die knapp 600 Kilometer brauchten wir diesmal gut zehn Stunden. Ich hatte also Muße, mir beim Stop-and-Go die Rückseite so manch eines LKWs anzusehen.

Dort sind mir dann vereinzelt Aufkleber aufgefallen, von denen ich im Netz schon gehört hatte:

Achtung: Toter Winkel (Quelle: Kinder-Unfallhilfe)

Die Macher dieses Aufklebers haben es mit Sicherheit gut gemeint, haben aber für meine Begriffe voll daneben gelangt. Dies ist Victim Blaming par Excellence. Was will man Kindern sagen, die mit ihrem Rad hinter einem LKW mit solch einem Aufkleber herfahren? Wenn du Vorfahrt hast und dich der LKW beim rechts Abbiegen überfährt, dann hast du selbst Schuld. Der LKW Fahrer bekommt mit diesem Aufkleber – auf dem das Kind ja auch schon durchgestrichen ist – einen Freifahrschein zum rücksichtslosen Abbiegen ohne Sorgfaltspflicht.




Ampelschaltungen

In Karlsruhe ist die Straßenbahn heilig. Wenn sie naht, springt eine separate Ampel auf Rot. Dumm nur, wenn zeitgleich die Fußgängerampel Grün zeigt.

Leider ist so eine Ampelschaltung nicht ganz ungefährlich. Hier müsste die Fußgängerampel automatisch wieder auf Rot springen. Es ist eigentlich ein Wunder, dass es noch zu keinen tragischen Unfällen gekommen ist.




Only bad news are good news

Radfahrer vs. Autofahrer – es gibt derzeit kaum ein Thema, das martialischer in der Presse behandelt wird als dieses.

  • Krieg auf der Straße (SAT1)
  • Der Fahrradkrieg: Kampf um die Straßen (NDR)
  • Radfahrer gegen Autofahrer – Der tägliche Verkehrskrieg in Berlin (Tagesspiegel)
  • Es herrscht Krieg auf deutschen Straßen (Deutschlandfunk Nova)
  • Radfahrer gegen Autofahrer – Duell auf Bremens Straßen (BILD)

Um mediale Aufmerksamkeit zu bekommen, kann das Vokabular gar nicht kämpferisch genug sein. Angesichts solcher Überschriften könnte man meinen, dass alle Verkehrsteilnehmer bis an die Zähne bewaffnet unterwegs sind. Alle Radfahrer sind Rowdys, Rambos oder Kampfradler und Autofahrer sind Drängler und Falschparker und grundsätzlich zu schnell und immer mit einem SUV unterwegs. Die Fronten scheinen verhärtet. Aber sind sie das wirklich? Wenn es so wäre, würde ich mich nur noch nachts, wenn alle schlafen, mit dem Rad aus dem Haus trauen.




Jammern auf hohem Niveau

Jammern wir in Karlsruhe auf hohem Niveau, wenn wir auf schlechte oder fehlende Infrastruktur für Radfahrer, Laub auf Radwegen oder gefährliche Kreuzungen hinweisen?

Jammern auf hohem Niveau?

Dies war u.a. auch Thema auf der jüngsten Critical Mass. Eine Passantin sprach mich auf dem Kronenplatz an und fragte, was denn die vielen Radfahrer dort machen würden. Ich erklärte ihr kurz die Ziele der Critical Mass Bewegung, worauf sie entgegnete, dass wir in Karlsruhe da wohl eher auf hohem Niveau jammern würden. Als Fußgängerin fühle sie sich eher von Radfahrern gefährdet und bedrängt. Viele Karlsruher Radfahrer meinten, sie stünden über dem Gesetz, nur weil sie auf zwei statt auf vier Rädern unterwegs sind.




Gut gemeint, aber auch gut gemacht?

Zwei Radfahrer sind innerhalb kürzester Zeit in Karlsruhe durch einen tragischen Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Die Critical Mass Karlsruhe hat daraufhin spontan beschlossen, zwei Ghost Bikes aufzustellen. Es wurde geplant, auf die Schnelle zwei Räder organisiert, diese weiß angestrichen und Gedenktafeln beschriftet.
Eigentlich alles richtig gemacht und dennoch frage ich mich, ob wir die beiden verunglückten Radfahrer nur als Vorwand genommen haben, um auf Missstände im Radverkehr hinzuweisen.

Impressionen von der Critical Mass Oktober 2017

Wieso komme ich darauf, obwohl ich selbst an der Planung beteiligt war? Woher rühren meine Zweifel?




Floskeln in Unfallmeldungen

Viele von euch haben bestimmt schon mal offizielle, von der Polizeit verfasste Unfallmeldungen gelesen. Sehr oft werden ganze Passagen davon unreflektiert in der Lokalpresse veröffentlicht. Der Blog PresseRad untersucht und kommentiert informativ und auf unterhaltsamer Weise, wie der Radfahrer in solchen Pressemitteilungen dargestellt wird:

Gerne übersehen, oft touchiert, ohne Helm längst tot, und gegen Verkehrsregeln verstoßend, die niemand korrekt erklären kann.

Wenn man Unfallmeldungen liest, in denen Radfahrer das Opfer sind, könnte man meinen, die hätten sich allesamt selbst verletzt, sprich die Verletzung selbst zugeführt. Zwischen den Zeilen wird außerdem häufig eine gewisse Mitschuld suggeriert durch Sätze wie:

Radfahrer, der keinen Helm trug, verletzte sich schwer.

Erst einmal haben wir keine Helmpflicht und zweitens ist so ein Helm auch keine Wundermittel gegen jede Verletzung.

Was will man dem Leser mit folgendem Satz mitteilen?

Der unbehelmte Junge brach sich einen Fuß und erlitt schwere Verletzungen an den Händen.

Unterschwellig gibt man hier dem Jungen doch eine Mitschuld an seinen Verletzungen, nach dem Motto hättest du einen Helm getragen, wäre das nicht passiert.

Formulierungen und Floskeln diesen Kalibers nimmt @PresseRad in seinem Blog und auf Twitter gekonnt aufs Korn. Die Unfallmeldung der Polizei Heilbronn kommentiert @PresseRad dann so:

Sturzbedingte, schwere #Sichselbstverletzung aufgrund #Übersehenwerden

@PresseRad bringt es auf den Punkt

@PresseRad bringt es auf den Punkt

Aufofahrer – die Hauptverursacher von Unfällen, an denen Radfahrer und PKW beteiligt sind –  kommen dagegen häufig positiv in Unfallmeldungen weg. Sie haben dann immer nur kurz auf ihr Handy geschaut und waren nur Sekundenbruchteile abgelenkt. Die Sonne hat sie geblendet oder der vorfahrtsberechtige Radfahrer ist urplötzlich aus dem Nichts aufgetaucht und den haben sie dann einfach übersehen.

@PresseRad drückt aber nicht nur den Finger in die offenen Wunde, sondern gibt auch Tipps, wie man es besser machen könnte. Da können wir Blogger alle noch was lernen. Leider hört @PresseRad Mitte September auf. Wenn ihr euch zutraut, den Blog im Sinne der jetzigen Blogger fortzuführen, könnt ihr euch per Direktnachricht auf Twitter bei ihnen melden.

Oder macht mit bei der Umfrage von @PresseRad auf Twitter. Je mehr Leute abstimmen, desto größer die Aussagekraft.

Floskeln die in Unfallmeldungen nerven

Floskeln die in Unfallmeldungen nerven

 

 

 




Stehen wir über dem Gesetz?

Stehen wir Radfahrer über dem Gesetz, nur weil wir Rad fahren? Gelten Regeln immer nur für andere Verkehrsteilnehmer, aber nicht für uns selbst? Anders kann ich die Pressenachricht der Polizei Karlsruhe leider nicht interpretieren:

Radkontrollen stießen auf Unverständnis

Ich weiß natürlich nicht, wie viele Radfahrer insgesamt kontrolliert wurden. 17 von 100 sind viel, 17 von 1000 sind nicht viel. Die Kreuzung Rüppurrer Straße / Baumeisterstraße ist ein gefährliches Eck. Gerade dort sollten wir Radfahrer nicht nur höllisch aufpassen, sondern uns auch an die Regeln halten. Ich halte es weder für Schikane noch für unsinnig, wenn man auch uns kontrolliert. Die Polizisten hätten bestimmt auch lieber etwas „Besseres“ getan,  Auch zugeparkte Radwege oder blind nach rechts abbiegende Autofahrer rechtfertigen nicht unser eigenes Fehlverhalten. Nur weil wir mit dem Rad unterwegs sind, gibt uns das keinen Freifahrtschein für Regelverstöße. Das sehen viele andere Radfahrer auf Twitter und Facebook zwar komplett anders als ich, aber irgendwie war ich noch nie Mainstream.




Bilder der Woche

Manchmal könnte man meinen, dass das Rad auf dem Autodach einen überholen möchte.

Schattenspiele

Schattenspiele

Die tiefstehende Sonne macht es möglich – ich wusste gar nicht, dass ich so lange Beine habe.

Schatten werfen

Angenehme Dinge werfen ihre Schatten voraus

Wenn ein Rad nur aus Reifen zu bestehen scheint

Wenn ein Rad nur aus Reifen zu bestehen scheint