Schlagwort: Mobilitätswende

Mit dem Rad zur Arbeit 2018

Heute geht die Aktion Mit dem Rad zur Arbeit zu Ende. Es wird in dem Zusammenhang in den Medien immer wieder darüber diskutiert, wie man auch die Menschen vom Auto aufs Rad bringen könnte, die einen längeren Anfahrtsweg haben. Radschnellwege sollen schaffen, wozu die vorhandene Fahrradinfrastruktur bisher nicht in der Lage war, nämlich auch diejenigen Pendler dazu zu bewegen, aufs Rad zu wechseln, die mehr als 20-30 Kilometer zum Arbeitsplatz fahren müssen. Ich habe da zwar so meine Bedenken, dass es mit Radschnellwegen alleine getan sein wird, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Zumal es durchaus auch jetzt schon Leute gibt, die sich nicht von einer Stunde Anfahrtsweg per Rad abschrecken lassen.

Mein Weg zur Arbeit ist ja mit 17 Kilometern schon länger als üblich, aber verglichen mit Kevin, dem jungen Mann, der in der Firma direkt nebenan arbeitet, bin ich eine Kurzstreckenradlerin. Kevin wohnt in Marxell im Nordschwarzwald und fährt jeden Tag gut 26 Kilometer mit dem Rad nach Karlsruhe zur Arbeit, und zwar quer durch den Wald. Die Route ist weder vier Meter breit, noch kreuzungsfrei und beleuchtet schon gar nicht. Morgens, bergab, schafft er die Strecke in knapp einer Stunde, abends braucht er dafür etwas länger, zumal er meist noch eine „kleine“ Extrarunde über Bad Herrenalb oder die Teufelsmühle dreht. Wenn er mit strahlenden Augen von seinen Radtouren, der Natur und seinen vielfältigen Eindrücken erzählt, dann spürt man förmlich selbst den Fahrtwind in den Haaren. Er genießt jede Minute auf dem Rad. Eine Stunde und mehr mit dem Rad zu pendeln ist für ihn keine Last, sondern Lebensfreude pur.




Die Zahlen zum Sonntag

Die nachfolgende Statistik stammt aus dem Magazin VivaVeloMAGAZIN. Wenn man sieht, dass die meisten Strecken, die täglich mit dem Auto zurückgelegt werden, unter 10 Kilometer liegen, dann hat das Fahrrad bzw. das Pedelec noch jede Menge Potential.

Nicht vergessen sollte man dazu, dass das Auto nach so einer Fahrt, dann erst mal Stunden ungenutzt herumsteht, aber trotzdem Geld frisst und Platz beansprucht. Laut einem Bericht in der TAZ steht ein PKW jeden Tag im Schnitt 23 Stunden ungenutzt herum. Was für eine Verschwendung!

Der Vergleich hinkt natürlich, aber mit dem Auto verhält es sich ähnlich wie mit dem Rauchen. Jeder Raucher weiß, dass Zigaretten ungesund sind. Auch der Autofahrer weiß, dass es schizophren ist, fünf Kilometer mit dem PKW in die Stadt zu fahren, dort ein paar Runden auf der Suche nach einem Parkplatz um den Block zu kreisen und dann das Auto den Tag über stehen zu lassen. Der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch schwach. Gründe nicht mit dem Rauchen aufzuhören oder nicht umzusteigen aufs Rad oder den ÖPNV finden sich schnell, denn …

der Mensch ist vor allem eins: bequem!