Zwei Tage sind nicht viel, um eine Stadt richtig kennenzulernen, aber als Radfahrer bekommt man schon einen ganz guten ersten Eindruck. Dieser lässt mich hoffen, dass sich meine Jüngste für ihr Master-Studium für Lingen entscheidet, denn dann hätte ich noch oft Gelegenheit, die Stadt und das Umland mit dem Rad zu erkunden und wüsste dann, ob mein erster unter dem Strich positiver Eindruck getrogen hat oder nicht.

Die Kleinstadt mit ca. 53 Tausend Einwohnern hat mir nicht nur wegen der vielen Radfahrer gefallen. Sie hat einfach Charme. Lingen ist eine lebendige Stadt, der man ansieht, dass die Stadtväter sich hier mächtig in Sachen nachhaltiger Stadtplanung ins Zeug gelegt haben. Statt 1-Euro-Läden, Dönerbuden und Hörgeräteakkustiker bietet die Innenstadt einen Mix aus erwartbarer Ketten und erstaunlich vielen alteingesessenen Geschäften, die wahrscheinlich schon seit Jahrzehnten im Familienbesitz sind. Das Stadtzentrum ist, wenn man mal vom Lieferverkehr absieht, komplett autofrei. Radfahrer dürfen die Fußgängerzone nur zwischen 18 und 10 Uhr morgens befahren, ansonsten ist schieben angesagt. Das hört sich im ersten Moment schlimm an, ist es aber nicht, denn so riesig ist die Fußgängerzone nun auch wieder nicht, dass man kilometerweit schieben müsste.