Schlagwort: Helmpflicht

Die Helmdebatte – eine neverending Story

Helm oder nicht Helm – diese Frage wird seit gestern erneut heftig diskutiert. Zeit Online hat einen Artikel zu diesem Thema veröffentlicht, der den Stein wieder ins Rollen gebracht hat. Ich hätte nicht gedacht, dass es zu diesem Thema noch irgendetwas Neues zu sagen gibt. Und bei Licht betrachtet hat der Artikel hat auch nicht wirklich etwas Neues zur Debatte beitragen können. Wozu dann ständig wieder ergebnislose Debatten über die Schutzwirkung von Fahrradhelmen? Lebe ich wirklich sicherer, wenn ich beim Rad fahren einen Helm trage oder nicht? Überholen mich Autofahrer dichter, wenn ich einen Helm trage oder nicht? Immer dieselben Fragen und je nach dem wo man steht dieselben Antworten.

Da sich Helmgegner und Helmbefürworter sowieso unversöhnlich gegenüberstehen, halte ich persönlich diese Debatte allmählich für vollkommen überflüssig und bestenfalls Sommerloch füllend, zumal ständig dieselben Zahlen und Statistiken herangezogen werden, deren Aussagekraft von der jeweils anderen Seite entweder angezweifelt oder gleich in der Luft zerrissen wird.

Aber nur weil ich das Thema „Helm oder nicht Helm“ bald nicht mehr hören kann, muss es anderen ja nicht genauso gehen. Die Zahlen sprechen nämlich eine andere Sprache.

Quelle: Zeit Online 13.08.2017 07:58

Knapp 2000 Mal wurde der Artikel seit gestern geteilt und in den sozialen Medien hitzig diskutiert. Das Thema scheint also immer noch vielen Menschen unter den Nägeln zu brennen.




Helmmuffel

Ein Schild sagt mehr als tausend Worte:

Helmmuffel

Helm oder nicht Helm, das ist die Frage

Die Helmfrage spaltet die wachsende Gemeinde der Radfahrer. Die Befürworter sagen, dass er effektiv vor Kopfverletzungen schützt, Helmgegner weisen darauf hin, dass ein Helm allein auch keine Wunder vollbringen kann. Es werden Statistiken zitiert, auf Zahlen verwiesen, eigene Erfahrungen als Beleg geliefert. Man kann stundenlang vortrefflich über das Für und Wider diskutieren und wird aber auf keinen gemeinsamen Nenner kommen. Ich fürchte, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, ob er sich mit oder ohne Helm aufs Rad schwingen möchte. Der Gesetzgeber nimmt uns diese Entscheidung nicht ab. Eine Helmpflicht gibt es nicht, und das ist auch gut so.

 




Doch keine Helmpflicht durch die Hintertür

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat heute sein Urteil gesprochen:

Das Urteil des Oberlandesgerichts Schleswig wird aufgehoben. Die Radfahrerin, der eine Mitschuld an ihrem Unfall zugesprochen worden war, weil sie keinen Helm trug, hat Recht bekommen. Ihrer Revision wurde somit stattgegeben.

Etwa vor einem Jahr war die Radfahrerin gestürzt, weil eine Autofahrerin urplötzlich die Fahrertür geöffnet hatte, ohne sich zu vergewissern, ob die Straße frei ist. Die Radfahrerin konnte nicht mehr ausweichen, stürzte und zog sich folgenschwere Kopfverletzungen zu. Sie trug keinen Helm und das Oberlandesgericht Schleswig bürdete ihr deshalb eine Teilschuld auf. Da es in Deutschland aber keine Helmpflicht gibt, ging die Radfahrerin in Revision. Heute hat sie Recht bekommen. Sie hat den Unfall nicht verursacht, sondern die Autofahrerin, deshalb trägt sie auch keine Teilschuld, denn als Nicht-Helmträgerin hat sie gegen kein Gesetz verstoßen.

Es gibt also keine Helmpflicht durch die Hintertür. Nicht nur der ADFC wir aufatmen, auch viele Radfahrer.

Ich werde aber weiterhin einen Helm aufsetzen – freiwillig!




Helmpflicht

Es gibt eine neue Studie der Uni Münster (Gernot Sieg) zum Thema Helmpflicht. Das Fazit dieser vor Formeln nur so strotzenden aber dennoch äußerst lesenswerten Untersuchung kann man gleich zu Beginn lesen:

This study presents a cost-benefit analysis of a law requiring cyclists to wear a helmet when riding a bicycle in Germany. The cost benefit-analysis takes into account the benefit of increased security when cyclists wear a helmet or use a transport mode that is less risky than cycling. The analysis also considers the cost of purchasing helmets, reduced fitness when cycling is replaced by a motorized transport mode, the discomfort of wearing helmets and environmental externalities. The benefits of a helmet law are estimated at about 0.714 of the costs. A bicycle helmet law for Germany is found to be a waste of resources.

Eine per Gesetz verordnete Helmpflicht bringt nichts, im Gegenteil sie schadet der Wirtschaft eines Landes, sie ist eine Verschwendung von Ressourcen. Das ist natürlich schwerer Tobak. Über die Helmdebatte habe ich ja schon des Öfteren geschrieben. Wenn es ums Radfahren geht, wird über nichts heftiger diskutiert, als über das Für und Wider einer Helmpflicht.

Eines sei vorweggenommen. Die neue Studie sagt NICHT „Tragt keinen Helm“. Sie sagt NUR, dass eine per Gesetz verordnete Helmpflicht aus gesamtwirtschaftlicher Sicht nichts bringt. Also im Grunde liefert diese Untersuchung keine neuen Erkenntnisse, sie belegt diese Erkenntnisse nur mit mehr Zahlen als viele Studien zum Thema Helmpflicht es bislang getan haben.

Hier die nackten Zahlen der Kosten-Nutzen-Rechnung:

Was bringt eine Helmpflicht an wirtschaftlichen Nutzen:
Wert eines Menschen: 1,574 Mio. Euro.
Kosten verursacht durch einen schweren Unfall: 205.000 Euro
Kosten verursacht durch einen leichten Unfall: 16.000 Euro
Helmträger unter den Radfahrern: 13 %
Durchschnittlich zurückgelegte Strecke/Jahr: 401 Kilometer
Nutzen der Helmpflicht: gut 570 Mio. Euro
Nutzen pro gefahrenen Kilometer: 2,083 Cent
Nutzen insgesamt für die Gesellschaft: 693 Mio. Euro

Was verursacht eine Helmpflicht an gesamtwirtschaftlichen Kosten:
Wie viel Kilometer werden weniger geradelt: 4,5 %
Gesundheitlicher Nutzen pro gefahrenem Kilometer: 1,05 Euro
4,5 % weniger Kilometer verursachen knapp  473 Mio. Euro mehr an Gesundheitskosten
Kosten für die Umwelt durch vermehrte Emissionen: knapp 11,5 Mio. Euro
Ersparnis durch weniger Unfälle: 123 Mio. Euro
Durchschnittliche Anschaffungskosten für einen Helm: 33 Euro
Komfortverlust: 171 Mio. Euro
Kosten insgesamt für die Gesellschaft: 969 Mio. Euro

Fazit: Eine per Order de Mufti eingeführte Helmpflicht verursacht einen gesamtgesellschaftlichen Schaden von 276 Mio. Euro.

Und trotzdem – setzt einen Helm auf, und zwar freiwillig. Er verhindert zwar keinen Unfall – dazu bedarf es mehr als eines Helms – aber er verringert das Risiko, sich schwere oder tödliche Kopfverletzungen zuzuziehen.