Schlagwort: Fußgänger

Nicht geschimpft ist genug gelobt

Egal ob bei Tisch, in der Beurteilung von Mitarbeitern oder auf Twitter – wir haben die Kunst des Lobens verloren. Die meisten Menschen – und ich leider auch – haben das Prinzip des Net gschimpft isch globt gnug schon so verinnerlicht, dass nur noch gemeckert wird. Wenn das Essen lecker ist, sagt keiner was, aber wehe es fehlt Salz!

Auf Twitter findet man die Kunst des Lobens leider eher selten. Meist wird gescholten oder abgelästert – in meiner Timeline in der Regel gegen Autofahrer oder besser gesagt DIE Autofahrer. Ich muss gestehen, dass ich allergisch bin gegen das DIE in DIE Autofahrer, DIE Radfahrer, DIE Frauen, DIE Deutschen, DIE Wasauchimmer, …

Ich möchte hier ein Beispiel aus Twitter anführen und hoffe, dass die Autoren mir deshalb nicht böse sind. Ich bin offen für Kritik und freue mich auf eure Kommentare:




Ampelschaltungen

In Karlsruhe ist die Straßenbahn heilig. Wenn sie naht, springt eine separate Ampel auf Rot. Dumm nur, wenn zeitgleich die Fußgängerampel Grün zeigt.

Leider ist so eine Ampelschaltung nicht ganz ungefährlich. Hier müsste die Fußgängerampel automatisch wieder auf Rot springen. Es ist eigentlich ein Wunder, dass es noch zu keinen tragischen Unfällen gekommen ist.




Wer im Glashaus sitzt

Wer im Glashaus sitzt, der sollte nicht mit Steinen werfen. Auf dem Heimweg gestern Nachmittag stand ich brav wie ein Lämmchen an der roten Ampel und wartete auf Grün. Um mich herum warteten weitere brave Bürger per Pedes oder auf ihrem Rad. Da schoben sich doch glatt zwei Fußgänger an uns vorbei und eilten über die Straße, obwohl die Ampel immer noch auf Rot war. Solche Rowdies! Ich sollte einen Leserbrief schreiben über DIE FUSSGÄNGER, die IMMER bei Rot über die Straße gehen!

Weiter ging es Richtung Innenstadt auf dem Radweg. Was musste ich sehen? Parkende Autos und Fußgänger auf meinem Radweg! Wusste ich es doch. FUSSGÄNGER und AUTOFAHRER sind alles Verbrecher, die die Straßenverkehrsordnung missachten.

Auf der Fahrradstraße ein paar Minuten später, auf der sich eigentlich nur Radfahrer tummeln dürfen, gingen doch kackfrech wieder ein paar Fußgänger, selbst ein ortsfremder Autofahrer hatte sich darauf verirrt. Der Wutbürger in mir sollte wirklich seinen Zorn und seine Empörung freien Lauf lassen und einen Leserbrief veröffentlichen über DIE FUSSGÄNGER und DIE AUTOFAHRER. Das sind alles Rambos, Rowdies und Chaoten.

Im Oberwald schließlich wurde es ganz schlimm: zu viert nebeneinander blockierten Jogger und Walker den gemeinsamen Rad-/Fußweg. Dass DIE JOGGER und DIE WALKER auch IMMER den Weg blockieren müssen. Diese Unsitte gehört angeprangert und der Öffentlichkeit mitgeteilt in Form eines Leserbriefes, damit nicht immer nur DIE RADFAHRER angeprangert werden.

Wie kommt es aber, dass immer nur DIE RADFAHRER angeprangert werden, über DIE FUSSGÄNGER und DIE AUTOFAHRER schreibt kaum einer. Und sagt mir jetzt bitte nicht, dass nur Radfahrer sich verkehrswidrig verhalten und alle anderen Verkehrsteilnehmer nicht.

Versteht mich nicht falsch. Ich will das Verhalten einiger Radfahrer nicht gutheißen, indem ich das verkehrswidrige Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer anprangere. Ich bin es nur einfach leid, dass wir alle über einen Kamm geschoren werden. Ich bin nicht DIE, ich bin ich.




Der elektronische Schulterblick

Endlich mal eine positive und für uns Radfahrer lebensrettende Entwicklung der Autoindustrie.

Mercedes hat für LKWs den „elektronischen Schulterblick“ entwickelt. Trotz der Rück- und Außenspiegel am LKW bleibt immer ein Bereich rechts vom Fahrzeug – der sogenannte tote Winkel – den der Fahrer nicht einsehen kann. Jedes Jahr passieren tausende von Unfälle beim rechts Abbiegen oder beim Wechsel des Fahrstreifens, weil der nachfolgende Verkehr oder der rechts vom LKW fahrende Radfahrer zu spät oder gar nicht gesehen wird.

In Deutschland stirbt jeder fünfte in der Stadt tödlich verunglückte Radfahrer oder Fußgänger bei einer Kollision mit einem Lastwagen. Rund 100 Menschen kommen so jedes Jahr ums Leben.

Mit den Außenspiegeln allein kann ein Lkw-Fahrer den Bereich rechts neben seinem Lastwagen nicht voll überblicken. Das jetzt von Mercedes entwickelte Fahrerassistenzsystem soll diese Gefahrenzone jetzt entschärfen. Ein an der Hinterachse der Zugmaschine angebrachte Sensor auf der Beifahrerseite überwacht die gesamte Länge des Trucks. Befindet sich ein Fußgänger oder Radfahrer im toten Winkel des LKW, wird dies dem Fahrer über ein Signal gemeldet. Wenn der Fahrer blinkt oder über die Lenkerbewegung zu erkennen ist, dass er rechts abbiegen will, obwohl sich im toten Winkel eine Person aufhält, erkennt dies das Fahrerassistenzsystem. Der Fahrer wird zunächst optisch gewarnt (LED Leuchte). Fährt er trotzdem weiter, erfolgt ein akustisches Warnsignal. Selbst Ampeln und Verkehrszeichnen erkennt das neu entwickelte Fahrerassistenzsystem. In einem weiteren Ausbauschritt ist laut Mercedes Benz wie bei ähnlichen Systemen im PKW auch die Kombination mit einer Notbremsung denkbar.

Wir wollen mit der Technik so schnell wie möglich auf den Markt kommen, und deshalb haben wir das automatische Abbremsen noch nicht vorgesehen. In einer zweiten Ausbaustufe ist das aber durchaus möglich.

Der Sensor erkennt nicht nur Fußgänger oder Radfahrer, sondern auch feste Hindernisse wie Ampeln oder Laternenpfähle. Wenn bei einer Kurvenfahrt eine Kollision zwischen dem Anhänger und einem festen Hindernis droht, dann warnt das System den Fahrer ebenfalls. Auf der Autobahn warnt das Assistenzsystem, wenn der Fahrer die Spur wechseln will, obwohl der nachfolgende Verkehr das gar nicht zulässt.

Noch ist dieser elektronische Schulterblick leider nicht in Serie. Aber es wird fieberhaft daran gearbeitet. Nicht nur die LKW Fahrer selbst, auch die Versicherungsbranche und die Berufsgenossenschaft hoffen darauf, dass der elektronische Schulterblick bald in Serie geht.