Schlagwort: Feinstaub

Radsternfahrt Baden-Württemberg

Falls ihr am kommenden Sonntag, den 10. Juni noch nichts vorhabt und in der Nähe von Stuttgart wohnt oder dort zu Besuch seid, dann hätte ich einen Veranstaltungstipp für euch. Anlässlich der Fahrradaktionstage in Stuttgart findet eine RadSternfahrt in die Landeshauptstadt statt.

Unter dem Motto „Fahrrad statt Feinstaub“ erobern Tausende von Radfahrer für einen Tag die Straßen der Region. Die Polizei begleitet die sieben Radgruppen auf gesperrten Straßen bis in die Stuttgarter Innenstadt. Höhepunkt der Aktion ist der abschließende Radkorso auf dem City-Ring, um zu zeigen, wie nachhaltige Mobilität in lebenswerten Städten aussehen kann.

Auf der Website des ADFC Baden-Württemberg findet ihr nähere Angaben zu den Abfahrtszeiten und Einstiegsmöglichkeiten unterwegs.




Moos für Moos

Es herrscht dicke Luft in deutschen Städten. Fast täglich werden die max. erlaubten Feinstaub- und Stickstoffdioxidwerte überschritten. Laut Umweltbundesamt trägt Stuttgart die rote Laterne was die Luftqualität anbetrifft. So wurden in der Straße Am Neckartor durchschnittlich 82 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter gemessen, an 35 Tagen wurden sogar Spitzenwerte von mehr als 200 Mikrogramm verbucht. Appelle der Stadtväter, freiwillig aufs Auto zu verzichten und stattdessen auf öffentliche Verkehrsmittel bzw. aufs Fahrrad umzusteigen, fielen auf taube Ohren. Ab 2018 drohen daher Fahrverbote für ältere Diesel Fahrzeuge.

Da nicht sein kann, was nicht sein darf, soll die Natur jetzt gegen Feinstaub helfen. Moos ist die neue Zauberwaffe. Die Pflanze ist wie ein Schwamm und laut Uni Dresden hervorragend geeignet, Feinstaub aufzunehmen und vollständig umzuwandeln. Stuttgart hat unweit von Deutschlands schmutzigster Kreuzung am Neckartor eine ca. 100 Meter lange Schallschutzmauer mit Moos bepflanzen lassen. Das Problem an der Sache – Mooswände kosten Geld, viel Geld. Es ist nicht nur schwierig, die richtigen Moosarten zu finden und diese vorm Austrocknen zu schützen, sondern auch noch so zu positionieren, dass die Windrichtung stimmt, um den Feinstaub optimal herauszufiltern.

Die Stadt Karlsruhe ist da schon einen Schritt weiter. Getreu dem Motto „wieso kompliziert, wenn es auch einfach geht“ setzt die Stadt bei der Bekämpfung des Feinstaubs auf die Mithilfe ihrer Bürger. Sie hat die Aktion Moos für Moos ins Leben gerufen. Start: Januar 2018. Was verbirgt sich hinter dieser Aktion?




Diesel PKW stoßen das meiste NO2 aus

Heute hat das Umweltbundesamt seine neusten Daten zur Luftqualität vorgestellt. Das gesundheitsgefährdende NO2  – das ja auch zu einem erheblichen Maße Schuld an der Feinstaub-Immissionsbelastung ist – ist der Schadstoff Nr. 1 in Deutschland. Hauptverursacher: Diesel-PKW und Nutzfahrzeuge.

 

Dieselfahrzeuge stoßen das meiste Stickstoffdioxid aus (Quelle: UBA)

Dieselfahrzeuge stoßen das meiste Stickstoffdioxid aus (Quelle: UBA)

Seit Jahrzehnten gefährdet Stickstoffdioxid unsere Gesundheit. Schuld sind in den Städten vor allem alte Diesel-Autos. Es kann aus Sicht des Gesundheitsschutzes nicht akzeptiert werden, dass die Kommunen keine Handhabe haben, um beispielsweise Dieselautos mit hohem Ausstoß aus den belasteten Innenstädten auszuschließen.

Soweit die Aussage von Maria Krautzberger, der Präsidentin des Umweltbundesamtes. Ob das die Städte und Kommunen ebenso sehen und Konsequenzen daraus ziehen? Wenn ich mir die Feinstaubdebatte in Stuttgart so ansehe, glaube ich das leider nicht. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.




Feinstaubalarm = Fahrverbot

Jetzt ist endgültig Schluss mit lustig. Die grüne Landesregierung plant, ab sofort bei zu hohen Feinstaubwerten ein sofortiges Fahrverbot für privat genutzte PKWs auszusprechen. Da die Bevölkerung im Großraum Stuttgart trotz mehrerer Feinstaubalarme nicht dem Aufruf der Stadtväter gefolgt ist, freiwilligen Autoverzicht zu üben, wollen die Grünen jetzt in der Landeshauptstadt ein Fahrverbot aussprechen, sobald die Feinstaubwerte über dem zugelassenen Limit liegen. Im täglichen Wechsel sind dann mal alle Autos, Lastwagen und Motorräder von diesem Fahrverbot betroffen, deren Kennzeichen mit einer geraden oder ungeraden Zahl endet. Neben Elektro- und Hybridfahrzeugen sind auch Autos mit mindestens drei Insassen sowie bestimmte professionell genutzte PKWs  (z.B. Taxen, Rettungswagen, Polizeifahrzeuge, etc.) ausgenommen. Wer gegen die Regel verstößt, muss mit drakonischen Strafen (Höhe ist gekoppelt am Einkommen der Fahrzeughalter) und im Wiederholungsfall sogar mit einer Stilllegung des heilig Blechles rechnen. Im Gegenzug ist die Benutzung der ÖPNV für die Dauer des Fahrverbots gratis.

Feinstaubalarm in Stuttgart

Stuttgart erstickt am Feinstaub und kaum jemand lässt sein Auto stehen

Jeweils 2-3 Tage vor dem Fahrverbot werden die Behörden folgende vorbereitende Maßnahmen veranlassen:

  • Die Ticketpflicht für den öffentlichen Nahverkehr wird aufgehoben.
  • Die Nutzungsgebühr für städtische Leihfahrräder und Elektroautos fällt weg.
  • Es gelten besondere Geschwindigkeitsbegrenzungen, um den Abgasausstoß zu vermindern.
  • Alle Bewohner des Großraums Stuttgart werden nochmals aufgerufen, ihre Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor freiwillig stehenzulassen (die Hoffnung stirbt zuletzt).

Die CDU ist – wie man sich unschwer denken kann – von diesem Plan gar nicht angetan und wirft den Grünen blinden Aktionismus vor. Man habe mit vielen Wirtschaftsverbänden gesprochen – dreimal dürft ihr raten mit wem – die erhebliche Bedenken gegen derartige Eingriffe in den Individualverkehr geäußert haben. Außerdem sei der Plan, tageweise nur Autos mit gerader oder ungerader Nummer in die Stadt zu lassen und zusätzliche Busse und Bahnen einzusetzen, geradezu lächerlich. Wenn es um des Deutschen liebstes Kind geht, ist mit der CDU nicht zu spaßen, schon gar nicht in der Autostadt Stuttgart, hatte man sich doch sogar den Ausbau des Straßennetzes auf die Fahne geschrieben.

Ich bin mal gespannt, ob die Grünen sich mit ihrem Plan durchsetzen werden oder ob sie sich weichkochen lassen. Kompromisse sind ja ganz schön, aber irgendwann muss eine Partei auch mal Farbe bekennen. Wer sich auf den freiwillgen Verzicht und einen plötzlichen Bewusstseinswandel der Bevölkerung verlässt, ist irgendwann selbst verlassen. Aber ich bin zuversichtlich. Kretschmann lässt sich bei den Koalitionsverhandlungen bestimmt nicht vom Juniorpartner und Wahlverlierer mit einem Stofftier abspeisen, sei es auch noch so groß oder mit Schleifchen versehen. Stofftiere sind was für Kinder, 1. April hin oder her…




Feinstaubalarm in Stuttgart

Zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit wird in Stuttgart Feinstaubalarm ausgelöst. Von 0.00 Uhr kommenden Freitag bis mindestens Samstag ruft die Stadt Stuttgart ihre Bürger auf, das Auto stehen zu lassen und stattdessen auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen, Fahrgemeinschaften zu bilden, zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren  – freiwillig, versteht sich. Ergebnis vor fünf Wochen: es konnten keine nennenswerten Veränderungen im Fahrverhalten festgestellt werden, die Straßen waren genauso verstopft wie sonst auch. Weder verbilligte Tickets in Bussen und Bahnen noch eine breit angelegte Informationskampagne oder warnende Hinweise auf die Gesundheitsgefahren durch Feinstaubbelastung haben etwas bewirkt.

Feinstaubalarm in Stuttgart

Feinstaubalarm in Stuttgart

Nirgends gilt die Luft als so stark belastet wie in unserer Landeshauptstadt: Der EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft wird hier regelmäßig überschritten. Stuttgart ist damit Feinstaubhauptstadt Deutschlands. Ehrlich gesagt kann ich mir auch nicht vorstellen, dass in der Autostadt Stuttgart irgendjemand freiwillig auf sein Auto verzichten wird. Da denkt doch jeder wieso ich, sollen die anderen doch erst mal anfangen.

Städte wie Rom, Mailand, Paris und Peking setzen schon lange nicht mehr auf den freiwilligen Verzicht. Um die dramatische Luftverschmutzung in den Grifft zu bekommen, hat man bereits Fahrverbote ausgesprochen – meist geregelt über die KFZ Kennzeichen. Mal dürfen die mit den geraden Zahlen fahren, mal die mit den ungeraden. In London muss man seit Jahren eine teure City Maut bezahlen, wenn man mit dem PKW in die Innenstadt will. Seit Einführung dieser sogenannten Congestion Charge sind viele Pendler auf den öffentlichen Nahverkehr umgestiegen. In Stuttgart setzt man (noch) auf freiwilligen Verzicht. Könnte es daran liegen, dass Landtagswahlen vor der Tür stehen? Will man den Wähler nicht vergraulen?

Ein komplett anderer Ansatz, die Menschen zum Umdenken zu bewegen, wird auch gerade in Deutschland diskutiert – eine Prämie von 5000 Euro für all diejenigen, die sich ein Elektroauto zulegen. So will man den Absatz von umweltfreundlichen E-Autos ankurbeln. Diesbezüglich hinken wir unseren Nachbarn ja noch meilenweit hinterher. Elektroautos haben bei uns immer noch den Status von Exoten. Mal gerade 30.000 Stück sind in Deutschland zugelassen. Liegt es am Kaufpreis? An der geringen Reichweite? Der Infrastruktur?

Doch grundsätzlich wäre es mal interessant zu wissen, womit man eher etwas bewegt: durch Verbote oder Anreize? Was glaubt ihr? Bringen Fahrverbote etwas oder finanzielle Anreize wofür auch immer?