Stadion statt Radwege

Seit gestern geht in mir die Angst um, was wenn Essen Schule macht. Dort wurde laut eines Berichts auf Zeit Online gerade der Etat für den Radverkehr gestrichen zugunsten des Fußballstadions. Ich konnte es kaum glauben, ausgerechnet Essen, die Kulturhauptstadt des Jahres 2010, die Grüne Hauptstadt Europas 2017, eine Ruhrmetropole, die angeblich so fahrradfreundlich ist, will Gelder, die für den Radverkehr vorgesehen waren (500.000 €), jetzt fürs Stadion verwenden. Wie passt das denn zusammen?

Auch bei uns in Karlsruhe wird die Stadionfrage seit Jahren hitzig diskutiert. Das Wildparkstadion ist in die Jahre gekommen und entspricht nicht mehr den Anforderungen der 1. Liga. Was wurde nicht schon alles vorgeschlagen: Neubau an anderer Stelle, Abriss und Neubau an selber Stelle, Sanierung und Vergrößerung – alle Möglichkeiten wurden kontrovers diskutiert. Zugegeben, ich bin kein Fußballfan, aber manchmal konnte man den Eindruck gewinnen, dass einige Planer und „Visionäre“ sich ein Denkmal setzen wollen. Meine Kollegen werden mich zwar verfluchen, aber insgeheim bin ich froh, dass der KSC nicht in die erste Liga aufgestiegen ist.

Was auch immer die Stadtväter beschließen werden, sowohl ein Neubau als auch ein Umbau kosten Geld. Ich für meinen Teil möchte nicht, dass dieses Geld woanders abgezwackt wird, schon gar nicht beim Radverkehr. Die Stadt Karlsruhe hat einen langangelegten 20-Punkte-Plan zur Förderung des Radverkehrs. Sie will Fahrradgroßstadt Nr. 1 in Süddeutschland werden, den Radverkehrsanteil stetig steigern, die Verkehrssicherheit für den Radverkehr erhöhen, das Radwegenetz ausbauen und vieles mehr. Auch das kostet Geld. Leider kann man Geld immer nur einmal ausgeben. Wenn Essen Schule macht, fragt sich nur, was in Zukunft Priorität haben wird.