Senk ju for träveling wis Deutsche Bahn

An diesen Song der Wise Guys musste ich unwillkürlich denken, als ich letzten Montag mit dem Zug von Lingen über Münster nach Karlsruhe zurückfuhr. Es wurden – wenn man mal von den sanitären Einrichtungen absieht – sämtliche Vorurteile bedient:

  • Zugverspätung
  • Einfahrt auf dem falschem Gleis
  • Spiegelverkehrte Wagenreihung
  • Halten auf freier Strecke
  • Zug fährt nicht zum Zielbahnhof

Verspätungen bei der Bahn sind nichts Neues. Meist klappt es ja wenigstens mit einer rechtzeitigen Durchsage am Bahnsteig. Wenn man früh erfährt, dass sämtliche Anschlusszüge nicht erreicht werden können, weiß man wenigstens gleich, worauf man sich einstellen muss. Wenn der Zug dann aber urplötzlich nicht auf Gleis 12, sondern auf Gleis 3 einfährt und dann auch noch eine spiegelverkehrte Wagenreihung hat, spielen sich urplötzlich tumultartige Szenen ab. Erste-Klasse-Reisende laufen von A nach D, Zweite-Klasse-Reisende von C und D nach A und ich mit meinem Faltrad mitten durch zum Fahrrradabteil direkt hinter der Lok. 

Ich bin ja vielleicht von der S-Bahn und den Regio-Zügen verwöhnt, aber dass man sein Rad durch eine schmale Tür über mehrere Stufen in den IC hochwuchten muss, damit hatte ich nun überhaupt nicht gerechnet. Wozu ein spezielles Fahrradabteil, wenn ich da nicht mal ebenerdig reinrollen kann? Wie schaffen das Leute mit einem vollbepackten Pedelec? Wenn ich mein Rad bei einem IC schleppen muss, werde ich es das nächste Mal einfach falten und gleich den ICE nehmen. Wieder was dazugelernt!

Naiverweise hatte ich gehofft, dass wir die Verspätung unterwegs wieder wettmachen würden. Das hätte bei einem ICE vielleicht sogar geklappt, ist aber bei einem IC unmöglich. Die falsche Wagenreihung verursacht ja auch auf den nächsten Bahnhöfen weitere Verspätungen. Und so kam es wie es kommen musste, die Nerven mancher Reisenden lagen blank. Woran lässt man dann seinen Frust aus? Richtig, am Zugbegleiter. Ich habe ihn bewundert. Er war die Ruhe selbst, immer höflich, immer freundlich, immer hilfsbereit, selbst wenn sein Gegenüber ihn pampig anfauchte, als wäre er höchstpersönlich verantwortlich für die Misere der Bahn im Allgemeinen und die Zugverspätung im Speziellen.

Ich bin ja bekanntermaßen sonst nicht die Geduldigste, hatte es aber am Montag überhaupt nicht eilig. Es war warm im Zug, ich hatte viel Platz und habe die meiste Zeit gedöst. Doch auch im Halbschlaf bekam ich mit, dass der Zug alle Nase lang auf freier Strecke hielt. Nach Mainz wäre unser nächster Halt eigentlich Mannheim gewesen, wo ich hätte umsteigen müssen. Der Anschlusszug war natürlich schon weg, aber über die DB App hatte ich schon eruiert, welche späteren Züge und S-Bahnen noch in Richtung Karlsruhe fuhren. Dann kam die Durchsage, man müsse unerwartet über Darmstadt ausweichen, es gäbe da auf der Strecke ein Problem. Über Google Maps verfolgte ich fortan unsere Vorankommen. Während der Zugbegleiter noch mögliche Anschlusszüge ab Mannheim durchsagte, war mir schon klar, dass wir nie und nimmer nach Mannheim fuhren. Daran waren wir schon vorbei. Und so kam es wie es kommen musste:

Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass der Zug aufgrund seiner großen Verspätung jetzt nach Heidelberg fährt und dort endet. Sie haben Anschluss nach Stuttgart über …

Spätestens jetzt konnte ich annähernd nachvollziehen, wie es Pendlern geht, die tagtäglich mit der Bahn zur Arbeit fahren. Wie hält man das aus? Das muss Stress pur sein, wenn man es eilig hat. Kein Wunder, dass viele es dann vorziehen, lieber mit dem eigenen Auto zu pendeln. So schaffen wir die Mobilitätswende dann allerdings nicht.