Radelblog

Das Rad – Fortbewegungsmittel und Lebensgefühl zugleich

Schubladendenken

Jeder von uns hat Vorurteile, auch wenn wir das manchmal nicht wahrhaben wollen. Wir sehen etwas und ordnen es anhand unserer Erfahrungen in bestimmte Kategorien (Schubladen) ein. Das machen wir jeden Tag ganz automatisch. Aber wir sollten uns immer bewusst machen, dass der erste Eindruck oft täuscht. Nicht jeder lässt sich aufgrund seines Aussehens, seines Fahrzeugs oder seiner Hobbys in eine bestimmte Schublade pressen.

Ich dachte immer, ich sei ein ganz normaler Mensch, der es vorzieht, mit dem Rad anstelle des Autos zur Arbeit zu fahren. Mir macht das einfach Spaß und trotz der Distanz von gut 17 Kilometern bin ich immer noch schneller unterwegs, als würde ich mit dem Bus und der Straßenbahn fahren.

Jetzt muss ich doch auf Twitter erfahren, dass ich gar keine normale Radlerin bin. Ich gehöre zur Gruppe der „lautstarken Lobby der Berufsradler„:


Schande über mein Haupt! Wie kann ich es wagen, jeden Morgen bei Wind und Wetter mit dem Rad zur Arbeit zu fahren und nebenbei auch noch zu fordern, dass man gefälligst Abstand hält, wenn man mich mit dem PKW überholt, damit aufhört, widerrechtlich mit dem Auto auf Schutz- und Radfahrstreifen zu parken oder mich in Fahrradstraßen von hinten zu bedrängen, als müssten Radfahrende  dort dem MIV Platz machen.

Bin ich womöglich sogar ein Kampfradler, weil ich mich bei kalter Witterung „vermumme“?

Besser noch, jeder Radfahrende, der sich bei Sonnenschein aufs Rad schwingt, ist ab heute automatisch ein Schönwetterradler, eine Lusche, die nur Rad fährt, wenn die Sonne nicht zu sonnig und der Wind nicht zu windig ist.

Weg mit dem Schubladendenken! Auch Berufsradler fahren gerne mit dem Rad, sonst würden sie es nicht machen. Und nur weil man sich entsprechend der Witterung kleidet, ist man noch lange kein Kampfradler (was auch immer das sein mag).
Wer Schubladendenken bemüht, um berechtigte Forderungen von Radfahrenden ins Lächerliche zu ziehen, der sollte sich überlegen, ob er sein politisches Mandat nicht besser aufgeben sollte.

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Emotionen statt Emissionen

  1. Am Schlimmsten finde ich die „Auch-Radler“. Also Autofahrer, die das Rad wirklich nur als Freizeitgerät betrachten und sich gar nicht vorstellen können, dass das ein Verkehrsmittel ist. So typische CDU’ler halt… 😉

  2. Hallo Anke,

    in absehbarer Zeit hast du keine Chance von diesem Schubladendenken wegzukommen. Wenn man sich das in Printmedien aktuelle Fahrradfahrerklischee anschaut – „tolles Wetter, schöne Landschaften, leere Städte, schmunzelnde verliebte Päarchen-Radler“ – und das mit deinem abgebildeten Foto vergleicht …. komm Anke, was soll man da auch denken? Der Menschenverstand sagt, setz dich bei Kälte in was warmes, und wenn du kein Geld für ein Auto hast, dann musst du eben Bus und Bahn fahren.

    Ich habe auch keine Ahnung, warum man da in die „Kampfradler“-Schublade gesteckt wird. Vielleicht weil es derzeit nur einen homöopathischer Anteil der Bevölkerung genauso sieht wie du (und ich und nur ein paar tausend andere)?!

    Übrigens landet der in voller Winter-Montur gekleidete Motorrad-Fahrer, der bei -5 Grad unterwegs ist, gleich in der Schublade nebendran.

    Ein dicker im Auto chauffierter Politiker macht sich aber nicht mal die Mühe zu trennen. Bei ihm landen du und der Motorradfahrer in derselben Schublade:

    „FREAKS“!

  3. Martin

    Nur weil das in der Zeitung steht muss das nicht als einzige Wahrheit annehmen. Meine Interpretation ist, da gibt es einen der noch einen weiten Weg zur Gesundheit, Umweltschutz und der Zukunft gehen muss.

  4. eva

    Ojee liebe Anke,
    was ich das schon alles hören mußte. Tenor einer Bloggerin:
    „Radler, die einen Helm tragen, können nicht Rad fahren!“
    So einen Blödsinn habe ich schon lange nicht mehr gehört.
    Und es soll sie ja geben, die Leute, die in normaler Kleidung radeln.

    Ich radle gerne und mir macht es Spaß und leider ist es halt auch so, dass man auf die Straße ausweichen muß, weil am Sonntag eben – ich sags jetzt einfach mal so – die Schönwetterradler unterwegs sind und da muß man höllisch aufpassen.
    Da geht man oft wirklich gerne auf die Straße.
    Ich finde deinen Blog genial und komme gerne her.

    Lieben Gruß Eva

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