Radelblog

Das Rad – Fortbewegungsmittel und Lebensgefühl zugleich

Angebot und Nachfrage

Einen Platten bekommt man nach Murphy immer dann, wenn man keinen Ersatzschlauch zur Hand hat – am Wochenende oder nach Feierabend. Deshalb gibt es von Schwalbe und Continental Schlauch-Automaten. Man erkennt sie schon von Weitem an ihrer hellblauen (Schwalbe) und gelben (Continental) Farbe.

Als ich am Samstag mein Lastenrad von der Inspektion abgeholt habe, ist mir links neben einem Schlauch-Automaten von Schwalbe ein zusätzliches, immens nützliches Utensil aufgefallen, nämlich eine Standpumpe, damit man den neuen Schlauch auch schnell aufpumpen kann. Ich habe das fotografiert und auf Twitter gepostet. Nicht wegen des Automaten, das war für mich ein alter Hut, sondern wegen der Luftpumpe.

Um so überraschter war ich, dass niemand die Luftpumpe kommentierte und ein Stuttgarter sogar fragte, ob es denn in der Landeshauptstadt (ca. 620000 Einwohner) auch Schlauchautomaten gäbe. Das kann man online herausfinden. Spoiler: in Stuttgart gibt es nur drei Automaten (zwei von Schwalbe / einen von Continental). Zum Vergleich: über das Karlsruher Stadtgebiet (ca. 310000 Einwohner) verteilt gibt es sieben Schlauchautomaten von Schwalbe und einen von Continental.

Da wir in einer Marktwirtschaft leben (Angebot und Nachfrage regeln den Markt) lässt das jetzt mehrere Schlüsse zu.

Der Stuttgarter:

  • Fährt unplattbare oder schlauchlose Reifen.
  • Ist sparsam und wartet mit dem Schlauchwechsel bis die Geschäfte wieder geöffnet sind.
  • Hält sich noch an die Regeln der Ende der 80er Jahre abgeschafften Kehrwoche und reinigt die Geh- und Radwege vor dem Haus, sodass Platten so gut wie nie auftreten können.
  • Sorgt vor und hat immer einen Ersatzschlauch dabei.
  • Fährt so selten mit dem Rad, dass sich die Aufstellung eines Automaten für die Schlauchhersteller gar nicht lohnt.

Was meint ihr? Alles Vorurteile oder ist an meinen Vermutungen was dran?

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Ein gepflegtes Rad hält länger

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  1. Den Tweet habe ich wohl nicht mitbekommen, sonst hätte ich meinen Senf dazu gegeben 🙂

    Mit der Automatensuche von Conti habe ich zwei Händler in Stuttgart bekommen. Die Suche ist etwas gewöhnungsbedürftig. Bei Schwalbe bin ich etwas verwundert. Entweder hat Rad und Reisen in Mühlhausen keinen mehr oder er fehlt. In Google Maps sieht man ihn: https://www.google.de/maps/@48.8422105,9.2295823,3a,78.3y,148.28h,78.71t/data=!3m6!1e1!3m4!1sdo51zmmTfPaMI71kefdkaA!2e0!7i13312!8i6656
    Genauso die Filiale vom Häcker in der Schmidener Straße (https://www.google.de/maps/@48.8141536,9.2335558,3a,75y,177.35h,70.6t/data=!3m6!1e1!3m4!1subZdPLsEw_qaGknuPobrww!2e0!7i13312!8i6656) Würde mich wundern wenn diese Filiale keinen Automat mehr hätte, die in Wangen aber immer noch.

    Gebraucht habe ich die Automaten noch nie. Zum Einen liegt es daran dass ich eher „ungewöhnliche“ Größen fahre. Also eher 20 Zoll Reifen mit Sklaverand-Ventilen. Hab nie geschaut, aber ich hab mir von den Liegerädern her angewöhnt immer Ersatzschläuche für meine Räder/Hänger daheim vorrätig zu haben.

    Zum Anderen fahre ich immer mit Maximaldruck, und bin völlig von Schwalbe Marathon abgekommen. Bin inzwischen sehr zufrieden mit Big Apple in verschiedenen Größen. Da hatte ich bisher nur einen Platten, als sich ein Stecker für einen Ohrring durchgebohrt hat. Bei einem Lieger fahre ich jetzt Conti.

    Und es mag an der Strecke liegen. Obwohl, die meisten Glasscherben habe ich in der Innenstadt kurz vor meinem Arbeitgeber.

    Martin

  2. …oder: die Geschichte vom alles regelnden „Markt“ und „Angebot und Nachfrage“ ist auch nur eine Lüge, um uns weiter an die göttliche Unfehlbarkeit des vorherrschenden Wirtschaftssystems glauben zu lassen…!? 😉

    Ich kenne nur einen solchen Automaten, der steht am Wieslauter-Radweg am Neudahner Weiher. Oder stand…? keine Ahnung, ob es den noch gibt. Sinn würden die meiner Ansicht nach vor allem ja vor Fahrradgeschäften machen – denn die steuert man im Schadensfalle ja an, wenn man so nachlässig war, erst gar keinen Ersatzschlauch oder wenigstens Flickzeug mitzunehmen. Ist mir am Anfang auch hin und wieder noch passiert.

    Aber was das Thema Pumpen betrifft: Ist das bei dir in der Gegend auch so sehr in Mode, dass viele Tankstellen Zettelchen an ihre Gerätschaften hängen, wonach man jene für das Aufpumpen von Fahrradreifen nicht benutzen dürfe…!?

    • Anke

      Ich habe nur ein Fahrrad mit Autoventilen, mein Faltrad. Damit war ich schon oft an der Tankstelle zum Aufpumpen. Das geht da einfach schneller als mit meiner Standpumpe und ich habe das Gefühl, dass ich den Luftdruck da auch besser überprüfen kann. Bisher hat sich noch niemand beschwert. Ein Hinweisschild, dass die Pumpe nur Autofahrern zur Verfügung steht, habe ich auch noch nicht gesehen. Das wäre meiner Meinung auch kontraproduktiv. Schließlich leben die meisten Tankstellen nicht vom Spritverkauf, sondern von ihrem Ladengeschäft. Auch Radfahrer sind da potentielle Kunden.

      • Anders

        Ja, Radfahrer sind potentielle Kunden, machen das aber nicht unbedingt deutlich. Gerade entlang von „Ausflugsstrecken“ klagen Tankstellenbesitzer darüber, dass sie die teuren Wartungs- und Eicharbeiten für Reifenfüllmesser übernehmen, die Radfahrer aber kaum oder keinen Umsatz produzieren.
        Die taktisch richtige Vorgehensweise wäre es, als Radfahrer erst in den Laden gehen, eine Kleinigkeit einkaufen (Müsliriegel, Getränkeflasche,…) und dann zu fragen, ob man auch das Rad aufpumpen kann. Zum einen macht man so deutlich, dass auch Radfahrer Kunden sind, zum anderen wird kaum einer dann noch „nein“ sagen – ausser, es ist ein „moderner“ Reifenfüllmesser installiert.

        An diesen stationären Automaten stellt man zuerst den Soll-Luftdruck in bar ein, anschließend pumpt das Gerät in Intervallen Luft in den Schlauch, bis der gewünschte Luftdruck erreicht ist – oder lässt in kleineren Intervallen Luft ab, falls zuviel Druck im Schlauch ist.

        Das Problem: diese Geräte sind auf Druck und Volumen von PKW- und LKW-Reifen ausgerichtet. Ein PKW braucht „nur“ ca. 2 bar, ein LKW hingegen 8-9 bar. Ein Fahrradrad braucht zwar auch zwischen 2 (MTB) und 8 bar (Rennrad), der Fahrradschlauch hat aber ein deutlich kleineres Volumen als PKW- oder LKW-Schläuche.

        Wenn die Säule nur für PKW „gedacht“ ist, erlaubt sie ggf. gar nicht erst, einen Druck über 3-5 bar einzustellen – oder schaltet sich bei einem festgestellten Druck von über 4 bar mit einer Fehlermeldung ab.

        Wenn die Säule hingegen für PKW und LKW geeignet ist, kann bereits ein „zarter Luftstoß“ in den Fahrradschlauch diesen überfüllen oder zum Platzen bringen. Im besten Fall bekommt der MTB-Schlauch eben ein „PKW-übliches“ Luftvolumen ab, was ihn auf 8 bar bringt, ehe der Automat wieder langsam Luft ablässt, bis die ursprünglich fürs MTB eingestellten 2,5 bar erreicht sind.

        Nicht nur Fahrräder sind von dem Thema betroffen – es gab bereits Unfälle mit „explodierten“, überfüllten Schubkarrenreifen.

        Heute komme ich gar nicht mehr auf die Idee, „zum Aufpusten“ extra eine Tankstelle anzufahren – für „daheim“ habe ich mir vor einiger Zeit eine TopPeak JoeBlow Sport gegönnt, die ich halbwegs regelmäßig nutze, um mit wenig Muskelkraft den Reifen auf Druck zu bringen. Außerdem kann ich mir daheim auch noch schnell die vom Ventildeckel-Abschrauben verdreckten Hände waschen…

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