Meiner ältesten Tochter hat man ja unlängst das Rad gestohlen. Da es rein statistisch gesehen unwahrscheinlich ist, dass es wundersam wieder auftauchen wird, habe ich ihr mein zwei Jahre altes Trekkingrad „vererbt“. Nein, ich bin kein Gutmensch. Mich trieben vielmehr egoistische Motive, diente mir der Verlust des Rades doch als Ausrede, mich nach einem neuen Alltagsrad umschauen zu dürfen.

Ich bin in jüngster Zeit immer häufiger gefragt worden, warum ich eigentlich mit einer Kettenschaltung unterwegs bin.

Anke, du fährst so viele Kilometer im Jahr, wieso hast du eigentlich kein Rad mit Rohloff Schaltung oder Pinion Getriebe? Denk doch mal an all die Ketten und Kassetten, die du schon verschlissen hast!

Das hat schon eine Weile an mir genagt. Mein Trekkingrad hat zwar schon gut 15.000 Kilometer auf dem Buckel, aber es ist ja trotzdem noch in einem Topzustand. Ich wäre nie im Leben auf die Idee gekommen, mir nach zwei Jahren schon wieder ein neues zu kaufen. Doch jetzt hatte ich ja eine Ausrede, mich auf dem Markt nach einem Rad fürs Leben umzusehen, Testberichte zu studieren, andere Vielfahrer zu befragen und mir ein Objekt der Begierde auszusuchen.

Eines war von vornherein klar, diesmal würde ich keine Kompromisse eingehen und schon gar nicht die Katze im Sack kaufen, d.h. ohne vorherige Probefahrt würde ich mir kein Rad mit einer teuren Schaltung zulegen. Und wenn schon eine teure Schaltung, dann müssen auch die anderen Komponenten des Rades qualitativ stimmen. Vor dem Kauf wollte ich mich davon überzeugen, dass die Rohloff Nabenschaltung mir sowohl bergauf – auch bei  extremer Steigung – als auch in der Ebene genug Bandbreite liefern würde.

Zwei Räder hatte ich in der näheren Auswahl:

  • Easy Rohler Evo von idworx (travel oder light)
  • Rohloff 853 von Rennstahl (28″ Trekkingrad)

Da mir das Rennstahl Rad vom Aussehen her am besten gefiel, bin ich mit ihm Probe gefahren. Los ging es in der Ebene. Die Drehgriffschaltung war zunächst ungewohnt, aber einfach zu bedienen. Erst hatte ich Bedenken, dass die Gänge nicht ausreichen würden für meine flotte Fahrweise, aber spätestens im 12. Gang war klar, dass ich mir diesbezüglich keine Gedanken machen muss. Nach kurzer Zeit musste ich mir sogar eingestehen, dass ich mit der Rohloff-Nabenschaltung viel schaltfreudiger war, als mit der Kettenschaltung. Im Grunde hatte ich in den letzten beiden Jahren beim Trekkingrad höchstens 4-5 Gänge benutzt und das, obwohl meine tägliche Strecke ja alles andere als flach ist.

Vollkommen leise schnurrte das Rad dahin, keine nennenswerten oder gar störenden Schaltgeräusche waren zu hören. Trotz der dicken Reifen (28 x 2,0 Schwalbe Mondial) rollte ich flott wie gewohnt durch den Oberwald in Richtung Wolfartsweier. Dort führt gegenüber vom Schwimmbad ein extrem steiler Weg direkt zur Bergwaldsiedlung. Hier sollte die Schaltung zeigen, ob Theorie und Praxis auseinanderklaffen. Trotz 15-%iger Steigung musste ich nicht in den kleinsten Gang schalten oder aus dem Sattel steigen. Das hat mich dann doch überzeugt. Geschwindigkeits Junkies vermissen bergab vielleicht ein bis zwei Gänge. Aber ich kann damit leben morgens „nur“ mit gut 40 km/h den Berg runter zu donnern. Und bei Licht betrachtet, konnte ich mit der Shimano XT Schaltung meines alten Trekkingrads bergab auch nicht gerade Geschwindigkeitsrekorde erringen.

Für Vielfahrer wie mich macht die Investition in eine Rohloff Nabenschaltung oder eine Pinion Getriebeschaltung durchaus Sinn. Die Schaltungen halten ewig. Insbesondere die Rohloff Schaltung, die es ja schon länger auf dem Markt gibt, ist für ihre Langlebigkeit bekannt. Nicht ohne Grund kursiert in Radlerkreisen der folgende Satz:

Bei Kilometer 100.000 ist sie gerade mal gut eingefahren.

Nachfolgend noch ein paar Zahlen und Fakten zu den unterschiedlichen Fahrradschaltungen:

Übersetzungsverhältnis:

  • Pinion-Getriebe: 636 %
  • 27-Gang Kettenschaltung: 530 %
  • Rohloff:  526 %

Wegstrecke pro Kurbelumdrehung (28″ Trekkingrad mit gängigen Kettenblättern):

  • Pinion Getriebe: ca. 1,42 m bis 9 m
  • Rohloff:  ca. 1,72 m bis 9,1 m
  • Kettenschaltung: ca. 1,70 m bis 9,2 m

Vorteile der Rohloffschaltung:

  • Kann mit dem Übersetzungsbereich einer Kettenschaltung mithalten
  • Zuverlässig, langlebig, wartungs- und verschleißarm
  • Leicht zu schalten
  • Unempfindlich gegen Schnee und Eis
  • Immer richtig eingestellt
  • Gleichmäßige Gangabstufungen
  • Auch im Stand schaltbar
  • Erlaubt Gangsprünge

Nachteile der Rohloff Nabenschaltung

  • Anschaffungspreis (ca 1100 €)
  • Schwerer als eine Kettenschaltung

Vorteile der Pinion Getriebeschaltung (18-Gang)

Die Pinionschaltung ist ein Schaltgetriebe, das im Fahrradrahmen integriert ist.

  • Übersetzungsspektrum von 636 %
  • Mit nur einer Hand leicht zu schalten
  • Wie die Rohloff Schaltung unempfindlich gegen Schnee und Eis
  • Immer richtig eingestellt.
  • Zuverlässig, kaum Wartungskosten, geringer Verschleiß
  • Gleichmäßige Gangabstufungen
  • Auch im Stand schaltbar
  • Erlaubt Gangsprünge

Nachteile des Piniongetriebes:

  • Hoher Anschaffungspreis (ca. 1500 €)
  • Schwerer als eine Ketten- oder Rohloff Nabenschaltung

Vorteile von Kettenschaltungen:

  • Großer Übersetzungsbereich
  • Feine Abstufung
  • Guter Wirkungsgrad
  • Geringe Anschaffungskosten

Nachteile von Kettenschaltungen:

  • Hoher Verschleiß (Kette und Kassette)
  • Wartungsaufwand (z.B. Einstellen der Schaltung)
  • Nur im Fahren schaltbar
  • Kette springt ab, wenn sie extrem schräg läuft