Ich wohne seit knapp 30 Jahren in Karlsruhe und das Rad ist mein Hauptfortbewegungsmittel, aber ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich das Radlerforum Karlsruhe bis vor kurzem gar nicht kannte. Bei einem unserer letzten CM Treffen (einmal im Monat treffen sich Anhänger/Mitfahrer der Critical Mass Bewegung in Karlsruhe zu einem Meinungsaustausch) wurde das Radlerforum thematisiert. Ein Teilnehmer der Runde hatte vorgebracht, ob wir nicht Vertreter der einzelnen Parteien oder Honoratioren der Stadt mit ins Boot holen sollten, um die Critical Mass bekannter und hoffähiger zu machen. Kommentar einer anderen Teilnehmerin, die bereits versucht hatte, solche Kontakte herzustellen:

Die Critical Mass in Karlsruhe ist denen nicht politisch genug. Macht euch mal Gedanken, was ihr überhaupt wollt. Was sind eure persönlichen Ziele. Hier ein Flyer vom Radlerforum und ein Ausdruck des 20-Punkte-Programms der Stadt zur Förderung des Radverkehrs.

Jeder griff sich einen Flyer und blätterte ihn durch. Ein verächtliches Schnauben ertönte zu meiner Linken. Ein Seniorenrat sei Teil dieses Radlerforums, dann könne das ja wohl nichts sein, denn was wissen die schon vom Radfahren. Ich bin zwar noch kein Senior, fühle mich jedenfalls nicht so, auch wenn ich in den Augen eines 20-Jährigen mein „Best before date“ wahrscheinlich schon lange überschritten habe. Aber ich merkte, wie mir der Kamm schwoll.

Ich persöntlich finde die Zusammensetzung des Radlerforums sehr gelungen: Vertreter der Parteien, Mitglieder der Interessenverbände des Radverkehrs (ADFC und VCD) und Mitarbeiter der Verwaltung. Um auch die Belange anderer Verkehrsteilnehmer schon im Vorfeld zu berücksichtigen, hat man Vertreter anderer Interessensgruppen gleich mit ins Boot geholt, als da sind der ADAC und der Seniorenrat der Stadt Karlsruhe. Im Anbetracht des demografischen Wandels finde ich das Hinzuziehen des Seniorenrates eine gute Entscheidung.

Wenn man den Radverkehr fördern will, sollte man das nicht auf Kosten anderer, sondern immer in Absprache und unter Berücksichtigung der Belange anderer Verkehrsteilnehmer tun. Wir Radfahrer – dazu gehören übrigens sehr viele Senioren – sind nur ein Teil des Verkehrs. Auch Fußgänger und Autofahrer haben Rechte. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn immer mehr Menschen vom Auto aufs Rad oder den ÖPNV umsteigen würden, aber zumindest sollten alle angehört werden, wenn es um die Planung neuer Verkehrswege geht.