Radelblog

Das Rad – Fortbewegungsmittel und Lebensgefühl zugleich

Mit der Kraft der zwei Hände

Nachdem mein Kollege erzählt hatte, er könne ohne Reifenheber einen Schlauch am Rad wechseln, habe ich letzte Woche Übungsmaterial mit in die Firma genommen, damit er mir zeigt wie das geht.

Kann man / frau tatsächlich nur mit der Kraft seiner / ihrer Hände den Mantel von der Felge runter und auch wieder rauf bekommen? Ich habe jedenfalls schon so manchen Reifenheber beim Wechsel von Sommer- auf Spikereifen geschrottet.

Eins sei schon mal vorweggenommen – auch er brauchte EINEN Reifenheber, um den Mantel von der Felge zu bekommen. Aber was bei ihm eine Sache von Sekunden war, dauerte bei mir erheblich länger. Kunst kommt eben doch von Können!

 

Für den umgekehrten Weg, sprich fürs Reifen aufziehen, brauchte er keinerlei Hilfsmittel. Das hat man auch schon eben im ersten Clip ganz gut sehen können,wo mein Kollege mir gezeigt hat, wie man am besten vorgeht, wenn man mehr als einen Reifenheber braucht.

Im nächsten Video könnt ihr euch anschauen, wie man am besten einen neuen Schlauch aufzieht.

Mit dem Daumen vor- und mit der linken Hand nachdrücken.

Was sich bei meinem Kollegen so einfach anhört und aussieht, als drücke man mal eben eine angelehnte Tür ins Schloss, fand ich verdammt schwer, um nicht zu sagen unmöglich. Vielleicht sollte ich mir andere Hobbys suchen, Bouldern statt Rad fahren und Joggen gehen, damit ich kräftigere Finger bekomme. Ich habe den Mantel jedenfalls nicht über den Rand der Felge bekommen. Ich brauchte für das letzte Stück einen Reifenheber und habe beim ersten Versuch gleich mal den Schlauch mit dem Reifenheber kaputtgemacht, weil ich zu hastig und ungeduldig vorgegangen bin. Da mein Kollege aber eine Engelsgeduld hat, durfte ich die Übung mehrmals wiederholen, bis auch ich mit meinen zwei linken Händen das zu seiner Zufriedenheit hinbekommen habe.

Hier noch mal die Vorgehensweise Schritt für Schritt:

  • Schlauch gerade soweit aufpumpen, dass er eine runde Form hat.
  • Mantel über die Felge legen und eine Seite ins Felgenbett drücken. Dabei auf die Laufrichtung achten.
  • Das Ventil des Schlauchs vorsichtig zwischen Mantel und Felge durch das Loch in der Felge stecken und dann den leicht aufgepumpten Schlauch rundherum in den Mantel hineinlegen.
  • Wenn der Schlauch gut im Felgenbett zwischen Mantel und Felge liegt, sicherstellen, dass das Ventil gerade sitzt.
  • Das Laufrad mit beiden Händen fest an den Körper drücken, damit es gut fixiert ist und nicht herumrutscht. Beim Ventil beginnend den Mantel nach und nach in die Felge drücken, was sich zum Ende hin als immer schwieriger erweist.
  • Wer wie ich nicht genug Kraft in den Fingern hat, nimmt zum Schluss einen Reifenheber und hebt den verbleibenden Rest des Mantels Stück für Stück über den Felgenrand.

 

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Frühling liegt in der Luft

  1. Marc

    Ganz viel beim Reifen-/Schlauchwechsel hängt vom Reifen selber ab. Wenn es ein Faltreifen ist, ist es wesentlich einfacher verglichen mit einem Drahtreifen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Reifenbreite. Ein 35 mm Reifen ist deutlich einfacher zu montieren als ein 28 mm.
    Dazu kommt teilweise auch der Schlauch. In einem 35 mm Reifen bekommt man den Schlauch einfacher rein als in ein 28 mm. Die Gefahr den Schlauch bereits beim Aufziehen kaputt zu machen ist geringer. Es gab (gibt?) von verschiedenen Herstellern besonders pannensichere Schläuche. Die sind deutlich dicker und beim Aufziehen mehr im Weg.
    Bisher die besten Reifenheber die ich gefunden habe sind welche mit Plastik aussen und Metallkern. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie brechen sehr gering, trotzdem schonen sie den Schlauch (und die Felge).

    • Das kann ich uneingeschränkt als richtig bestätigen, was Marc geschrieben hat. Für mich als jemand, der alles selbst repariert, was auch Fahrradwerkstätten als irreparabel bezeichnen (was natürlich auch an den Lohnkosten liegen kann) ist es für mich nur sehr schwer nachzuvollziehen, wie man mit einem Wechsel von Schlauch und Reifen Probleme haben kann.
      Aufgrund der Pannensicherheit und weil schlauchlose Laufräder inzwischen ausgereift sind, bin ich von den Schläuchen ganz abgekommen – nicht alles, was für die Autoindustrie (in diesem Fall von Continental) entwickelt wurde, muss schlecht sein. Auch das lehnen viele Menschen ab, weil man da ja ’ständig‘ die Dichtmilch nachfüllen muss. Damit habe ich halt auch wieder ein Verständnisproblem, das liegt aber darin begründet, dass ich, wenn ich nicht auf dem Rad sitze, daran herumschraube. Was für den ‚echten‘ Deutschen das Auto, das ist für mich halt das Fahrrad. Also eines meiner vier, hihi

      • Anke

        Du, Steffen, gehörst wie Marc zu den leidenschaftlichen Schraubern. Ich habe eher zwei linke Hände. Selbst wenn ich handwerklich begabter wäre, würde mir zum Schrauben einfach die Zeit fehlen. Ich arbeite gerne, gerne auch zu lang. Das heißt, dass ich unter der Woche immer erst spät zu Hause bin. Da das bisschen Haushalt sich leider nicht wundersam von alleine erledigt, ist am Wochenende in der Regel „Hausfrauen-Fünfkampf“ (Einkaufen, Waschen, Putzen, Kochen, Bügeln) angesagt. Frühjahr – Herbst kommt dann noch der Garten dazu. Die Zeit, die bleibt, verbringe ich lieber auf dem Rad als mit einem Werkzeug in der Hand hockend daneben.
        Das Schrauben übernimmt daher mein Mann. Du siehst, wir haben da noch die klassische Arbeitsteilung des letzten Jahrhunderts, fahren aber ganz gut damit 🙂

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