Mit dem Rad zur Demo

Wer gestern zur Demo Karlsruhe zeigt Flagge gegen Rechts nach Durlach wollte, der kam entweder mit dem Rad oder zu Fuß. Der Durlacher Bahnhof sowie sämtliche Seitenstraßen zwischen der Pfinzstraße – hier verlief der Nazi-Aufmarsch – und der Pfinztalstraße – dies war die Strecke der Gegendemonstration – waren von rund 3000 schwerbewaffneten und in voller Montur gekleideten Polizisten aus ganz Deutschland hermetisch abgeriegelt. Mir taten diese Polizisten leid. Während wir mit kurzer Hose und T-Shirt im Schatten standen, mussten sie mit Helm, Schussweste, klobigen Stiefeln, Schienbeinprotektoren und wer weiß noch was darunter stundenlang in der Sonne stehen und sich dann auch noch von ein paar Idioten blöde Sprüche anhören. Ich möchte diesen Polizistinnen und Polizisten von hier aus meinen Dank und meine Hochachtung aussprechen.

Doch die Mehrheit der Demonstranten war friedlich, wenn auch laut. Es ist erstaunlich, wie viel Dezibel man aus einer Trillerpfeife zaubern kann. Ich hatte abends noch das Gefühl unter Tinitus zu leiden. Zwei Szenen sind mir am meisten in Erinnerung geblieben. Nachdem der Zug der Gegendemo am Schlossplatz angkommen war, sind wir in Richtung Pfinztalstraße gegangen, um einen Blick auf den Nazi-Zug zu erhaschen. Wir standen eine ganze Weile an der Absperrung Seboldstraße Ecke Lederstraße mit Blick auf die Pfinztalstraße. Dort in ca. 50 Meter Entfernung – direkt vis à vis von uns – hatte es sich eine Anwohnerin auf der Gartenmauer gemütlich gemacht. Ihr Gatte saß auf dem Balkon dahinter im Schatten. Als auch er zur Mauer eilte, wussten wir, dass der Aufmarsch der Nazis begonnen hatte. Er erinnerte mich ein wenig an die Tour de France: Erst kamen zig Polizeifahrzeugen, darauf folgten zahlreiche Pressefotografen im Rückwärtsgang, dann kam wieder eine Gruppe von Polizisten und schließlich der eigentliche Nazi-Aufmarsch – ein kleines Grüppchen von vielleicht 300 Rechten, die ihre schwarz-weiß-roten Fähnchen schwenkten. Sie wurden von uns mit ohrenbetäubendem Lärm „begrüßt“ und zogen vorbei. Der Spuk war in einer Minute vorbei.

Was dann geschah, hat mich gefreut. Als Zeichen der Anerkennung erhielten die Polizisten spontan Applaus von uns Demonstranten. Ich bin irgendwie doch stolz darauf, Karlsruherin zu sein.

Danach sind wir zurück zum Schlossplatz. In der Pfinztalstraße stießen wir unterwegs auf diesen Wirrkopf. Er hatte sich auf eine Bank gestellt und jedem, der es hören wollte oder auch nicht, seine Lebensweisheiten gepredigt.

Der Herrgott hat eine großen Kindergarten

Kaum hatte er mit seiner „Predigt“ begonnen, kamen von rechts ein paar junge Leute, stellten sich vor den Wirrkopf und hielten ihr Plakat vor seines. Daraufhin sprang dieser herunter, lief ein paar Meter weiter zur nächsten Bank und begann erneut mit seiner Predigt über Gott und die Welt. Die jungen Leute folgten ihm unter dem Gelächter der Zuschauer und bauten sich wieder vor ihm auf. Wie oft sich dieses Spielchen wiederholte, weiß ich nicht.

Unsere Zukunft ist bunt

Die in den letzten Wochen mit Sicherheit meist fotografierte Kneipe Deutschlands – der Kranz.

Kein Bier für Nazis