Mit dem Faltrad in Kiel

Das Rad ist das mit Abstand beste Fortbewegungsmittel, um eine fremde Stadt zu erkunden. Man ist mobil, flexibel und kann jederzeit spontan Halt machen, wo es einem gefällt. Stau und Parkplatzsuche sind Fremdwörter für Radfahrer. Ich habe das Faltrad für mein verlängertes Wochenende gewählt, weil es in mein kleines Auto passt. Ich hätte natürlich auch mit dem Zug von Karlsruhe nach Kiel fahren können, das ist normalerweise schneller und stressfreier, aber Sturm Xavier hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht. Außerdem brauchte mein Fiat 500 (3 Jahre alt, 6200 km gefahren) ein wenig Auslauf. Wieso ich ein Auto habe? Ehrlich gesagt, weiß ich das selbst nicht mehr, aber das steht auf einem anderen Blatt.

Vier Tage Kiel per Rad und zu Fuß, hier meine Eindrücke:

Das Wetter war abgesehen vom Sonntag zwar nicht so strahlend schön wie im Rest der Republik, aber zumindest hat es nicht nonstop geregnet. Mit anderen Worten: it could have been worse!

Die Radwegsbeschilderung in Kiel ist gut, man müsste sie nur lesen können.

Verdreckte und kaum lesbare Radweg Schilder

Im Stadtzentrum sind die Schilder zwar blitzeblank, weiter außerhalb muss man jedoch schon stehenbleiben, wenn man als Ortsunkundiger etwas erkennen will. Aber sie weisen zumindest den Weg, selbst ich habe mich nicht verfahren. Wer sich auskennt, fährt sowieso anders. Der ausgeschilderte Weg ist nicht unbedingt der kürzeste oder der mit dem meisten Ambiente. Aber so geht es mir daheim ja auch. Wenn ich in die Stadt fahre, wähle ich fast nie den direkten Weg, sondern fahre meist Umwege, weil sie schöner und verkehrsärmer sind.

Auch in Kiel ist nicht alles Gold was glänzt. Dass ich mit dieser Meinung nicht so ganz alleine dastehe, zeigt das folgende Piktogramm, das man in unregelmäßigen Abständen auf dem Radweg entlängs des Schwedenkais findet:

Es wird zwar viel für Radfahrer getan, aber es gibt noch eine Menge zu tun. Fangen wir mit den Radwegen an. Man kann auch noch so viel Farbe auf einen holprigen Gehweg pinseln, Fahrrad Piktogramme  machen daraus noch keinen gescheiten Radweg.

Apropos Gehweg – in Kiel sind viele Gehwege freigegeben für den Radverkehr. Fatal finde ich, dass Radfahrer oft auch in beide Richtungen auf diesen Gehwegen fahren dürfen. Wenn ihr mich fragt, werden hier schon Kinder zum Geisterfahrer geschult. Ich habe mich auf der linken Seite zwischen all den Fußgängern total unwohl gefühlt. Auf meine Frage, warum fahrt ihr denn nicht auf der Straße, ihr müsst doch gar nicht den Gehweg benutzen, hieß es lapidar

viel zu gefährlich, die Autos fahren zu schnell, zu aggressiv und überholen zu dicht.

Die Stadtväter haben schon Schilder aufgestellt, um Autofahrer daran zu erinnern, dass ihnen die Straße nicht alleine gehört.

Doch weil dies den meisten Radlern zu stressig ist, fahren sie auf dem links von der Straße verlaufenden Gehweg.

In puncto Radwege gibt es meines Erachtens in Kiel noch eine Menge zu tun. Dabei fahren so viele Menschen hier mit dem Rad. Fast niemand trägt einen Helm. Das ist aber nicht spezifisch für Kiel, sondern normal in ganz Norddeutschland. Wenn ich dort mit dem Rad unterwegs bin, komme ich mir als Helmträger immer vor wie ein Alien.

Was positiv auffällt in der Stadt sind die vielen Fahrradabstellmöglichkeiten. Da können wir uns in Karlsruhe noch eine Scheibe von abschneiden.

Kiel – Licht und Schatten liegen hier dicht beieinander

Licht und Schatten liegen hier dicht beieinander. Der Radweg links von den Abstellplätzen ist viel zu schmal und mündet vorne unvermittelt in eine Baustelle. Die Abstellplätze selbst sind vorbildlich und noch dazu weit genug auseinander, dass auch ein Lastenrad angeschlossen werden kann.

Kiel – genug Platz für Lastenräder

Ein verlängertes Wochenende in einer Stadt gibt einem natürlich nur einen kleinen, subjektiven Ausschnitt von der Situation vor Ort. Rein vom Gefühl her, würde ich sagen, dass in Kiel viel mehr Radfahrer unterwegs sind als in Karlsruhe. Dies zeigt sich auch an den unzähligen Fahrrädern, die entlängs der Straßen angeschlossen sind. Fahrräder soweit das Auge reicht. Wo Abstellplätze fehlen – und davon gibt es wirklich extrem viele – werden die Räder kurzer Hand an Zäunen, Laternenpfählen und Absperrgittern befestigt. Die Stadt Kiel kommt anscheinend nicht hinterher mit dem steigenden Bedarf an sicheren Abstellanlagen.
Gleiches gilt natürlich auch für die Radwege, nur dauert es länger, sie anzulegen. Als Notlösung müssen daher anscheinend Gewege und sogenannte Schutzstreifen herhalten.