Wissen Sie, wie Karlsruhe entstanden ist – und wo der Ursprung lag? Wo die „Straße der Demokratie“ durch Karlsruhe verläuft und warum das ZKM einmalig in der Welt ist? Folgen Sie uns auf einer spannenden Radtour durch Karlsruhe und erFAHREN Sie die Highlights der Stadt auf den Spuren der Markgrafen von Baden bis hin zur modernen „Residenz des Rechts“.  

Schon lange geplant, gestern endlich mal in die Tat umgesetzt – eine Stadtrundfahrt per Rad durch die Stadt, in der ich seit über 30 Jahren lebe. Ich wusste nicht, wo genaue sie entlang führen würde. Die Kurzbeschreibung der Karlsruhe Tourismus GmbH (s.o.) ließ aber vermuten, dass wir einige der bekannten Sehenswürdigkeiten der Stadt ansteuern würden. Ich wollte mich einfach überraschen lassen und hoffte, Orte kennenzulernen, die ich noch nicht kannte.
Treffpunkt war 10 Uhr am Karl-Friedrich Denkmal. Weil meine Tochter und ich zu früh dran waren, schritten wir noch gemächlich über den roten Teppich auf dem Marktplatz, sonnten uns dann im Schein einer der gelben Lampen und drehten danach noch eine gemütliche Runde um den Schlossplatz herum, den abends zuvor andere Mitmenschen verlassen hatten, wie die Sau den Trog.

Am Donnerstag war in den BNN noch zu lesen gewesen, dass die Stadt Karlsruhe „ab sofort“ achtloses Wegwerfen von Müll härter bestrafen und auch schärfer kontrollieren will. Mindestens 100 € Bußgeld muss berappen, wer z.B. Papier, eine Flasche, Kippe oder Zigarettenschachtel in die Gegend statt in den Mülleimer wirft. Vielleicht sollte man bei den Schlosslichtspielen mit den Kontrollen schon mal anfangen. Man könnte eine Menge Geld verdienen!

Aber zurück zur Stadtrundfahrt. Punkt 10 Uhr hatten sich alle 2o Teilnehmer mit ihren Rädern am Denkmal eingefunden.

Wie es der Zufall so wollte, entpuppte sich unser Guide als Frau Repple, die sich vor genau einer Woche in einem Leserbrief anlässlich der Sperrung des Zirkels kritisch über Radfahrende geäußert hatte.

Sicher stimmen meine Kolleginnen und Kollegen mir zu, wenn ich Christian Büttner widerspreche. Der Zirkel war keine Rennstrecke für Autos. Für Radfahrende jedoch schon!

Das passt ja jetzt wie die Faust aufs Auge, dachte ich und war jetzt erst recht gespannt, wie die 3-stündige Stadtrundfahrt verlaufen würde. Frau Repple stellte sich kurz vor und erklärte die Verbandsregel, ohne sie explizit beim Namen zu nennen.
Wenn ich bei Grün über die Kreuzung fahre, dürft ihr mir folgen, auch wenn die Ampel zwischenzeitlich auf Rot gesprungen ist.“
Anscheinend war ich aber die einzige, die ihren Worten gelauscht hatte, denn die 20-köpfige Teilnehmergruppe zerbröselte unterwegs in einzelne Grüppchen, was die Verbandsregel nichtig machte und das Fortkommen extrem verlangsamte.

Start: 10 Uhr Karl-Friedrich Denkmal auf dem Schlossplatz, Ziel: 13 Uhr Platz der Grundrechte, Länge 16 km

Eines sei schon mal vorweg genommen – ich fand die Stadtrundfahrt gut. Ich hatte keine große Erwartungshaltung, war offen für alles, wollte nicht unbedingt durch alle Stadtteile fahren und den Turmberg erklimmen, sondern hoffte auf Insiderwissen. Und das bot Frau Repple. Als waschechte Karlsruherin wusste sie eine Menge Dinge zu erzählen, die mir bis dato nicht bekannt waren.
Zunächst fuhren wir in den Schlossgarten zum Thron. Hier gab es eine Portion Geschichte zum Thron selbst und zur badischen Fahne, die oben auf dem Schloss im Wind flatterte.

Danach verließen wir den Schlossgarten in Richtung Fasanengarten und Campus Süd und fuhren auf dem neuen Radfahrstreifen entlang der Haid-und-Neu Straße zum Höpfner Burghof. Nach einem kurzen Stopp ging es weiter über die Tulla Straße zum Gelände des alten Schlachthofs. Bei der Querung der Durlacher Allee hätten wir uns eine Menge Zeit sparen können, wenn wir uns die Verbandsregel zu Nutzen gemacht hätten. Max. 5 Radfahrer schafften es pro Grünphase über die Straße zum Schlachthofgelände. Da einige Teilnehmer zudem den Eindruck vermittelten, als säßen sie seit Jahren das erste Mal wieder auf einem Rad, dauerte es eine Weile, bis alle wieder als Gruppe versammelt waren.
Wir umrundeten das Schlachthofgelände. Hielten an dem Ort, an dem die roten Roben der Karlsruher Verfassungsrichter gefertigt werden, pressten ein wenig später unsere Nasen an die Scheiben der Großmarkthalle und erhaschten auf dem Weg zum Gottesauer Schloss noch einen Blick auf die Fettschmelze und die Rösterei Tostino.
Am Gottesauer Schloss erzählte uns Frau Repple dann aus ihren Kindheitstagen in der Oststadt. Damals war das Schloss noch eine von Dornenhecken überwucherte Ruine. Als Kind war sie felsenfest davon überzeugt, dass hier Dornröschen leben musste. Um so enttäuschter war sie, als 1989 nach der Restaurierung des Schlosses die Hochschule für Musik Einzug ins Gebäude hielt und sie die modernen Räumlichkeiten besichtigen konnte, welche so gar nichts mit den Gemächern einer Prinzessin gemein hatten.

Die Querung des „Höllenkreisels“ gestaltete sich mit einer 20-köpfigen Radfahrergruppe als schwierig, zumal wir ja nicht die einzigen waren, die die Straße überqueren wollten. Wir brauchten fast fünf Minuten, um von der einen Seite der Ludwig-Erhard-Allee auf die andere Seite zu gelangen, denn die Querung ging nur in Etappen. Als wir die erste 2-spurige Straße überquert hatten, sprang die nächste Ampel auf Rot, weil sich eine Straßenbahn von rechts näherte. Hinter uns war die Ampel zwischenzeitlich auf Grün gesprungen, und es kamen weitere Radfahrer hinzu. Viel zu viele Radler drängelten sich auf einer viel zu kleinen Fläche, während von links die nächste Straßenbahn anrollte. Das letzte Stück war nicht ganz ungefährlich, weil ein Teil der Gruppe mitten auf den Schienen warten musste, weil der Platz an der Ampel einfach nicht für uns alle ausreichte.

Heil an der anderen Seite angekommen, ging es weiter zum City Park der neuen Südstadt. Selbst hier – wo ich seit nunmehr zwei Wochen jeden Mittag spazieren gehe – konnte ich noch was lernen. Der Turm, den ich täglich umrunde und noch keines Blickes gewürdigt habe, beherbergt nämlich das kleinste und exklusivste Hotel Karlsruhes, die Tower Suite.

Danach ging es weiter über die Ettlinger Straße in Richtung Zoo. Wir sagten den Elefanten der Seniorenresidenz kurz Hallo …

und fuhren dann weiter über die Bahnhofstraße und Beiertheimer Allee zum Denkmal von Carl Drais. Danach statteten wir der Grünen Lunge der Stadt – der Günter-Klotz-Anlage – einen kurzen Besuch ab, machten Halt an der Europahalle und  radelten weiter zum ZKM, dem Zentrum für Kunst und Medien. Wusstet ihr, dass das ZKM mittlerweile zu den Top 5 der bedeutendsten Weltmuseen zählt? Ich nicht. Schon wieder etwas dazugelernt!
Nach dem ZKM radelten wir über die Jolly- und Karlstraße zum Bundesgerichtshof, wo wir uns erneut die Nasen an der Scheibe plattdrückten, um auf der Videotafel dahinter lesen zu können, welche Gerichtsverfahren in der kommenden Woche anstehen.

Auf dem Platz der Grundrechte endete die Stadtrundfahrt nach exakt 3 Stunden. Mir hat sie gefallen. Alles in allem war das eine runde Sache. 20 Teilnehmer fand ich persönlich allerdings zu viel des Guten, zumal die Gruppe in sich nicht homogen war. Weniger wäre hier mehr gewesen.
Unser Guide, Frau Repple, kennt die Stadt Karlsruhe wie ihre Westentasche. Sie ist eloquent und versteht es, Menschen in ihren Bann zu ziehen. Ich habe in diesen drei Stunden viele neue und interessante Dinge über meine Heimatstadt gelernt und mit meiner Tochter einen sehr kurzweiligen Morgen verbracht.
Falls ihr auch mal eine Stadtrundfahrt per Rad, zu Fuß oder joggender Weise unternehmen wollt, man kann diese und ähnliche Stadtführungen übrigens auch privat buchen.