Groß ist des Meisters Kraft

… wenn er mit Verlängerung schafft!

Ihr kennt das bestimmt. Man will ein Marmeladenglas aufmachen, aber der Deckel rührt sich nicht. Man dreht mit aller Kraft, man holt einen Teelöffel, um den Deckel zumindest so weit anzuheben, dass Luft ins Innere des Glases strömt, aber der Deckel lässt sich einfach nicht öffnen. Resigniert reicht man das Glas der „besseren Hälfte“, während man selbst versucht, den Teelöffel wieder gerade zu biegen, den man bei der Aktion fast geschrottet hat. Der Gatte nimmt das Glas, dreht mit drei Fingern scheinbar mühelos den Deckel los und reicht es zurück mit den Worten

Ich weiß gar nicht was du hast. Das war doch ganz einfach!

Ähnlich erging es mir vor ein paar Tagen mit der Steckachse meines Vorderrades.

Ich wollte den Schlauch wechseln, weil ich dachte, er sei defekt. (Im Nachgang hat sich herausgestellt, dass irgendein „Scherzkeks“ das Ventil leicht geöffnet hatte, um mich zu ärgern.) Das Vorderrad ist nicht mit einem Schnellspanner, sondern über eine Syntace Steckachse befestigt. Wenn man Scheibenbremsen verbaut hat, ist das mega praktisch. Steckachse lösen, Rad rausnehmen, Schlauch wechseln und Rad einbauen, indem man einfach die Steckachse wieder festschraubt. Die Bremsscheibe sitzt automatisch an der richtigen Stelle, ohne dass man irgendetwas justieren müsste. So war das jedenfalls bisher. Doch diesmal ließ sich die Steckachse einfach nicht lösen, sie war richtiggehend festgeknallt. Nachdem ich vergeblich versucht hatte, die Achse loszuschrauben, sah die Schrauböffnung so aus:

Hier zum Vergleich ein Bild von der Website des Radherstellers (Rennstahl). So sah die Schrauböffnung aus, bevor ich ihr mit meinem Mini-Tool zu Leibe gerückt bin. Und bevor jemand fragt, ja, ich weiß wie herum eine Schraube aufgeht.

Ich habe also den Reifen aufgepumpt, in der Hoffnung, dass er zumindest bis in die Stadt halten würde und bin mit Luftpumpe im Gepäck zum Schrauber meines Vertrauens gefahren. Er hat sich die Steckachse angeschaut und ob der von mir abgerundeten Öffnung verwundert die Augenbrauen hochgezogen.

Dazu brauchen wir einen 5-er Inbus. Gutes Werkzeug ist ja so immens wichtig,

meinte er dann nur lakonisch, während er zur Werkbank ging, um ein passendes Werkzeug zu holen. Er kam mit einem Inbus-Schlüssel mit langem, gepolstertem Griff zurück. Er musste zu seiner Verwunderung zwar sichtlich mehr Kraft aufwenden als üblich, aber trotzdem hatte er die Steckachse im Nu losgedreht. In Momenten wie diesem würde ich mich am liebsten in Luft auflösen.