Auf die Gefahren der Generation Kopf unten im Straßenverkehr wies die BNN (Badische Neueste Nachrichten) in jüngster Zeit mit drei Beiträgen unterschiedlicher Länge hin. Zu Fuß, auf dem Rad, im Auto – man sieht diese Zeitgenossen immer häufiger. Gerade aus der Bahn gestiegen, mitten in der Fugängerzone, an der Ampel oder während der Fahrt wird das Handy gezückt, schnell noch mal die Mails gecheckt, was auf Facebook gepostet, eine Nachricht über WhatsApp geschickt oder telefoniert. Die „Generation Kopf unten“ ist nicht nur am Steuer, sondern auch zu Fuß und auf dem Fahrrad eine Gefahr für den Straßenverkehr.

Hans-Guck-in-die-Luft und sein Handy lautete die Überschrift eines BNN Artikels zum Thema Telefonieren beim Radfahren.

Wir beobachten eine steigende Zahl von Unfällen, die dadurch ausgelöst werden, dass Fußgänger oder Fahrradfahrer durch ihr Mobiltelefon abgelenkt sind

so Joachim Zwirner, Leiter des Referats Verkehr am Polizei Präsidium Karlsruhe. Belegt sind aber nicht mal 30, die auf Handynutzung zurückzuführen sind. Ein 4-spaltiger Text und ein gestelltes Foto suggerieren, dass insbesondere Radfahrer während der Fahrt freihändig telefonieren und außerdem durch Kopfhörer von der Außenwelt abgeschottet sind.

Tefonieren auf dem Rad ist nicht erlaubt

Gibt’s nicht? Doch, solche Radfahrer gibt es! Aber die Unsitte – Mails checken und Telefonieren – beobachte ich bei Autofahrern viel häufiger als bei Radfahrern. Ist das Telefonieren am Steuer weniger gefährlich? Wohl kaum, im Gegenteil. Ich finde auch das höhere Strafmaß – Autofahrern drohen 60 € Bußgeld und 1 Punkt in Flensburg, während Radfahrer lediglich 25 € berappen müssen – nachvollziehbar. Der Schaden, den ein abgelenkter Autofahrer verursacht, ist ungleich höher, als der eines Radfahrers.

Ein Tag später wurde dasselbe Thema erneut behandelt. 1-spaltiger Text, kein Foto mit der Überschrift „Aktionen gegen Handy am Steuer“.

Handy am Steuer

Handy am Steuer

Der Artikel fiel unter all den anderen bebilderten Beiträgen mit mehr oder minder reißerischen Titeln kaum auf. Dabei enthielt er ein paar drastische Zahlen:

  • Der Griff zum Handy während der Fahrt steigert die Unfallgefahr um das 10-fache
  • Das Unfallrisiko steigt mit dem Schreiben einer SMS am Steuer sogar um das 23-fache
  • Bei 50 km/h bedeutet ein 5-sekündiger Blick aufs Smartphone 70 Meter Blindfahrt

In Niedersachsen gibt es daher schon seit längerem eine Kampagne gegen die Handynutzung am Steuer:

Tippen tötet - eine Kampagne gegen Handynutzung am Steuer

Tippen tötet – eine Kampagne gegen Handynutzung am Steuer

Heute nun ein weiterer Beitrag zu diesem Thema, 3-spaltig mit Foto. Im Fokus diesmal vor allem die Fußgänger.

Generation Kopf unten

Generation Kopf unten

Während die Handynutzung am Steuer oder auf dem Fahrrad mit einem Bußgeld geahndet wird (60 € / 25 €), müssen Fußgänger nicht mit einer Strafe rechnen, wenn sie gehend telefonieren, Textmeldungen verschicken oder Musik hören. Laut Dekra sind 22 Prozent aller Verkehrstoten in der EU Fußgänger. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts wird jeder zehnte Todesfall auf deutschen Straßen durch falsches Verhalten von Fußgängern verursacht.

Ich finde es gut, dass sich die BNN dem Phänomen Generation Kopf unten angenommen hat, was mich allerdings stört ist die unterschiedliche Aufmachung. Viele Leser überfliegen eine Zeitung nur. Was hängen bleibt sind Überschriften und Bilder. Das Kleingedruckte darunter wird nur überflogen.