Garmin Vivoactive HR

Mein Mann hat mir seine Fitnessuhr vermacht, die neue Garmin Vivoactive HR. Er hatte sie sich letztes Jahr im Dezember als Ersatz für die Fitbit gekauft, weil er die Zahlen auf dem schmalen Display der Fitbit ohne Lesebrille nicht mehr erkennen konnte. Ja, Kinder, alt werden ist kein Zuckerschlecken. Doch das steht auf einem anderen Blatt. Die Garmin hat nach ein paar Monaten den Geist aufgegeben. Er hat sie über den Händler, bei dem er sie gekauft hat, einschicken lassen und von Garmin anstandslos ein nigelnagelneues Exemplar erhalten. So stellt man sich eine Garantiebearbeitung als Endverbraucher vor!

Da mein Mann aber mittlerweile seine Liebe zur Fitbit wiedergewonnen hat, bin ich jetzt stolze Besitzerin eines Fitness-Trackers, den ich ob seines knappen Befehlstons „Feldwebel“ getauft habe.

Ich jogge 3-4 Mal pro Woche, fahre jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit und bewege mich bestimmt auch sonst nicht gerade wenig – von wegen das bisschen Haushalt und Garten. Eigentlich brauche ich also keine Uhr, die mich durch ein kurzes, aber unmissverständliches MOVE! tagsüber regelmäßig daran erinnert, dass ich faule Socke mich mal wieder bewegen sollte, wenn ich in ihren Augen zu lange regungslos am Schreibtisch saß.

Seit ich die Fitnessuhr habe, tue ich etwas, was ich vorher nicht getan habe. Ich gehorche! Ich stehe nach einem MOVE! brav auf, gehe kurz runter in die Küche, werfe einen Blick in den Kühlschrank oder tue sonst etwas, nur um ein paar Schritte zurückzulegen, damit die Uhr Ruhe gibt. Eigentlich ist so ein Verhalten total krank! Eine Uhr sagt MOVE! und ich reagiere. Hätte mein Chef so eine knappe Ansage gemacht, wäre ich schon aus Protest demonstrativ sitzen geblieben.

Ich glaube, dass auch einer meiner männlichen Kollegen so einen Fitness-Tracker hat. Erst dachte ich ja, er hätte eine Konfirmandenblase oder ginge heimlich eine rauchen. Da er aber weder das eine noch das andere tut, denke ich, dass auch er einen Fitness-Tracker hat, der ihn in regelmäßigen Abständen mit einem MOVE! auffordert, ein paar Schritte zu gehen.

Was mir außerdem zu denken gibt, ist die Tatsache, dass ich jetzt genau das mache, was ich bis dato an anderen so belächelt habe: Da jeder Schritt zählt, trage ich z.B. die gebügelten Hemden einzeln vom Bügelbrett zum Kleiderschrank. Das wäre mir früher nie in den Sinn gekommen. Irgendwie schon pervers, wenn man der Sklave seiner Uhr wird! Schuld daran ist natürlich nicht die Fitnessuhr selbst. Sie zeichnet ja nur auf, wertet Daten aus und tut das, was man ihr vorgibt.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich maximal 10 % der auf der Uhr installierten Funktionen wirklich nutze. Ich bewege mich zwar viel, aber ich trainiere nicht auf ein Ziel hin. Die Trainings- und Analysefunktionen sind bis dato an mir verschwendet. Ich spiele weder Golf noch treibe ich Sportarten wie Schwimmen, Skifahren, Snowboarden, Langlauf, Stand-Up Paddling oder Rudern, die ich mit dem Tracker aufzeichnen und auswerten lassen könnte.

Wieso trage ich die Garmin Vivoactive HR trotzdem, obwohl ich weder einen Motivator noch einen Fitnesscoach brauche? Ganz einfach, sie zeigt auch die Uhrzeit an und misst ganz nebenbei meinen Puls.

Die Herzfrequenzmessung am Handgelenk finde ich genial, denn die sonst üblichen Brustgurte nerven, weil sie entweder rutschen oder scheuern. Jetzt weiß ich, dass ich einen Ruhepuls weit unter 50 habe und nach einer körperlichen Anstrengung innerhalb kürzester Zeit regeneriere.

Anfangs hat es mich gestört, dass mich die Uhr mit einem knappen MOVE! auch am Ende eines Tages aufgefordert hat mich zu bewegen, obwohl ich morgens bereits zwei Stunden gejoggt bin und nachmittags eine kleine Radtour gemacht habe. Auch wenn man sein Tagesziel schon mehrmals überschritten hat, heißt es „Los, beweg dich. Du sitzt schon wieder viel zu lange faul herum“.
Übrigens lässt sich das MOVE! auch abstellen. Einfach die linke Taste etwas länger gedrückt halten und Do Not Disturb wählen. Schon kehrt Ruhe ein.

Die Garmin Vivoactive HR ist zwar nicht gerade billig, aber sie bietet auch viel für ihr Geld. Die Datenauswertung erfolgt normalerweise über das Smartphone. Gott sei Dank hat Garmin aber auch an Menschen wie mich gedacht. Eine Anbindung zwischen Uhr und PC / Laptop ist ebenfalls möglich. Mein Smartphone ist nämlich schon etwas betagter. Eine Verbindung darüber wäre aufgrund der veralteten Android Version nicht möglich gewesen.