Fitnesstracker und die Macht der Gewohnheit

Fitnesstracker haben Suchtpotential. Bevor mir meine bessere Hälfte seine Fitnessuhr, die Garmin Vivoactive HR, überlassen hat, habe ich beim Laufen die Garmin Forerunner 305 getragen – ein wuchtiges Ding, das an meinem doch eher dünnen Handgelenk schon etwas merkwürdig aussah. Ich besitze diese Laufuhr schon ewig. Manche Garmin Produkte sind einfach nicht kaputt zu kriegen.

Im Gegensatz zu Autos, die immer größer und fetter werden – selbst ein Mini sieht heutzutage aus, als hätte man ihn aufgepumpt – werden Lauf- und Fitnessuhren immer kleiner. Weil die Fitnessuhr meines Mannes – auch eine Garmin, die Vivoactive HR – nicht so klobig aussieht und noch dazu mehr Funktionen bietet, bin ich also umgestiegen. Die Uhr zeichnet automatisch jeden meiner Schritte auf und erfasst meine Läufe und Radtouren über GPS, wenn ich sie aktiv starte. Im Büro erinnert sie mich alle Nase lang, dass ich mal vom Arbeitsplatz aufstehen und ein paar Schritte gehen sollte und sie lobt, wenn ich meine selbst gesteckten Ziele erreicht habe.

Heute Abend wird sie mich nicht loben, obwohl ich wegen der extremen Hitze extra früh aufgestanden bin und gut 16 Kilometer joggen war, denn ich habe meine Uhr im Bad vergessen. Eine Fitness-Uhr hinterlässt Spuren, aber nicht nur am Handgelenk, sondern anscheinend auch im Kopf. Vor einem Jahr hätte mich das nicht gekümmert. Keine Uhr dabei? So what! Schließlich trainiere ich nicht auf ein bestimmtes Ziel hin, sondern laufe aus Spaß an der Freud. Aber die Fitness-Uhr hat mein Verhalten verändert. Das sollte mir zu denken geben. Auch Schritte, die nicht aufgezeichnet werden, sind Schritte, die man gemacht hat.

Vielleicht sollte ich in Zukunft komplett auf eine Uhr verzichten. Dann hätte ich am Handgelenk auch keinen weißen Streifen mehr.