Zum zweiten Mal innerhalb kürzester Zeit wird in Stuttgart Feinstaubalarm ausgelöst. Von 0.00 Uhr kommenden Freitag bis mindestens Samstag ruft die Stadt Stuttgart ihre Bürger auf, das Auto stehen zu lassen und stattdessen auf den öffentlichen Nahverkehr umzusteigen, Fahrgemeinschaften zu bilden, zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren  – freiwillig, versteht sich. Ergebnis vor fünf Wochen: es konnten keine nennenswerten Veränderungen im Fahrverhalten festgestellt werden, die Straßen waren genauso verstopft wie sonst auch. Weder verbilligte Tickets in Bussen und Bahnen noch eine breit angelegte Informationskampagne oder warnende Hinweise auf die Gesundheitsgefahren durch Feinstaubbelastung haben etwas bewirkt.

Feinstaubalarm in Stuttgart

Feinstaubalarm in Stuttgart

Nirgends gilt die Luft als so stark belastet wie in unserer Landeshauptstadt: Der EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft wird hier regelmäßig überschritten. Stuttgart ist damit Feinstaubhauptstadt Deutschlands. Ehrlich gesagt kann ich mir auch nicht vorstellen, dass in der Autostadt Stuttgart irgendjemand freiwillig auf sein Auto verzichten wird. Da denkt doch jeder wieso ich, sollen die anderen doch erst mal anfangen.

Städte wie Rom, Mailand, Paris und Peking setzen schon lange nicht mehr auf den freiwilligen Verzicht. Um die dramatische Luftverschmutzung in den Grifft zu bekommen, hat man bereits Fahrverbote ausgesprochen – meist geregelt über die KFZ Kennzeichen. Mal dürfen die mit den geraden Zahlen fahren, mal die mit den ungeraden. In London muss man seit Jahren eine teure City Maut bezahlen, wenn man mit dem PKW in die Innenstadt will. Seit Einführung dieser sogenannten Congestion Charge sind viele Pendler auf den öffentlichen Nahverkehr umgestiegen. In Stuttgart setzt man (noch) auf freiwilligen Verzicht. Könnte es daran liegen, dass Landtagswahlen vor der Tür stehen? Will man den Wähler nicht vergraulen?

Ein komplett anderer Ansatz, die Menschen zum Umdenken zu bewegen, wird auch gerade in Deutschland diskutiert – eine Prämie von 5000 Euro für all diejenigen, die sich ein Elektroauto zulegen. So will man den Absatz von umweltfreundlichen E-Autos ankurbeln. Diesbezüglich hinken wir unseren Nachbarn ja noch meilenweit hinterher. Elektroautos haben bei uns immer noch den Status von Exoten. Mal gerade 30.000 Stück sind in Deutschland zugelassen. Liegt es am Kaufpreis? An der geringen Reichweite? Der Infrastruktur?

Doch grundsätzlich wäre es mal interessant zu wissen, womit man eher etwas bewegt: durch Verbote oder Anreize? Was glaubt ihr? Bringen Fahrverbote etwas oder finanzielle Anreize wofür auch immer?