Fahrradschule des ADFC Karlsruhe

Der ADFC Karlsruhe bietet Radfahrkurse für Erwachsene an. Diese Kurse richten sich sowohl an Leute, die noch nie auf einem Rad saßen, als auch an Wiedereinsteiger, die zwar mal Radfahren konnten, aber es eine Ewigkeit nicht mehr gemacht haben und sich somit unsicher fühlen.
Auf DAS FEST wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, bei dieser Fahrradschule zu helfen. Ich war sofort Feuer und Flamme und habe zugesagt. Wenn man wie ich schon von Kindesbeinen an Radfahren kann, fragt man sich natürlich, wie Erwachsene sich anstellen, wenn sie zum ersten Mal auf zwei Rädern unterwegs sind. Wenn man mich vor dem Kurs gefragt hätte, was glaubst du wie lange ein Erwachsener braucht, das Radfahren zu lernen, hätte ich geantwortet eine Ewigkeit. Ich hätte mich nicht mehr irren können. Es braucht keine Ewigkeit, sondern nur ein paar Tipps, praktische Übungen, den Willen es zu schaffen und aufmunternde Worte.

Heute war der letzte Teil des Basiskurses. Es hatten sich ursprünglich vier Teilnehmerinnen angemeldet, davon sind drei gekommen. Zwei waren komplette Anfänger, eine Teilnehmerin (80 Jahre alt!!!) war zwar früher schon Rad gefahren, traute sich aber nicht mehr. Ich konnte mir vor meinem geistigen Auge lebhaft vorstellen, was sie sich im Vorfeld hatte anhören müssen. Du in deinem Alter! Was musst doch noch mit dem Rad fahren. Was ist, wenn du fällst? Lass das, du bist zu alt! Das man angesichts solch „aufmunternder“ Worte natürlich Angst vor der eigenen Courage bekommt, ist verständlich.

Sattel runter, Pedale weg und los geht’s mit den Gleichgewichtsübungen auf dem Laufrad

Wir hatte drei Falträder und ein Tiefeinsteigerrad als Übungsräder zur Verfügung. Zunächst haben die drei Frauen gelernt, das Gleichgewicht zu halten. Dazu haben wir die jeweiligen Sättel soweit runtergestellt, dass die Kursteilnehmerinnen in Sitzposition mit beiden Füßen fest auf den Boden kamen. Die Pedale hatten wir abgeschraubt, sodass die Räder jetzt im Grunde Laufräder für Erwachsene waren.

Letzten Samstag brannte die Sonne herunter, heute hat es in Strömen geregnet. Trotzdem haben die drei Frauen unermüdlich geübt. Erst ging es darum, das Gleichgewicht zu halten und die Angst vor dem Rad zu verlieren. Nach gut einer Stunde wollte eine der beiden Neueinsteigerinnen, dass wir die Pedale wieder an ihr Rad schrauben. Sie wollte zumindest ein paar Pedalumdrehungen auf dem Rad alleine schaffen. Der Schweiß floss in Strömen, niemand wollte aufhören. Alle drei hatten den unbändigen Willen, mit einem Erfolgserlebnis den ersten Teil des Basiskurses zu beenden. Als die älteste Teilnehmerin sah, dass eine der Neueinsteigerinnen schon mit dem Pedalieren anfing, wollte sie es auch ausprobieren. Jetzt bewahrheitete sich der Spruch

Radfahren verlernt man nicht!

Das Fortbewegen mit dem Laufrad hatte sie angestrengt, was bei 30° im Schatten ja auch kein Wunder war. Kaum hatte sie Pedale am Rad, ging das Radfahren wie von allein. Das Hirn, der Körper oder was auch immer erinnerte sich daran, dass es ja eigentlich ganz einfach ist.

Sonntag in einer Woche werden wir uns dann noch einmal treffen, um das Erlernte zu vertiefen. Schließlich gehört zum Radfahren mehr als das geradeaus Fahren. Auch das Bremsen und Abbiegen will gelernt sein. Zwei Tage später folgt dann noch eine 10-15 km lange Einsteigertour fernab viel befahrener Straßen, um Lust zu machen auf mehr.

Ich freue mich schon jetzt auf nächsten Sonntag. Es hat unheimlichen Spaß gemacht, die Frauen dabei zu unterstützen, die Angst vor dem Radfahren zu verlieren. Ich bewundere den Ehrgeiz und die Willenskraft jeder einzelnen Teilnehmerin. Aufgeben bei Rückschlägen war für sie keine Option. Wer weiter war als die anderen, munterte die Mitstreiterinnen auf und gab Tipps. Einer für alle, alle für einen. Ich ziehe meinen Hut vor diesen Frauen. Ihr seid meine Heldinnen.