Fahrradcodierung sinnvoll oder nicht?

Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich mein teures Trekkingrad codieren lassen soll oder nicht. Schließlich habe ich die Originalrechnung noch, kenne die Rahmennummer und kann mein Rad ganz genau beschreiben. Die meisten Radfahrer wissen nämlich nicht, welche Marke sie eigentlich fahren. Sie haben kein Markenbewusstsein. Wer nach einem Diebstahl lediglich sagen kann, welche Farbe sein Rad hat, der hat schlechte Karten. Schwarze, rote oder grüne Fahrräder gibt es wie Sand am Meer. Codierte Räder können ihrem Besitzer dagegen eindeutig zugeordnet werden.

Ausschlaggebend für mich war der „jüngste“ Coup der Polizei in Hamburg. Bei einer Razzia in Hamburg-Rothenburgsort hat man im April gut 2000 Fahrräder beschlagnahmt. Im Mai wurden Fotos der gestohlenen Fahrräder im Internet veröffentlicht. Daraufhin meldeten sich 850 potentielle Besitzer bei der Polizei, aber nur gut 20 Räder konnten bislang eindeutig zugeordnet werden. Derzeit werden die Räder in zwei großen Lagerhallen in Hamburg-Niendorf ausgestellt, in der Hoffnung, sie ihrem rechtmäßigen Besitzer übergeben zu können. Aber das wird schwierig, wenn man nicht durch eine Rechnung oder Fotos belegen kann, dass einem das Rad auch tatsächlich gehört. Angenommen mein Rad wäre unter diesen gut 2000 Rädern, dann wäre ich bereits von der Polizei informiert worden, denn anhand der Codierung wüsste man meinen genauen Wohnort und die Initialen meines Namens.

Einen Diebstahl verhindern kann man mit der Codierung alleine natürlich nicht. Man kann ein gestohlenes Rad ja auch zerlegen und einzelne Komponenten separat verkaufen. Da käme bei meinem Rad schon ein nettes Sümmchen zusammen (Rohloff-Nabe, SON-Nabendynamo und Edelux II Frontscheinwerfer, Shimano Deore Scheibenbremsen, Brooks Sattel Cambium, etc.). Aber laut Stiftung Warentest (August 2017) und ADFC sinkt der Verkaufswert eines gestohlenen Rades erheblich, wenn es codiert ist. Gleichzeitig steigt die Hemmschwelle für potenzielle Diebe. Eine Codierung kann die Zahl gestohlener Räder also deutlich senken und die Aufklärungsquote erhöhen.

Mein Rad hat einen Stahlrahmen, deshalb habe ich so lange gezögert, es codieren zu lassen. Ich will ja schließlich nicht, dass da eine tiefe Furche ins Material geritzt wird. Beim ADFC hat man meine Bedenken dann aber zerstreut. Die Codierung mittels eines Gravurgeräts (s.u.) beeinträchtige die Stabilität des Stahlrahmens nicht und dank des Aufklebers über der Gravur müsse ich mir auch keine Sorgen machen, dass es an der Stelle anfangen würde zu rosten.

Codiergerät des ADFC Karlsruhe

Ich fahre zwar bei jedem Wetter mit dem Rad, lasse es aber nie bei Regen draußen stehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich an meinem Rad wo auch immer Flugrost bilden könnte, geht daher gegen Null.

Der ADFC erläutert auf seiner Website ausführlich, wie der Code aufs Rad kommt, welche Methode (Gravur- oder Klebecodierung) sich für welchen Rahmentyp eignet und was man tun muss, wenn man sein Rad verkaufen will.