Erschöpft vom Räder schauen

Ganz schön Drais – unter diesem Motto hat Karlsruhe an diesem langen Wochende die Laufmaschine, den Vorläufer des Fahrrads, gefeiert. An manchen Tagen musste man schon strategisch vorgehen, wenn man nichts verpassen wollte. Ich war bei Licht betrachtet nicht erschöpft vom Rad fahren, sondern vom Rad schauen.

Nehmen wir den Samstag – ein Tag gespickt mit Angeboten rund ums Rad. Das nenne ich Qual der Wahl. Wohin zuerst? Zum Schloss, zum Alten Schlachthof oder doch nach Durlach? Ich habe mich fürs Schloss entschieden, zumal der Stadtmarketing dort zu einem BloggerWalk geladen hatte. Ich habe zunächst mal den Flohmarkt für historische Räder besucht. Der hatte schon morgens um 7 seine Pforten geöffnet. Mein Fuhrpark ist zwar alles andere als historisch und ich bin auch nicht auf der Suche nach einer Karbid-Lampe oder einem netzartigen Kleiderschutz für mein hinteres Schutzblech, aber allein die neben dem Flohmarkt abgestellten Räder der Aussteller und Teilnehmer des Welttreffens der historischen Räder waren einen Gang über den Flohmarkt wert.

Hochrad aus Frankreich

Die Dame aus Frankreich posierte gerne fürs Foto. Sie schob das Hochrad gerade in Richtung Flohmarkt, als ich sie ansprach. Wir kamen ein wenig ins Gespräch. Auf meine Frage, ob es denn nicht beschwerlich sei, mit dem Kleid auf einem Hochrad zu fahren, schmunzelte sie und erzählte mir, dass nicht sie, sondern ihr Gatte das Hochrad fahren würde, sie dürfe es nur schieben.

Der Schlossplatz, auf dem der Flohmarkt stattfand, bot eine würdige Kulisse für die vielen historischen Räder.

Historische Räder soweit das Auge reicht

 

Karbidlampen, Sättel und Kleiderschutz

Was für Nostalgiker

Nach dem Flohmarkt ging es zum #DraisWalk2017, zu dem der Stadtmarketing mich und andere Karlsruher Blogger und Instagrammer eingeladen hatte. Gut zwei Stunden lang wandelten wir mit dem langjährigen Drais-Aktivisten Martin Hauge auf den Spuren des Erfinders der Laufmaschine. Es gibt wohl keinen besseren Kenner der Materie. Seine Führung war eine Hommage an Karl Drais und mit so viel Leidenschaft und Herzblut gegeben, dass er sicherlich auch die nicht so Rad-affinen Instagrammer und Blogger unserer Runde ein wenig fürs Rad begeistern konnte.

Karl Drais lebt!

Ich durfte die Laufmaschine sogar ausprobieren. Mit etwas Übung ist man damit bestimmt ganz schön flott unterwegs. Es fährt – oder sollte ich besser sagen es läuft sich damit auch gar nicht so unbequem wie ich dachte. Aber ich ziehe ein Fahrrad mit Kurbel und Bremsen vor, zumal ich ja auf dem Berg wohne, nicht davor und nicht dahinter 😉

Nach der Führung gab es Freikarten fürs Riesenrad, so dass wir uns Karlsruhe von oben anschauen konnten. Bei strahlend blauen Himmel hatten wir eine gute Sicht über die Stadt bis hin zu den Ausläufern des Schwarzwaldes. Selbst der Funkturm von Grünwettersbach war am Horizont erkennbar. Das einzige was die Postkartenidylle ein wenig getrübt hat, waren die Baukräne.

Danach kam eine spontane Planänderung, weil einige Teilnehmer aufgrund der Hitze schwächelten und sowieso nicht mit dem Rad zum Alten Schlachthof hatten fahren wollen. Warum in der prallen Sonne Rad fahren, wenn man im weitläufigen Schlossgarten auch im Schatten sitzen und den anderen beim Rad fahren zusehen kann!

Die Dame schaut zwar etwas missmutig, fuhr aber unermütlich durch den weitläufigen Garten

Dieser Brite fand Gefallen an uns und wir an ihm. Er erzählte von sich und seinem Rad und ließ eine Instagrammerin sogar eine Runde darauf drehen. Daraufhin gesellte sich gleich ein weiterer Brite zu uns, um auch seine Rarität auf zwei Rädern zu präsentieren.

Übrigens sind die beiden Briten mit ihren historischen Rädern von Nancy nach Karlsruhe gefahren. Die Räder sind zwar alt, aber immer noch gut in Schuss. Gleiches gilt natürlich auch für die drei Schmuckstücke auf dem nachfolgenden Foto. Man wusste gar nicht, wo man zuerst hinschauen sollte. Raritäten wohin man auch sah. Karl Drais hätte seine Freude an diesem Anblick gehabt.

Nach dem #DraisWalk2017 – nochmals ein herzliches Dankeschön an den Stadtmarketing für die Einladung – habe ich noch einen kleinen Abstecher zum Alten Schlachthof gemacht. Dort war das Rennen der Fahrradkuriere bereits im vollen Gange. Unermütlich und in einem Affentempo fuhren sie ihre Runden durch das Schlachthofgelände. Als Zuschauer musste man höllisch aufpassen, nicht unter die Räder zu kommen.

Kinder konnten ihre Geschicklichkeit auf einem vom ADFC aufgebauten Fahrradparcours testen. Wer schon immer mal wissen wollte, ob er Platzangst in einem Velomobil bekommen würde, der hatte nebenan ausreichend Testfahrzeuge zur Auswahl. Für mich wäre das ja nichts, ich fahre lieber offen, aber jedem Tierchen sein Pläsierchen. Lastenradfans kamen ebenfalls auf ihre Kosten. Anlässlich des 200. Geburtstags des Fahrrads hat die Cargo Bike Roadshow am Samstag Station am Alten Schlachthof in Karlsruhe gemacht.

Eigentlich wollte ich am Samstag ja auch noch nach Durlach, um mir das Turmbergrennen anzuschauen. Aber dafür war es mittlerweile zu spät. Aber egal, das Turmbergrennen findet jedes Jahr statt, das nächste Drais Jubiläum erst in 100 Jahren. Da muss man Prioritäten setzen.