Radelblog

Das Rad – Fortbewegungsmittel und Lebensgefühl zugleich

Diensträder und ihr Restwert

Diensträder sind voll im Trend. Der Arbeitnehmer freut sich, weil er über seinen Arbeitgeber günstig an ein Rad mit Rundumschutz (inkl. Vollkasko- und Diebstahlversicherung) kommt. Der Arbeitgeber freut sich, weil Mitarbeiter, die mit dem Rad zur Arbeit fahren, weniger Ausfalltage haben, als ihre mit dem Auto fahrenden Kollegen. Die Fachhändler freuen sich, weil sie nicht nur mehr, sondern vor allem hochpreisige Räder verkaufen. Und last but not least freut sich auch Vater Staat, denn jeder, der vom Auto aufs Rad umsteigt, schont die Umwelt und verursacht weniger Kosten fürs Gesundheitssystem. So weit, so gut.

Der Kauf des Rades nach Ablauf des meist 3-jährigen Leasingvertrages ist zwar laut Leasing-Firmen nicht geplant, aber eher die Regel als die Ausnahme. Bis Mai 2017 konnte der Leasingnehmer sein Rad für einen Restwert von 10 Prozent des Listenpreises erstehen – ein Schnäppchen. Seit Mai 2017 gehen die Finanzbehörden allerdings von einem höheren steuerlich anzusetzenden Restwert von 40 % Prozent des Listenpreises aus. Kauft ein Leasingnehmer sein Rad am Ende der Laufzeit für 10 Prozent des Listenpreises, müsste er eigentlich den geldwerten Vorteil (d.h. 30 % des Listenpreises) versteuern.
Die Leasing-Firmen hatten natürlich Angst, eine Menge potentieller Kunden zu verlieren, weil der Leasingvertrag durch den höheren Restwert an Attraktivität verloren hätte. Um es gar nicht erst soweit kommen zu lassen, machen sich viele Leasing-Firmen (z.B. BUSINESSBIKE, JobRad, Mein-Dienstrad oder Bikeleasing-Service) den § 37 b des Einkommensteuergesetzes zu Nutze und versteuern den größten Teil des geldwerten Vorteils für ihre Kunden.

Nachtrag 27.11.2018: Laut Gesetz sind alle Dienstradanbieter seit Mai 2017 verpflichtet, am Ende des Leasingvertrages einem Restwert von 40 % des Listenpreises anzusetzen, und zwar für Neu- und Altverträge. Meine Aussage „Bei bestehenden Verträgen liegt der Kaufpreis weiterhin bei 10 % des Listenpreises, bei Neuverträgen erhöht sich der Preis wie folgt“  ist somit juristisch nicht korrekt. Auch die Altverträge waren von Tag 1 an von der Gesetzesänderung betroffen, wurden aber ggf. von den jeweiligen Dienstleistern unterschiedlich abgewickelt.

Wer sein Rad am Ende des Leasingvertrages kaufen möchte, dem bieten die o.g. Dienstleister derzeit folgende Konditionen unverbindlich an.

  • BUSINESSBIKE: 15 %
  • JobRad: 17 %
  • Mein-Dienstrad: 15 %
  • Bikeleasing-Service: 18 %

Das Leasen von Dienstfahrrädern über den Arbeitgeber lohnt sich also auch in Zukunft. Übrigens kaufen fast alle Leasingnehmer ihr Rad nach Ablauf des Vertrags. Allerdings nicht, um es selbst weiter zu nutzen, sondern um es im Bekanntenkreis weiterzuverkaufen. Sie selbst leasen dann einfach ein neues Rad und kommen so stets in den Genuss der neuesten Technik.

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  1. Das ist wirklich eine tolle Sache. Man fährt Rad, tut was gutes für die Umwelt und spart auch noch Geld. Ich halte das für eine tolle Idee. Vor allem weil dadurch ein „teures“ Rad günstiger zu bekommen ist.
    Schöne Grüße

  2. Danke für die Infos. Diese Änderungen hatte ich noch nicht mitbekommen. Werde das gleich an meinen Bruder weitergeben, der zurzeit mit seinem Arbeitgeber wegen einem Firmenfahrrad in Diskussion ist.

  3. thomas

    die Auswirkung der Steueränderung auf den Rückkaufwert führen in dem Betrieb, bei dem ich beschäftigt bin, zu intensiven Diskussionen. Im konkreten Fall fordert die LeasingFirma BusinessBike auch für „Altverträge“ (aus 2016) die 15% des Listenpreises inklusive einer Steuerübernahme anstelle der beworbenen 10% bei Vertragsabschluss. Die Daten aus dem Blog sind laut BusinessBike falsch.
    Für mehr Info bin ich dankbar.

    • Anke

      Hallo Thomas, wir haben BusinessBike angeschrieben und Ihre Frage zum Thema Altverträge und Restwert weitergereicht. Näheres folgt zeitnah an dieser Stelle.

    • Anke

      Mein Kollege hat mit BusinessBike telefoniert.

      Ergebnis:
      BusinessBike fordert aufgrund von steuerlichen Änderungen (auch bezogen auf Altverträge) aktuell 15 %, nicht mehr 10 % wie vor Mai 2017. Weiterführende Infos sollten Sie sich als Arbeitnehmer laut BusinessBike über Ihren Arbeitgeber einholen. Im Rahmenvertrag des Arbeitgebers sei das alles genau geregelt. Auch bezüglich der Altverträge sei dort beschrieben, dass die 10 % nur unter Vorbehalt auf steuerliche Änderungen gelten würden.

      Was im Rahmenvertrag Ihres Arbeitgebers mit BusinessBike steht, weiß ich natürlich nicht. Aber als der Restwert im Mai 2017 von 10 auf 40 % hochgesetzt wurde, las sich das auf den Websites der einzelnen Dienstradanbieter noch anders. Dort war die Rede von „kulanterweise“ werde man für Altverträge weiterhin nur die 10 % ansetzen. Das scheint so ja nicht in allen Fällen zu stimmen, sonst gäbe es bei Ihnen in der Firma ja nicht die Diskussion.
      15 % sind natürlich immer noch besser als 40 % des Listenpreises, aber ich kann durchaus verstehen, dass Sie sich über den Tisch gezogen fühlen. Was steht denn explizit in Ihrem Leasingvertrag und im Rahmenvertrag Ihres Arbeitgebers? Letztendlich ist nur das entscheidend.

  4. Gerhard Krabbe

    Nie wieder Bike Leasing. Mittlerweile bieten Händler O% Finanzierungen an. Im Vergleich sind solche Räder durch die Schlussrate sehr viel teurer geworden! Am Anfang wurde mir gesagt, die monatlichen Raten betrügen 45€. Zum Schluss waren es dann 88€ mit 25€ sog. Geldwerten Vorteil. Das Fahrrad wurde also sehr viel teurer, und die Vorderradlampe funktioniert bis heute nicht, ich musste also noch Geld in die Reparaturen und teure Lampen stecken etc. Ich würde definitiv nie wieder „leasen“. Schon gar nicht bei so horrenden Schlussraten.

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