Radelblog

Das Rad – Fortbewegungsmittel und Lebensgefühl zugleich

Die Helmdebatte – eine neverending Story

Helm oder nicht Helm – diese Frage wird seit gestern erneut heftig diskutiert. Zeit Online hat einen Artikel zu diesem Thema veröffentlicht, der den Stein wieder ins Rollen gebracht hat. Ich hätte nicht gedacht, dass es zu diesem Thema noch irgendetwas Neues zu sagen gibt. Und bei Licht betrachtet hat der Artikel hat auch nicht wirklich etwas Neues zur Debatte beitragen können. Wozu dann ständig wieder ergebnislose Debatten über die Schutzwirkung von Fahrradhelmen? Lebe ich wirklich sicherer, wenn ich beim Rad fahren einen Helm trage oder nicht? Überholen mich Autofahrer dichter, wenn ich einen Helm trage oder nicht? Immer dieselben Fragen und je nach dem wo man steht dieselben Antworten.

Da sich Helmgegner und Helmbefürworter sowieso unversöhnlich gegenüberstehen, halte ich persönlich diese Debatte allmählich für vollkommen überflüssig und bestenfalls Sommerloch füllend, zumal ständig dieselben Zahlen und Statistiken herangezogen werden, deren Aussagekraft von der jeweils anderen Seite entweder angezweifelt oder gleich in der Luft zerrissen wird.

Aber nur weil ich das Thema „Helm oder nicht Helm“ bald nicht mehr hören kann, muss es anderen ja nicht genauso gehen. Die Zahlen sprechen nämlich eine andere Sprache.

Quelle: Zeit Online 13.08.2017 07:58

Knapp 2000 Mal wurde der Artikel seit gestern geteilt und in den sozialen Medien hitzig diskutiert. Das Thema scheint also immer noch vielen Menschen unter den Nägeln zu brennen.

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Was ich nicht anhabe, kann auch nicht nass werden

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Falschparker Potpourri

  1. In Österreich wird gerade über Nummerntafeln für E-Bikes disktuiert mit anhängenden STeuern. Wie weit seid ihr denn da?

    • Anke

      In Deutschland gilt für Pedelecs mit einer Motorleistung bis 250 Watt und Motorzuschaltung bis max. Geschwindigkeit von 25 km/h:
      – Führerschein: Nein
      – Helmpflicht: Nein
      – Zulassung (Versicherungskennzeichen): Nein
      – Radwegbenutzung: Ja

      Für Pedelecs mit einer Motorleistung bis 500 Watt und Motorzuschaltung bis max. Geschwindigkeit von 45 km/h – sogenannte S-Pedelecs gilt:
      – Führerschein: Ja
      – Helmpflicht: Ja
      – Zulassung (Versicherungskennzeichen): Ja
      – Radwege: Nach aktueller Rechtssprechung dürfen Radwege auch außerhalb geschlossener Ortschaften nicht befahren werden. Fahrradstraßen dürfen nur dann befahren werden, wenn sie für Kraftfahrzeuge allgemein oder für Krafträder freigegeben sind.
      – Einbahnstraßen: Dürfen nicht entgegen der Fahrtrichtung befahren werden, auch wenn dies Radfahrern erlaubt ist.
      – Promillegrenze: Wie beim PKW
      Klassische E-Bikes: Max. Geschwindigkeit 20 km/h bei 500 Watt max. Motorleistung.
      – Kein Einsatz eigener Muskelkraft nötig
      – Leistungssteuerung per E-Gasgriff
      – Es gelten die gleichen gesetzlichen Bestimmungen wie bei S-Pedelecs.
      Neu ab 1.1.2017 ist das Verkehrsschild „E-Bike frei“, mit dem Radwege für eben diese E-Bike-Klasse (nicht S-Pedelecs) von den Kommunen freigegeben werden können.

      Auch in Deutschland ist die Regelung relativ verwirrend. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass die Begriffe Pedelec und E-Bike landläufig fälschlicherweise synonym verwendet werden.
      Pedelecs sind die meistverkauften Zweiräder, gefolgt von den schnellen S-Pedelecs. Dann folgen mit weitem Abstand die E-Bikes. Den meisten Autofahrern ist nicht klar, wer ihnen da entgegenkommt bzw. wen sie da gerade überholen. S-Pedelecs dürfen z.B. den Radweg nicht benutzen, müssen sich aber oft das Gehupe der Autofahrer anhören, wenn sie auf der Straße fahren.

  2. Anders

    Der Zeit-Artikel macht sich vor allem durch einige Dinge bemerkbar: er geht sehr einseitig an das Thema heran. Er zitiert zu.B. eine. niederländische Studie zu einem helm-losen Teilaspekt, unterschlägt aber, daß in den Niederlanden als große Radfahrer-Nation praktisch keiner einen Helm trägt. Auch einige Formulierungen sind mindestens irreführend, wenn nicht gar komplett daneben – als Überschrift der Grafik auf der zweiten Seite steht etwa „doch durch welches Verkehrsmittel starben in den vergangenen Jahren die meisten Menschen?“. Tatsächlich zeigt die Grafik nur, als Nutzer welchen Verkehrsmittels Menschen getötet wurden – und gibt keineswegs eine Antwort auf eine „Schuldfrage“ – es sei denn, man interpretiert diese Frage sehr zynisch als „wer am Straßenverkehr teilnimmt, ist an seinem potentiellen Tod selbst schuld“. Zur Frage „warum Helm“ trägt diese Grafik auch keine Zahlen bei: warum etwa sterben fast doppelt so viele Kraftrad-Fahrer, obwohl diese doch alle Helmträger sein sollten, tendenziell genauso wie viele Radfahrer nur „saisonweise“ unterwegs sind – und doch ein Vielfaches an Fahrrädern unterwegs sind?

    Wenn es um das Reduzieren von Verkehrstoten geht, wäre ein Tempolimit (sowohl inneorts als auch auf der Autobahn) die ehrliche Antwort – auch und gerade für die hohe Anzahl an Autofahrern. Warum? Auch ein Airbag ist „erst“ etwa 30ms nach dem Aufprall aufgeblasen und bei Geschwindigkeiten über 90-110 km/h legt der angeschnallte Insasse (bzw. der nicht angeschnallte Kopf) einfach mehr Distanz zurück, als dass der Airbag noch „rechtzeitig“ dessen Aufschlag anfangen könnte. Glaubt man den jahrelangen Beteuerungen der Autoindustrie, die Erkenntnisse aus dem Motorsport würden der Sicherheit im normalen Straßenverkehr helfen, so müsste man sich als Autofahrer heute nicht mit einem Dreipunkt-Gurt anschnallen, sondern würde mit Sechspunkt-Gurt und Helm quasi bewegungsunfähig in den Sitz geschnallt.

    Alle Jahre wieder – ja, auch ich kann die Diskussion nichts Gutes abgewinnen und viel Nachdenken und Recherche hat bei mir zur Entscheidung für einen Hövding geführt. Hövding = „Fahrrad-Airbag“: eine „Halskrause“ erkennt Unfall-typische Bewegungsmuster und bläst sich im „Falle eines Falles“ in Sekundenbruchteilen zu einem „Helm“ auf, der praktisch den gesamten Kopf rundum schützt und stabilisiert).

    Weil ich als Radfahrer kaum langsamer unterwegs bin als etwa ein Mofa-Fahrer, der Mofa-Fahrer aber zu einer Helmart „gezwungen“ wird, die in Technik, Preis und Un-Komfort jeden Fahrradhelm um Längen überbietet. Allein dieser einfache Vergleich „ähnlich schnelles Verkehrsmittel, ähnliche Bauform, ähnliche Gefährdung: deutlich höherer Schutz“ erhöht nicht gerade mein Vertrauen in die übliche „Styropor-Salatschüssel“, von der in jedem „Helm-Test“ doch erstaunlich viele schlecht abschneiden und bei denen man sich letztlich zwischen „am wenigsten unbequem“ und „sicher“ entscheiden soll.

    Weil ich der Meinung bin, ein Fahrradhelm könnte bereits rein nach seiner Prüfverordnung nicht viel taugen – wie beim Auto-Airbag müsste man eher darauf „hoffen“, bei einem Unfall wäre man zufälligerweise „langsam genug“ unterwegs, werde durch andere Faktoren „abgebremst“ und der Unfall erwischt einen gerade im richtigen Winkel, damit der Helm seine optimale Wirkung entfalten kann, auf die er speziell entwickelt und getestet wurde.

    Weil die deutschen Fahrradwege oft nicht einmal den Begriff wert sind und man als Radfahrer in Deutschland sehr viel eher gefährdet wird als etwa die Niederländer auf ihren von Autofahrern und Fußgängern konsequent getrennten Wegen.

    Weil mir auf meinem Arbeitsweg entlang der Reinhold-Frank-Straße täglich genügend „Rad-Geisterfahrer“ entgegen kommen, die spontan ein gewaltiges Unfallrisiko bedeuten (weiche ich „eher links“ in die Dooring-Zone der parkenden Autos aus oder eher auf den „rechten“ Teil vom gemeinsamen Rad/Fußweg aus, bei dem hinter jeder Hecke ein Fußgänger auftauchen könnte? Weicht der „Geisterfahrer“ gar in die gleiche Richtung aus und geht damit auf Kollisionskurs? Bremst der „Geisterfahrer“ rechtzeitig hinter den Fußgängern ab, die ihn nicht sehen können oder „nimmt“ er mir den Weg, so daß ich deutlich und zugleich unauffällig genug vor den Fußgängern abbremsen muss, ohne diese zum Ausscheren zu bewegen?).

    Und weil ich bei einem nicht auszuschließenden Unfall, egal durch wen oder was verschuldet, dann doch einen Schutz haben möchte, dem ich ausreichend vertraue – um nicht verängstigt und angespannt, sondern konzentriert wie entspannt (und erst damit auch sicher) Rad fahren zu können.

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