Ich bin ja bekanntermaßen ein Gewohnheitstier und noch dazu eine Lerche. Die meisten von euch liegen wahrscheinlich noch im Bett, wenn ich morgens um kurz nach halb sechs bereits durch den Oberwald fahre. Da um diese Uhrzeit noch wenig Verkehr ist, merkt man sich natürlich die Radfahrer, die einem zu dieser nachtschlafenden Zeit entgegenkommen. In meinem Fall sind das drei Frauen unterschiedlichen Alters. Wegen ihrer Kleidung nenne ich sie im Geiste „Junge Frau in Rot“, „Ältere Dame in Beige“ und die „Abgehärtete“. Letztere fährt auch bei zweistelligen Minusgraden immer ohne Mütze. Vier Frauen morgens im Dunkeln im Wald, und das bei Wind und Wetter und jeder Jahreszeit! Soviel zum Klischee „Frauen fahren nicht durch den Wald und schon gar nicht, wenn es dunkel ist. Aber darauf will ich hier nicht hinaus.

Vor ein paar Tagen hat ein Karlsruher, dem ich auf Twitter folge, diesen Tweet gepostet:

Sind wir nicht alle Gewohnheitstiere?

Ich fühlte mich sofort angesprochen, denn genauso geht es mir, wenn mir eine der drei Frauen über einen längeren Zeitraum morgens mal nicht entgegenkommt. Dann mache ich mir echt Sorgen. Wenn ich mit dem Auto unterwegs wäre, würde mir so etwas gar nicht auffallen. Denn ich glaube kaum, dass irgendein Autofahrer bemerkt, wer ihm da morgens und abends auf den beiden linken Spuren der Südtangente entgegenkommt.

Wir Radfahrer grüßen uns, nicken uns freundlich zu oder warnen Entgegenkommende vor Gefahrenstellen „Achtung, Scherben ca. 10 Meter vor der Unterführung auf der rechten Seite!“

Wenn man mit dem Rad unterwegs ist, nimmt man einfach mehr wahr – seine Mitmenschen, Jahreszeiten und die Natur. Ich bin ja so was von froh, dass ich nicht mit dem Auto zur Arbeit fahren muss!