Radelblog

Das Rad – Fortbewegungsmittel und Lebensgefühl zugleich

Das verkehrssichere Rad

Der Schuster hat ja bekanntlich die schlechtesten Schuh. So musste ich mich unlängst von meinem Kollegen belehren lassen, dass die drei Räder, mit denen ich meist unterwegs bin – mein Reiserad von Rennstahl, das Faltrad von Tern und das Lastenrad von Riese u. Müller – allesamt nicht den Anforderungen der StVZO entsprechen was die Beleuchtungsanlage betrifft.

Bei meinem Faltrad war mir das bewusst, bei meinen anderen beiden Rädern hätte ich Stein und Bein geschworen, dass sie mit allen vorgeschriebenen und bauartgenehmigten lichttechnischen Einrichtungen ausgerüstet sind, die der Gesetzgeber vorschreibt.

Fangen wir mit dem Faltrad an. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir durchaus bewusst war, dass an beiden Pedalen die gelben Rückstrahler fehlten. Ich war einfach zu faul, mir Reflektoren zu besorgen. Es gibt sie im 4er Set zum Stecken und Schrauben und sie kosten wahrlich nicht die Welt. So viel zum Thema, eigentlich müsste ich mal ….
Wie bereits oben erwähnt, war mir meine Schuld bei den anderen beiden Rädern nicht bewusst. Naiverweise war ich davon ausgegangen, dass an einem mehrere Tausend Euro teuren Rad, bei dem es sich weder um ein Rennrad noch um ein MTB handelt, schon ab Werk alles verbaut ist, was die StVZO vorschreibt. Eine fehlende Klingel hätte ich verstanden, aber dass die Beleuchtungsanlage nicht den Vorschriften entspricht, hat mich gelinde gesagt gewundert.

Werfen wir einen Blick auf den Frontscheinwerfer meines Reiserades. Hier fehlt laut meinem Kollegen der weiße Reflektor. Leider hat er recht. Für die SON Edelux II gibt es nämlich als Add-on einen Reflektor, der direkt unterhalb des Scheinwerfers montiert wird. Den habe ich mir natürlich jetzt besorgt und gleich montiert. Bei meinem Lastenrad fehlte hinten der rote Großflächenrückstrahler. Dieser kann zwar mittlerweile im Rücklicht integriert sein, aber in meinem zwar hell leuchtenden und weithin sichtbaren kleinen Rücklicht war er nicht integriert. Letztes Wochenende habe ich die fehlenden Teile nachgerüstet. Wenn es um die Beleuchtung eines Rades geht, sollte man gleich handeln.

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Griffe aus Nussbaumholz von Velospring

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  1. Danke für die Info, war mir nicht klar. Ich hab hinten einen kleinen Rückstrahler (mit Akku, der über USB aufgelden wird), aber keinen großen Reflektor.
    Viele Grüße,
    Bernd Schmitt
    PS: Eine superschöne neue Radstation habt ihr im Bahnhof (die Südstation)

    • Anke

      Ja, die Radstation ist super. Der Betreiber sollte allerdings noch ein wenig an der Technik feilen. Es gibt oft Probleme beim Verlassen des Gebäudes. Bemängelt wird auch, dass der Automat vor dem Eingang zu weit entfernt ist von der Induktionsschleife, auf der das Rad steht. Wer mit der linken Hand, ein Ticket anfordern will und mit der rechten sein Rad halten muss, der braucht schon eine extrem lange Arme.

  2. Naja. Meine Räder sind auch nicht zu 100 % mit den gefühlt achtunddrölfzisch Reflektoren ausgestattet, die vorgeschrieben sind. Man sieht mich trotzdem sehr gut im Dunkeln. Den bescheuerten Großflächenrückstrahler kann ich am MTB und Renner z. B. gar nicht montieren, weil ich keinen Gepäckträger hab. Und ich hab deswegen kein schlechtes Gewissen, weil ich nicht an jeder einzelnen Speiche(!) einen Stick habe oder weil am MTB die Pedalreflektoren irgendwann alle verlorengingen (und ich deshalb keine funktionierenden Pedale wegschmeiße, weil die Ersatzreflektoren mehr kosten würden als ein neues Pedal). Mein gegenwärtiges LED-Rücklicht hat auch keine „Wellenlinie“, leuchtet trotzdem rot – wie alle anderen Rücklichter auch. Diese (typisch deutsch) bis ins kleinste Detail gehenden (und überwiegend noch aus den 30er und 40er Jahren stammenden) Vorschriften gehörten sowieso abgeschafft, mehr wie ein aktives Front- und Rücklicht bei Dunkelheit(!) ohne irgendwelchen „Prüfsiegel“ sollte ein Rad nicht brauchen müssen. Ein Pkw braucht im Vergleich grade mal zwei Reflektoren hinten…!

    Wenn man das Verkehrsmittel Rad in seinen vielfältigsten Formen attraktiv machen will, muss man solche vorsintflutlichen Regelungen ebenfalls abschaffen. In der Schweiz funktioniert das nämlich auch. Diese Regeln dienen letzten Endes eh hauptsächlich nur dazu, dem Radfahrer im Falle eines Unfalls im Dunkeln eine (erhebliche) Mitschuld anzudichten. Oder sie bei einer Kontrolle anzuhalten. Wenn dieser Logik folgend bald Wahnwesten und Helme Pflicht werden sollten, werde ich denen auch was husten…!

    Ich bin jetzt schon über 300.000 km gefahren – und noch keinen einzigen davon mit einem „verkehrssicheren“ Rad. Trotzdem lebe ich noch, hatte nur wenige leichte Unfälle und insb. grade im Dunkeln noch nie einen. Insofern ist der Ausdruck „nicht verkehrssicher“ einfach nur übelster Neusprech. Den sollte man nicht einfach unkritisch multiplizieren. 😉

    • Anke

      Ich gebe dir recht, teilweise stehen wir uns in Deutschland mit all unseren Paragrafen und Vorschriften, die alles immer bis ins kleinste Detail regeln sollen, selbst im Weg. Da wäre weniger tatsächlich manchmal mehr.
      Zumindest wurde die StVZO insofern überarbeitet, dass jetzt der Stand der Technik ein Stück weit berücksichtigt wird. Fahrradscheinwerfer und Rückleuchten dürfen z.B. jetzt mit zusätzlichen Funktionen wie Tagfahrlicht, Fernlicht und Bremslicht ausgestattet sein. Sie dürfen über ein Dynamo, Batterien oder wiederaufladbaren Akkus betrieben werden. Auch muss die Batteriebeleuchtung tagsüber nicht mehr mitgeführt werden.
      Ob eine weitere Entrümpelung der StVZO mehr Menschen zum Umstieg aufs Rad bewegen, glaube ich allerdings nicht, denn die meisten wissen wahrscheinlich sowieso nicht, was im Einzelnen ans Rad gehört und verlassen sich da auf den Händler, der ihnen das Rad verkauft.

      Du schreibst, dass „diese Regeln (…) letzten Endes eh hauptsächlich nur dazu dienen, dem Radfahrer im Falle eines Unfalls im Dunkeln eine (erhebliche) Mitschuld anzudichten“. Hast du diesbezüglich Erfahrungen aus deinem Bekanntenkreis oder bezieht sich das auf Urteile zum Thema Radfahrer trug keinen Helm / Radfahrer fuhr ohne Licht / Rad entsprach nicht der StVZO also Mitschuld?

      • Hallo Anke,

        Ja, seit einer Weile darf man ja tatsächlich am Fahrrad ein Licht verwenden, mit dem man auch selber halbwegs was sieht. Andererseits ist ja auch weiterhin genauestens geregelt, dass der beleuchtete Bereich nicht mehr als ein paar Meter reichen darf. Und der überflüssige zweite Heckreflektor ist inzwischen ja auch nicht mehr Pflicht.

        Sicher, es würde jetzt keinen Fahrradboom auslösen, wenn man in Zukunft auch mit dem Mountainbike oder dem Rennrad alltägliche Fahrten legal absolvieren würde, weil man das ganze Reflektoren- und Beleuchtungsgedöns nicht mehr bräuchte. Andererseits ist der Reflektorenkram sicher auch für den ein oder anderen eben eine weitere Hürde, wie es für mich bspw. eine Helm- oder Wahnwestenpflicht wäre.

        Direkte Erfahrungen hab ich nicht. Es würde mich aber wundern, wenn bei einem Unfall im Dunkeln die gegnerische Kfz-Haftpflichtversicherung nicht auf den ggf. fehlenden Reflektoren herumreiten würde (selbst wenn der Autofahrer wegen des Ultra-starken, nicht StVZO-zugelassenen LED-Rücklichts sein Augenlicht verloren hat) 😉 – für Schadenersatzminderungen wird es auf jeden Fall ausreichend sein, denn „Vorschrift ist Vorschrift“.

        Als Rennradfahrer ist man ja sogar in Sachen Helm immer noch vogelfrei: denn man kriegt automatisch eine Mitschuld (für erlittene Kopfverletzungen), auch wenn der eigentlich Unfall allein vom Autofahrer verursacht wurde. Und das, obwohl es ja nicht einmal eine gesetzliche Helmpflicht gibt.

    • Stiller Teilnehmer

      Hallo,
      es geht nicht nur um Dich, denke an alle anderen Verkehrsteilnehmer, die DICH nicht sehen.
      Super, wenn du immer heile durchgekommen bist!
      Klaro gebe ich dir recht, daß nicht alles schön aussieht und schlecht zu montieren ist.
      Wenn es aber 80% haben, richtet sich der Mensch schon darauf ein und übersieht das Wesentliche.
      Möchtest Du irgendwann z.B die Meldung hören:
      Das deine Freundin ohne Helm auf dem Fahrrad auf dem Fahrradweg im Park umgefahren worden (Armbruch und Gehirnerschütterung) ist und der Unfallgegner (Fahrradfahrer), Sie nicht gesehen hat, weil sie kein Licht und keinen Reflektor der wenigstens reflektiert hatte?

      Wäre schön wenn du daran denken kannst, denn in der Stadt sind so viele Dinge,
      die ablenken und leicht sind alle Sinnesorgane überreizt.

      Vielen Dank

      • Meinst du mich? Ich habe doch ausreichend Licht am Rad! Ich fahre schon seit rund 20 Jahren Rad, auch oft im Dunkeln – und wurde noch nie übersehen und habe auch noch nie jemanden übersehen.

        Meinst du hingegen ernsthaft, dass mich jemand gleich gar nicht oder schlechter sieht, wenn ich zwar IMMER ein aktives, Front- und Rücklicht eingeschaltet habe, aber keinen zusätzlichen Front- und Heckreflektor nebendran? Oder weil die Mini-Pedalreflektoren fehlen? Und man sieht mich auch von der Seite gar nicht, weil ich nur an jeder 2. Speiche einen Stick habe…?

        In der Schweiz braucht es nur 2 aktive Lampen. Mir ist nicht bekannt, dass dort Radfahrer im Dunkeln massenhaft verunglücken würden…!

        Daher: Weg mit diesen ganzen Lametta-Vorschriften!

  3. Danke für den Beitrag! Wenn ich ehrlich bin, habe ich schon ewig nicht mehr geschaut, ob mein Rad Verkehrstauglich ist.

  4. wie immer ein sehr informativer Beitrag mit sehr aktuellem Bezug. danke

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