Kategorie: Lifestyle

Dunkelampeln

Ich bin gerade zu Besuch in meiner alten Heimat – einem kleinen Dorf in Niedersachsen zwischen Bremen und Hamburg. Als ich Kind war, führte noch eine Sandstraße durchs Dorf und kaum jemand hatte einen PKW. Asphaltiert wurde diese Straße erst, als sich der kleine Gemischtwarenladen der Familie Dodenhof im benachbarten Posthausen zur „Einkaufsstadt, die alles hat“ mauserte. Das Kaufhaus Dodenhof ist der größter Arbeitgeber der Umgebung. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt und vor allem kostenlose Parkplätze direkt vor der Haustür. Dementsprechend groß ist der Ansturm der Kunden. Vor allem zu den Stoßzeiten und abends nach Toresschluss rollt eine Blechlawine durch unser Dorf. Wer da die Straße queren möchte, musste noch vor ein paar Jahren ewig warten, bis sich eine Lücke im Verkehr auftat. Seit wir eine Dunkelampel haben, ist das vorbei.

Eine Dunkelampel wird nur auf Knopfdruck aktiv und die restliche Zeit über „schläft“ sie. Das hat den Vorteil, dass der Verkehrsfluss nur dann unterbrochen wird, wenn es auch wirklich nötig ist. Ich liebe diese Ampel, denn sie reagiert viel schneller als andere Ampeln.
Man drückt auf den Knopf und die Ampel wacht auf: Grün für die PKWs und Rot für die Fußgänger. Nach drei Sekunden schaltet die Ampel auf Gelb und dann auf Rot für den motorisierten Verkehr und der Fußgänger kann bei Grün die Straße queren.

Von diesen Dunkelampeln sollte man ruhig mehr aufstellen bzw. „normale“ Ampeln umrüsten. Ich bin Frühaufsteherin. Wenn ich morgens mit dem Rad zur Firma fahre, schlafen die meisten Menschen noch. Auf dem Weg zur Arbeit muss ich einige Straßen queren, die tagsüber zwar viel befahren sind, aber eben nicht, wenn ich unterwegs bin. Trotzdem muss ich ewig warten, bis die Ampeln (Bedarfsampeln) von Rot auf Grün springen, obwohl weit und breit kein Auto in Sicht ist. Durch diese Ampelschaltung züchtet man sich Rotlichtsünder geradezu heran. Damit will ich mein verkehrswidriges Verhalten jetzt nicht schönreden, aber wozu warten, wenn die Straße frei ist? Ich denke, dass ich nicht die Einzige bin, die in solch einer Situation die Geduld verliert und bei Rot die Straße quert, weil Warten einfach sinnlos erscheint. Worauf warten? Dass vielleicht doch noch ein Auto kommt?




Update Radwegsperrung Weiherfeldbrücke

Gestern hat das Tiefbauamt die bei der Ortsbegehung angekündigten Umlaufgitter auf der Radwegrampe aufgestellt. Der Radweg selbst war noch nicht freigegeben.

Auf Twitter hatte ich abends darüber berichtet und geunkt, dass Radfahrer mit Kinderanhänger die Umlaufgitter – umgangssprachlich auch Drängelgitter genannt – nicht gerade prickelnd finden würden.




Groß ist des Meisters Kraft

… wenn er mit Verlängerung schafft!

Ihr kennt das bestimmt. Man will ein Marmeladenglas aufmachen, aber der Deckel rührt sich nicht. Man dreht mit aller Kraft, man holt einen Teelöffel, um den Deckel zumindest so weit anzuheben, dass Luft ins Innere des Glases strömt, aber der Deckel lässt sich einfach nicht öffnen. Resigniert reicht man das Glas der „besseren Hälfte“, während man selbst versucht, den Teelöffel wieder gerade zu biegen, den man bei der Aktion fast geschrottet hat. Der Gatte nimmt das Glas, dreht mit drei Fingern scheinbar mühelos den Deckel los und reicht es zurück mit den Worten

Ich weiß gar nicht was du hast. Das war doch ganz einfach!

Ähnlich erging es mir vor ein paar Tagen mit der Steckachse meines Vorderrades.




Wie familienfreundlich sind Karlsruher Straßen?

Bei der nächsten Critical Mass am Freitag, den 26. Oktober begeben wir uns auf Spurensuche. Karlsruhe will Fahrradhauptstadt werden und investiert eine Menge Geld in den Ausbau der Infrastruktur.

Aber wie sicher sind Fahrradstraßen, die für den KFZ-Verkehr freigegeben sind, und fühlt man sich als Radfahrer auf einem Schutzstreifen durch eine gestrichelte weiße Linie wirklich geschützt?




Mit dem Rad zur Arbeit 2018

Heute geht die Aktion Mit dem Rad zur Arbeit zu Ende. Es wird in dem Zusammenhang in den Medien immer wieder darüber diskutiert, wie man auch die Menschen vom Auto aufs Rad bringen könnte, die einen längeren Anfahrtsweg haben. Radschnellwege sollen schaffen, wozu die vorhandene Fahrradinfrastruktur bisher nicht in der Lage war, nämlich auch diejenigen Pendler dazu zu bewegen, aufs Rad zu wechseln, die mehr als 20-30 Kilometer zum Arbeitsplatz fahren müssen. Ich habe da zwar so meine Bedenken, dass es mit Radschnellwegen alleine getan sein wird, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Zumal es durchaus auch jetzt schon Leute gibt, die sich nicht von einer Stunde Anfahrtsweg per Rad abschrecken lassen.

Mein Weg zur Arbeit ist ja mit 17 Kilometern schon länger als üblich, aber verglichen mit Kevin, dem jungen Mann, der in der Firma direkt nebenan arbeitet, bin ich eine Kurzstreckenradlerin. Kevin wohnt in Marxell im Nordschwarzwald und fährt jeden Tag gut 26 Kilometer mit dem Rad nach Karlsruhe zur Arbeit, und zwar quer durch den Wald. Die Route ist weder vier Meter breit, noch kreuzungsfrei und beleuchtet schon gar nicht. Morgens, bergab, schafft er die Strecke in knapp einer Stunde, abends braucht er dafür etwas länger, zumal er meist noch eine „kleine“ Extrarunde über Bad Herrenalb oder die Teufelsmühle dreht. Wenn er mit strahlenden Augen von seinen Radtouren, der Natur und seinen vielfältigen Eindrücken erzählt, dann spürt man förmlich selbst den Fahrtwind in den Haaren. Er genießt jede Minute auf dem Rad. Eine Stunde und mehr mit dem Rad zu pendeln ist für ihn keine Last, sondern Lebensfreude pur.




Mindestabstand 1,5 Meter

Ich bin kein Freund von Warnwesten für Radfahrer. Wovor wollen wir warnen? Vor uns? Stellen wir denn eine Gefahr dar? Wohl kaum! Nichtsdestotrotz bin ich mir natürlich bewusst, dass ich gerade jetzt, wo die Tage wieder kürzer werden und es morgens noch dunkel ist, wenn ich mich auf den Weg zur Arbeit mache, schneller von anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen werde, je heller ich gekleidet bin.
Statt Warnweste habe ich mir einen neuen Regenschutz für meinen Rucksack zugelegt. Er hat mich nicht nur wegen seiner Leuchtkraft, sondern auch wegen seiner Botschaft überzeugt.

Thomas hat mich unlängst auf den Onlineshop Glückskind aufmerksam gemacht. Es hätte dort auch noch einen Regenschutz mit folgendem Spruch gegeben

Organspender – bitte vorsichtig überfahren

Aber da man ja nie weiß, wie wörtlich man genommen wird, habe ich mich dann doch lieber für ein klassisches Modell entschieden.




Smileys und Heulies für Radfahrer

Wissenschaftler der Hochschule Karlsruhe haben im Rahmen des Forschungsprojekts Reallabor Go Karlsruhe in der Erbprinzenstraße und der Waldstraße sogenannte Dialog-Displays für Radfahrer aufgestellt. Fährt man zu schnell, gibt’s einen „Heulie“ und fährt man mit moderatem Tempo, einen Smiley.

Zusätzlich zum Smiley bekommt man noch eine Dankeschön. Wer zu schnell unterwegs ist, wird durch ein „langsam“ darauf hingewiesen, doch bitte die Geschwindigkeit zu drosseln.

Theoretisch finde ich die Idee gar nicht schlecht. Für Autofahrer gibt es solche Dialog Displays ja schon lange. Untersuchungen haben ergeben, dass sie verglichen mit reinen Geschwindigkeitsanzeigen das Fahrverhalten von Autofahrern nachhaltiger beeinflussen.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich bei uns im Dorf am Ortsschild, wo so ein Dialog Display für den MIV installiert ist, immer rechtzeitig abbremse, um ja einen Smiley zu bekommen.

Ich habe mir heute Nachmittag eine Weile das Treiben in der Erbprinzenstraße angeschaut. Es waren jede Menge Radfahrer und Fußgänger unterwegs. Auch das eine oder andere Auto hat die Anzeigetafel passiert. Meist blieb das Display dunkel, obwohl Radfahrer daran vorbeifuhren. Entweder befindet sich der jeweilige Sensor an einer extrem weit entfernten Stelle oder zu weit rechts / links am Rand – was keinen Sinn machen würde, weil ich als Radfahrer dann ja nicht sehe, ob ich zu schnell oder zu langsam bin – oder die Daten werden zu träge übermittelt. Jedenfalls entsprach das Feedback der Tafeln nach meinem Geschmack nicht der Fahrweise der einzelnen Radfahrer. Wenn ich so eine Tafel passiere, will ich sehen wie ich fahre und nicht wie jemand fährt, der vor oder hinter mir unterwegs ist.
Sechs bis acht Wochen bleiben uns die Anzeigetafeln erhalten. Dann werden die Daten ausgewertet. Ich bin schon mal gespannt aufs Ergebnis und die Schlüsse, die daraus gezogen werden.




Fitnesstracker und die Macht der Gewohnheit

Fitnesstracker haben Suchtpotential. Bevor mir meine bessere Hälfte seine Fitnessuhr, die Garmin Vivoactive HR, überlassen hat, habe ich beim Laufen die Garmin Forerunner 305 getragen – ein wuchtiges Ding, das an meinem doch eher dünnen Handgelenk schon etwas merkwürdig aussah. Ich besitze diese Laufuhr schon ewig. Manche Garmin Produkte sind einfach nicht kaputt zu kriegen.

Im Gegensatz zu Autos, die immer größer und fetter werden – selbst ein Mini sieht heutzutage aus, als hätte man ihn aufgepumpt – werden Lauf- und Fitnessuhren immer kleiner. Weil die Fitnessuhr meines Mannes – auch eine Garmin, die Vivoactive HR – nicht so klobig aussieht und noch dazu mehr Funktionen bietet, bin ich also umgestiegen. Die Uhr zeichnet automatisch jeden meiner Schritte auf und erfasst meine Läufe und Radtouren über GPS, wenn ich sie aktiv starte. Im Büro erinnert sie mich alle Nase lang, dass ich mal vom Arbeitsplatz aufstehen und ein paar Schritte gehen sollte und sie lobt, wenn ich meine selbst gesteckten Ziele erreicht habe.

Heute Abend wird sie mich nicht loben, obwohl ich wegen der extremen Hitze extra früh aufgestanden bin und gut 16 Kilometer joggen war, denn ich habe meine Uhr im Bad vergessen. Eine Fitness-Uhr hinterlässt Spuren, aber nicht nur am Handgelenk, sondern anscheinend auch im Kopf. Vor einem Jahr hätte mich das nicht gekümmert. Keine Uhr dabei? So what! Schließlich trainiere ich nicht auf ein bestimmtes Ziel hin, sondern laufe aus Spaß an der Freud. Aber die Fitness-Uhr hat mein Verhalten verändert. Das sollte mir zu denken geben. Auch Schritte, die nicht aufgezeichnet werden, sind Schritte, die man gemacht hat.

Vielleicht sollte ich in Zukunft komplett auf eine Uhr verzichten. Dann hätte ich am Handgelenk auch keinen weißen Streifen mehr.




Fahrradcodierung bei DAS FEST

Der ADFC Karlsruhe wird beim FEST vom 20. – 22. Juli nicht nur mit einem Infostand vertreten sein, sondern auch Räder codieren. Da Fahrräder innerhalb des Festgeländes nicht erlaubt sind, findet die Codieraktion am Karl-Wolf-Weg beim Anna-Walch-Haus statt. Das ist insofern strategisch günstig, weil sich in der Nähe einer der Haupteingänge zum Festgelände befindet und man hier gleich zwei Fahrradabstellplätze eingerichtet hat. Wenn ihr also aus Richtung Kühler Krug zum Fest fahrt, könnt ihr den Infostand gar nicht verfehlen.

 

Lasst euer Rad doch einfach codieren, stellt es dann auf einem der ausgewiesenen Fahrradabstellplätze ab und geht dann entspannt zum Fest. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand während eurer Abwesenheit am Rad vergreift, ist mit Codierung wesentlich geringer als ohne. Ab- bzw. an einen festen Gegenstand anschließen solltet ihr es natürlich trotzdem.




Auf den Hund gekommen

Nicht ich bin auf den Hund gekommen, sondern die junge Frau, mit der ich mich gestern auf dem Heimweg so nett unterhalten habe. Sie war mit Sohn und Hund unterwegs. Ihr Lastenrad, aus dem der Hund neugierig herausschaute, ist mir sofort ins Auge gefallen. So ein Christiania Bike mit Sonnenschutz hat einfach Charme.

Ich schätze mal, dass das Lastenrad in dieser Konfiguration (Motor, Scheibenbremsen, Dach, Kindersitz, Einstiegshilfe) so um die 4000 € gekostet hat. Das ist viel Geld. Aber wenn man die strahlenden Gesichter von Mutter und Kind neben dem friedlich vor sich hinhechelnden Hund gesehen hat weiß man, dass dieses Rad jeden einzelnen Cent wert war. Man kommt überall damit hin, selbst voll beladen mit Kind und Kegel sind Steigungen dank des Motors kein Problem und einen Parkplatz findet man in der Stadt allemal.