Bahnhof – abfahren

So stellen wir Radfahrer uns das vor, wenn wir mit unserem fahrbaren Untersatz am HBF ankommen und dann mit dem Zug weiterfahren wollen – Fahrrad abstellen und abfahren. Das muss zack-zack gehen.
Wenn man am Karlsruher Hauptbahnhof ankommt, stellt sich das Bild so dar. Direkt vor und links und rechts neben dem Haupteingang stehen oder liegen jede Menge Räder kunterbunt durcheinander. Manche stehen dort anscheinend schon Tage oder Wochen, wenn ich mal von ihrem desolaten Zustand ausgehe.

Vis à vis sieht es nicht anders aus – Räder soweit das Auge reicht, befestigt an allem was auch nur einigermaßen fest im Boden verankert ist:

Da frage ich mich natürlich, wieso nutzen all diese Radfahrer nicht eines der beiden großen Fahrradparkhäuser innerhalb des Bahnhofgebäudes? Geht das Abstellen des Rades dann nicht mehr zack-zack? Ich habe es ausprobiert. Mein Ziel war das neue Parkhaus Süd auf der Rückseite des Bahnhofs. Vor der Einfahrt zum Gebäude das gleiche Bild wie am Haupteingang – Räder über Räder, hier aber in Reih und Glied abgestellt.

Rechts vor dem Eingang zum Parkhaus hängt eine Tafel, auf der erklärt wird, wie man ins Parkhaus hinein und wieder heraus kommt, links stehen die Preise und Konditionen.

  • Fahrrad auf die Induktionsschleife stellen.
  • Nach dem Pfeifton über die Taste ein Ticket anfordern
  • Drehkreuz geht auf
  • Einfahren und einen Abstellplatz suchen

Für Lastenräder, Liegeräder, Räder mit Anhänger etc. gibt es eine separat ausgewiesene Stellfläche:

Alles in allem hat es etwa eine Minute gedauert, ins Parkhaus zu fahren, das Rad abzuschließen und über das Drehkreuz in Richtung Gleise wieder zu verlassen. An der Zeit kann es also nicht liegen, dass die meisten Radfahrer ihr Rad lieber vor, neben oder hinter dem Bahnhof abstellen, anstatt im überdachten und bewachten Parkhaus. Liegt es also am Preis? Die Tageskarte kostet 1 €, die Wochenkarte 3 €, pro Monat zahlt man 8,50 €, die Semesterkarte kostet 25 € und die Jahreskarte 75 €. Das finde ich nicht überteuert, im Gegenteil zumal es im Parkhaus auch die Möglichkeit gibt, sich umzuziehen, Luft aufzupumpen und Wertgegenstände einzuschließen.

Jetzt könnte die mangelnde Nutzung des Parkhauses natürlich auch an der Technik liegen. Als ich bei der Ausfahrt mein Rad auf die Induktionsschleife schob, passierte nichts. Kein Pfeifton zu hören. Ich schob das Rad vor und wieder zurück, von links nach rechts. Das Ergebnis war dasselbe. Das Lesegerät wollte meine Karte nicht und das Drehkreuz ging nicht auf.

Während ich mich noch abmühte, der Technik ein Pfeifen zu entlocken, kam von draußen ein Radfahrer mit Dauerkarte, der es sichtbar eilig hatte. Er hielt seine Karte vors Lesegerät, das Drehkreuz ging auf, er schob sein Rad im Laufschritt zum nächstgelegenen Abstellplatz, schloss es ab und wollte eigentlich schnell weiter zu den Gleisen. Als er mich hin- und herschieben sah, meinte er nur lakonisch, dass sei ihm am Morgen auch so ergangen. Da hätte er auch seine liebe Mühe gehabt, das Parkhaus wieder zu verlassen.
Mittlerweile hatte auch das Wachpersonal mitbekommen, dass es Probleme gab. Das Parkhaus ist ja videoüberwacht. Ein Bahnhofsmitarbeiter nahte von draußen und ließ mich über eine separate Tür hinaus. Er versprach, sich um das Problem zu kümmern, nachdem auch der Dauerparker darauf hinwies, dass ich kein Einzelfall sei und es schon am Morgen technische Probleme mit der Induktionsschleife gab.

Ich werde das in den nächsten Tagen mal nachprüfen, ob man sich der Sache tatsächlich angenommen hat.