Anke macht Platz in der Garage

Analog zum Werbespruch Deutschland macht Platz im Kühlschrank, könnte ich sagen Anke macht Platz in der Garage. Noch stehen der Fiat 500 und der Packster 40 Seite an Seite, aber nicht mehr lange, denn die Tage des Fiats sind gezählt. Im November wird er endgültig nach Norddeutschland überführt.

Als Privatperson bekomme ich zwar für diesen Umstieg vom Auto aufs Lastenrad keinen Zuschuss vom Bund, Land oder der Stadt Karlsruhe, aber ich mache es trotzdem. Es ist einfach die logische Konsequenz aus meinem Fahrverhalten.

Der Fiat ist vier Jahre alt, gefahren bin ich damit in der Zeit mal gerade 13000 Kilometer. Das meiste davon auf der Autobahn zwischen Kiel, Bremen, Lingen, Karlsruhe und Stuttgart. Meist steht das Auto wochenlang in der Garage, ohne bewegt zu werden. Mein Lastenrad habe ich jetzt drei Monate. Obwohl ich in dieser Zeit meist mit meinem Trekkingrad von Rennstahl unterwegs war, bin ich mit dem Packster auch bereits gut 1000 Kilometer gefahren. Zeit also für ein kurzes Résumé – was gefällt mir, was könnte besser sein.

Fangen wir mit der Ladefläche an. Für wen eignet sich das kleinste Lastenrad von Riese und Müller?

Von der Grundfläche her passt locker eine Kiste Cola, Sprudel oder Wasser hinein. Zwei Kisten übereinander gestapelt sind natürlich auch möglich, denn das max. Zuladungsgewicht beträgt 60 kg. Rund um diese Kiste(n) herum bleibt dann noch genug Platz für den Rest eines Großeinkaufs für einen 2-Personenhaushalt. Für meine Zwecke  reicht der Platz also allemal. Sollten mich meine Töchter demnächst mit Enkel beglücken, könnte ich vorne einen Kindersitz nachrüsten. Das Kind säße dann mit dem Rücken zur Fahrrichtung und könnte mich mit aufmunternden Worten – schneller Oma, tritt in die Pedale! – moralisch unterstützen.

Mein Packster hat vorne eine Carry Box mit Cordura Seitenwänden. Das Material ist robust, abriebfest und lässt sich leicht reinigen. Als Sicht- und Wetterschutz habe ich mir zusätzlich eine Persenning als Abdeckung gekauft.

Die Abdeckung ist laut Riese und Müller wasserabweisend. Ich würde sie sogar als wasserdicht bezeichnen, denn ich bin damit schon durch so manch einen Wolkenbruch gefahren und die Ladung ist nicht nass geworden. Einen Kritikpunkt habe ich aber, und zwar den Gummizug. Er wird lediglich durch einen Knoten (siehe Bild in der Mitte) daran gehindert durchzurutschen, was er jetzt natürlich gemacht hat. Das heißt, dass ich derzeit die Persenning vorne nicht befestigen kann, bis ich den Gummizug wieder durch die Naht gefädelt habe.

Als Antrieb ist der Bosch Performance CX Motor (75 Nm) verbaut. Er bietet vier Unterstützungsgrade:

  • Eco (50 %)
  • Tour (120 %)
  • eMTB (Automatik, variabel zwischen 120 % und 300 %)
  • Turbo (300 %)

Was die Power anbetrifft bin ich voll zufrieden. Woran ich mich nur schwerlich gewöhne ist die Lautstärke. Wenn ich den Geräuschpegel mit dem kaum hörbaren Brose-Antrieb vergleiche, der am Pedelec meines Mannes verbaut ist, dann denke ich, dass Bosch diesbezüglich noch jede Menge Luft nach oben hat. Ich benutze den Antrieb daher nur zum Anfahren und bergauf. In der Ebene fahre ich ohne Trittunterstützung. Das macht sich natürlich auch positiv bei der Reichweite des Akkus bemerkbar.

Als Schaltung habe ich die stufenlose Nabenschaltung von NuVinci mit Gates Antriebsriemen gewählt. Die Schaltung wird per Drehgriff bedient und schaltet unter Last genauso zuverlässig wie im Stand. Einziger Haken an der Sache – ich muss umdenken. Wenn ich bei meiner Rohloff-Schaltung runterschalte, drehe ich zu mir nach unten. Bei der NuVinci ist das genau umgekehrt. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Hinweise auf dem Intuvia Display, man möge doch bitte in einen anderen Gang schalten (Pfeil nach unten = kleinerer Gang / Pfeil nach oben = höherer Gang) eigentlich eher der Rohloff-Schaltung entsprechen. Ich verschalte mich also immer, wenn ich von einem aufs andere Rad wechsle.

Die Beleuchtungsanlage ist top. Richtig eingestellt – bei der ersten Fahrt im Dunkeln hat mein Scheinwerfer nur den Meter vorm Rad super ausgeleuchtet – ist die Supernova E3 eine Wucht. Auch das Rücklicht von Busch und Müller ist extrem leuchtstark. Wer mich im Dunkeln übersieht, ist blind.

Genial sind auch die gefederte Sattelstütze von Cane Creek und der standardmäßig verbaute Sattel von Selle Royal.

Vor allem die gefederte Sattelstütze ist eine Wucht. Ich sitze auf dem Packster ja aufrechter auf dem Sattel als auf meinen anderen Rädern. Dank der Federung sind auch längere Strecken überhaupt kein Problem. Aber das ist natürlich auch der Tatsache geschuldet, dass ich jede Woche gut 200 Kilometer per Rad unterwegs bin.

Die Tektro Scheibenbremsen sind griffig und ich fühle mich damit auch bei Tempo 50 km/h sicher. Wenn man vorne zu heftig bremst, hört man ein leicht klapperndes Geräusch ähnlich wie beim Antiblockiersystem. Die Techies unter euch können mir vielleicht erklären, was es mit diesem Geräusch auf sich hat. Ansonsten werde ich mich bei der nächsten Inspektion schlau machen.

Im Alltag sind auch die kleinen Dinge wichtig, an die man beim Kauf gar nicht denkt. Zum Beispiel der Zweibein-Ständer, der speziell für die Packster-Serie entwickelt worden ist. Das Rad soll ja auch voll beladen nicht umkippen und man möchte es auch als Frau leicht abstellen können. Das ist bei diesem Kippständer der Fall. Man muss kein Bodybuilder sein, um das Rad inklusive Ladung vom Ständer zu wuchten.

Das beste kommt zum Schluss – das Fahrverhalten. Egal ob voll beladen oder nicht, der Packster 40 schnurrt nur so dahin. Aufgrund des tiefen Schwerpunkts, fährt sich das Rad auch mit Ladung ohne Mühe. Die Straßenlage ist toll, Kurven fahren macht einfach nur Spaß und bergab geht das Rad ab wie eine Rakete. Ich bin ja sonst eher ein „Schisser“, wenn es den Berg runter geht, aber mit dem Packster fühle ich mich auch bei hohen Geschwindigkeiten sicher. Das Rad liegt einfach satt auf der Straße. Nichts wackelt oder ruckelt. Ich nehme es jetzt auch oft, um damit zur Arbeit zu fahren, obwohl ich gar nicht vorhabe, irgendwelche Einkäufe damit zu transportieren 🙂 .