4-Flüsse Radtour

Wie lässt sich unsere 1-wöchige Radtour am besten zusammenfassen?

  • 4 Flüsse (Rhein, Neckar, Nagold, Enz)
  • 3 AKWs
  • 2 Umleitungen
  • 1 Wespenstich
  • Und auf Wunsch meiner Tochter: kein Internet, d.h. nichts bloggen, nichts twittern, nur Rad fahren

Kommen wir zu den Flüssen bzw. den Flussradwegen. Alle bestens beschildert, größtenteils asphaltiert und wie leergefegt. Lag es am Wetter, an der Jahreszeit oder war es einfach Zufall? Uns sind nur vereinzelt andere Radreisende begegnet. Somit ist das folgende Foto – aufgenommen auf dem Neckartalradweg – stellvertretend für alle vier (Fern-)radwege.

Neckartalradweg

Neckartalradweg

Am Samstagmorgen sind die Radwege generell nicht vielbefahren. Die Menschen schlafen länger, kaufen dann fürs Wochenende ein und machen sich erst am Nachmittag auf den Weg für einen Kurztrip. Somit hat es mich nicht gewundert, dass uns auf dem Rheinradweg von Karlsruhe nach Speyer kaum eine Menschenseele begegnet ist. Bei 35 Grad im Schatten war ein Besuch im Schwimmbad oder Baggersee wahrscheinlich auch reizvoller als eine Fahrradtour entlang des Rheindamms.

Hinter Germersheim konnte man auf der anderen Rheinseite einen Blick auf die Kühltürme des AKWs in Philippsburg erhaschen. Nicht dass ich darauf erpicht gewesen wäre. Im Gegenteil, in Zeiten von Windkraft und Ökostrom hatte ich die Tatsache schon verdrängt, dass es so etwas wie Kernkraftwerke bei uns noch gibt und zwar in unmittelbarer Nähe. In Obrigheim und Neckarwestheim fuhren wir dann im Verlauf unserer Radtour an zwei weiteren AKWs vorbei. Obrigheim ist stillgelegt, aber Neckarwestheim ist noch am Netz.

Von Speyer aus sind wir dann an Hockenheim vorbei und rechts vom Motodroms über einen schnurgeraden Radweg weiter nach Heidelberg geradelt, unserem ersten Ziel.

Am Sonntag ging es weiter auf dem Neckartalradweg von Heidelberg über Hirschhorn, Eberbach und Neckarzimmern nach Bad Wimpfen. Viele Wege führen bekanntlich nach Rom und viele Wege führen von Heidelberg am Neckar entlang. Wenn ihr flussaufwärts fahrt, wählt den Weg rechts des Neckars. Der Weg links ist ausgeschildert. Dem sind wir gefolgt. Hier ist das Verkehrsaufkommen extrem stark. Für Rennradfahrer ist diese Route wahrscheinlich auch besser geeignet, aber die Streckenführung auf der rechten Seite des Flusses soll besser sein.

Ich hatte mich natürlich im Vorfeld schlau gemacht, ob wir uns auf unserer Strecke auf irgendwelche Umleitungen gefasst machen müssen. Wer lesen kann, ist eindeutig im Vorteil. Das gilt allerdings auch für Zahlen. Statt 2015 hatte ich 2016 gelesen und war somit der irrigen Annahme, dass uns diese Umleitung nicht betreffen würde:

Ab dem 14.09.2015 beginnt der Ausbau des Neckartal-Radweges entlang der Landstraße 588 zwischen Haßmersheim und Neckarmühlbach. (…) Der Radverkehr wird über Wald- und Wirtschaftswege oberhalb der L588 über die Eduardshöhe umgeleitet. Die Umleitungsstrecke ist örtlich ausgeschildert und bringt einige zusätzliche Höhenmeter mit sich. Zudem ist die Umleitungsstrecke nicht asphaltiert, sondern nur geschottert.

Ausblick wegen Umleitung

Ausblick wegen Umleitung

Falsch gedacht! Wir waren aber nicht die einzigen Radfahrer, die von dieser Umleitung kalt erwischt wurden. „Einige zusätzliche Höhenmeter“ und „nicht asphaltiert, sondern nur geschottert“ hört sich nicht schlimm an, bedeutete aber, dass man das Rad samt Gepäck erst eine steile Rampe hochschieben musste und dann auf der anderen Seite wieder runter. Beides war bei der Hitze extrem anstrengend. Uns kamen Radfahrer mit vollbepackten Pedelecs entgegen, die haben gekocht vor Zorn und waren am Rande der totalen Erschöpfung. Ein älteres Ehepaar war mit einem Tandem unterwegs. Die hatten wirklich Mühe das schwere Rad den Berg hochzuwuchten. Dicke, holprige Schottersteine machten ein Fahren mit Gepäck einfach unmöglich.

Der Ausblick oben auf der Höhe war nicht wirklich eine Entschädigung für die Mühe, zumal wir am Ende der Umleitungsstrecke feststellen mussten, dass ortskundige Radfahrer einfach durch den abgesperrten Baustellenbereich gefahren sind, den man anscheinend doch mit dem Rad queren kann.

Bad Wimpfen

Bad Wimpfen

Unsere zweite Station – Bad Wimpfen – war allerdings die Mühe wert. Vergesst Rotenburg ob der Tauber oder ähnliche Städte, die ihren Flair und ihre Seele komplett dem Tourismus und Kommerz geopfert haben, besucht Bad Wimpfen.

Hier kreuzen nicht nur viele Radwege (z.B. Kocher-Jagst-Radweg, Burgenstraßen-Radweg und Salz & Sole-Radweg), hier leben veritable Menschen. Die Stadt ist keine Touristenfalle. Die vielen Fachwerkhäuser in der historische Altstadt sind bewohnt und nicht primär Verkaufsfläche für Kitsch und Ramsch Made in China.

Bad Wimpfen mit seinen engen Gassen ist wirklich sehenswert, auch wenn man dafür über Kopfsteinflaster radeln oder schieben muss und die Waden brennen, weil der Anstieg relativ steil ist.

Unsere nächste Etappe von Bad Wimpfen über Heilbronn und Lauffen nach Ludwigsburg war vom Wein geprägt. Der Neckartalradweg wird hier von Weinbergen regelrecht eingerahmt.

Wegen der Arbeiten am Bahnprojekt Stuttgart-Ulm zwischen Stuttgart-Untertürkheim und Stuttgart-Obertürkheim ist der Neckartalradweg für längere Zeit für den Radverkehr gesperrt. Die Umleitungsstrecke ist ausgeschildert. Ludwigsburg lohnt nicht nur wegen seines imposanten Residenzschlosses – dem größten unzerstörten Barockschloss Deutschlands – auch der angrenzende Park ist sehenswert.

Rathaus von Tübingen

Rathaus von Tübingen

Nach Ludwigsburg haben wir In der Universitätsstadt Tübingen Halt gemacht. Unser Hotel lag mitten in der Altstadt und war somit idealer Ausgangspunkt um die Stadt mit ihren schmalen Gassen und den vielen historischen Gebäuden zu erkunden. Hier das Rathaus aus dem 15. Jahrhundert.
Was uns ebenfalls gut gefallen hat, war der vor dem Rathaus gelegene große Marktplatz mit den vielen Stühlen. Man kommt, nimmt sich je nach Bedarf ein paar Stühle und stellt sie irgendwo hin um sich zu sonnen, zu lesen, zu unterhalten oder den Leuten bei was auch immer zuzuschauen. Wenn man geht, lässt man die Stühle einfach dort stehen wo sie gerade sind.

Kurz hinter Tübingen haben wir dann den Neckartalradweg bei Hirschau verlassen und sind über Nebenstraßen nach Nagold gefahren. Dies war mit gut 50 Kilometern unser kürzester Streckenabschnitt, der uns allerdings am wenigsten gefallen hat.

Rückblickend betrachtet wäre es vielleicht besser gewesen, wenn wir dem Neckartalradweg bis nach Horb gefolgt und dann von dort aus über den Heidelberg-Schwarzwald-Bodensee-Radweg nach Nagold geradelt wären. Das hätte zwar mehr Kilometer und vor allem Höhenmeter bedeutet, wäre aber sicher abwechslungsreicher gewesen. Aber hinterher ist man immer schlauer.

Der Nagold-Radweg hat uns beiden am besten gefallen. Vielleicht weil es auf der asphaltierten Strecke von Nagold aus gefühlt immer nur bergab ging. Man musste sich eigentlich knapp 50 Kilometer nicht anstrengen. Wie von allein sausten wir vorbei an der Schäferlaufstadt Wildberg, durchs malerische Seitzental über Calw und Bad Liebenzell nach Pforzheim.

Nach einem Zwischenstopp in der Goldstadt Pforzheim sind wir dann auf dem Enztal-Radweg weitergefahren nach Vaihingen an der Enz, unserer letzten Station.

Wasserrad am Nagoldradweg

Wasserrad am Nagoldradweg bei Wildberg

Alles hätte so schön sein können, wenn da nicht diese blöde Wespe gewesen wäre, die meiner Tochter in die Hand gestochen hat. Der Arm schwoll über Nacht an wie ein Ballon, er tat weh und juckte zugleich. Radfahren machte ab da keinen wirklichen Spaß mehr. Also beschlossen wir, unsere Radtour abzubrechen und nicht wie geplant über Maulbronn und Bretten nach Hause zu radeln, sondern mit der Straßenbahn von Mühlacker nach Durlach zu fahren.

Maulbronn läuft uns nicht weg. Das Kloster steht jetzt schon so lange, das können wir auch noch nächstes Jahr ansteuern.