Laut dröhnt der Song aus dem wuchtigen Lautsprecher neben mir auf dem Lastenrad. Die Radfahrer um mich herum singen den Text mit und wiegen sich – soweit das im Fahren eben geht – im Rhythmus der Musik.
Passt wie die Faust aufs Auge, denke ich. Es ist Freitag kurz nach halb zwölf und knapp 1000 Radfahrer rollen in einem nicht enden wollenden Strom langsam durch die Stadt. Nein, es ist nicht letzter Freitag des Monats und nicht Critical Mass. Die Schülerinnen und Schüler der Karlsruher Fridays for Future Bewegung haben diese Massen von Radfahrer in Bewegung gesetzt.

Dies war meine zweite Teilnahme bei einer Fridays for Future Demo in Karlsruhe und ich muss sagen, ich war erneut total beeindruckt wie souverän die Veranstaltung von den jungen Leuten geplant und durchgeführt wurde. Nichts blieb dem Zufall überlassen.

  • Die Technik in Form von Musik- und Lautsprecheranlagen funktionierte. Mehrere Music-Bikes sorgten unterwegs für Stimmung.
  • Neben der Polizei, die den Demonstrationszug begleitete, gab es genügend Ordner, die an Ein- und Ausfahrten sowie Ampelanlagen dafür sorgten, dass unterwegs niemand zu Schaden kommt.
  • Überall, wo wir Gleise kreuzen bzw. parallel zu ihnen fahren mussten, standen weitere Ordner – teilweise sogar mit weiß-roten Absperrbändern – und sorgten für einen reibungslosen Ablauf.

Während wir fuhren stand die Stadt eine Stunde lang still. Lange Autoschlangen bildeten sich auf den Ein- und Ausfallstraßen. Nichts ging mehr. Rien ne va plus!
Die Straßenbahnen reihten sich wie Perlen auf eine Schnur, und die Fahrgäste schauten ungläubig auf die vielen fröhlich winkenden Radfahrer, die in unregelmäßigen Abständen immer wieder  lautstark eine ihrer Forderungen skandierten:

What do we want? Climate justice!
When do we want it? Now!

Auch dem letzten Umstehenden muss klar geworden sein, worum es bei diesem Demonstrationszug eigentlich ging – um den Klimaschutz, sprich um ein Thema, dass uns alle betrifft. Den Schülerinnen und Schülern geht es nicht darum, die Schule zu schwänzen. Die Fridays for Future Bewegung richtet sich auch nicht gegen Schulen und Universitäten, sondern will die politisch Verantwortlichen zum Handeln ermahnen. Wozu für eine Zukunft lernen, wenn diese gar nicht lebenswert ist. Wenn jetzt nicht gehandelt wird, dann gibt es keine Zukunft!