Jahr: 2018

Only bad news are good news

Radfahrer vs. Autofahrer – es gibt derzeit kaum ein Thema, das martialischer in der Presse behandelt wird als dieses.

Um mediale Aufmerksamkeit zu bekommen, kann das Vokabular gar nicht kämpferisch genug sein. Angesichts solcher Überschriften könnte man meinen, dass alle Verkehrsteilnehmer bis an die Zähne bewaffnet unterwegs sind. Alle Radfahrer sind Rowdys, Rambos oder Kampfradler und Autofahrer sind Drängler und Falschparker und grundsätzlich zu schnell und immer mit einem SUV unterwegs. Die Fronten scheinen verhärtet. Aber sind sie das wirklich? Wenn es so wäre, würde ich mich nur noch nachts, wenn alle schlafen, mit dem Rad aus dem Haus trauen.




Was wurde eigentlich …

aus meiner Anfrage bei der Stadt Karlsruhe zum unsäglichen Radweg an der B36 bei den Michelin Werken? Am 1. Dezember hatte ich über das Portal KA-Feedback der Stadt nahegelegt, die schlangenlinienförmige weiße Markierung zu entfernen, um einen für Radfahrer und Fußgänger gemeinsam genutzten Geh-/Radweg (Zeichen 240) zu schaffen. Dann müssten Radfahrer nicht auf den Grünstreifen oder den Gehweg ausweichen, um an den drei Pfeilern vorbeizukommen, die mitten auf dem Weg stehen. Ich wusste, dass die Bearbeitung einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Aber dass es sechs Wochen dauern würde, um so eine nichtssagende Antwort zu formulieren, dass hätte ich nicht gedacht.

Nicht nur Gottes Mühlen mahlen langsam!

Also fährt man weiter Slalom um die Pfosten herum. Lastenradler und Radfahrer mit Kinderanhängern können es sich aussuchen, ob sie links über den Grünstreifen oder rechts über den Gehweg ausweichen.

 




Skateboard, Kickboard und Co.

Als ich gestern mit dem Rad in Richtung Innenstadt unterwegs war, wäre ich beinahe mit einem Skateboard Fahrer kollidiert. Er kam mit Karacho von rechts aus einer Seitenstraße geschossen und nahm mir rotzfrech die Vorfahrt. Mit eleganten Schwüngen fuhr er mittig auf dem Radweg vor mir her. Ich habe ihn kurz darauf zwar überholt, aber an der nächsten Ampel hatte er mich wieder eingeholt. Selbstbewusst nahm er dort die Poleposition ein und setzte seine Fahrt bei Grün unbekümmert auf dem Radweg fort.




Viele kleine Leute

Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, dann können sie das Gesicht der Welt verändern. Wie viel Wahrheit in diesem afrikanische Sprichwort steckt, sieht man derzeit in Stuttgart. Dort hatten entnervte Anwohner eines Stadtteils im Dezember eine Reihe von falsch parkenden PKWs kunstvoll in Folie eingepackt, mit einem bunten Schleifchen versehen und medienwirksam der Öffentlichkeit präsentiert, um so auf zweierlei hinzuweisen:

  1. Falschparker
  2. Parkplatznot

Gestern hat das Regional-Fernsehen nachgehakt, um herauszufinden, ob sich vor Ort schon etwas zum Besseren hin getan hat.

Die Situation hat sich geringfügig verbessert. Das stimmt hoffnungsfroh, zeigt es doch, dass auch Einzelpersonen etwas bewegen können, wenn sie eine zündende Idee, helfende Hände und mediale Aufmerksamkeit haben. Aber jetzt beginnt der schwierige Part – nicht locker lassen, am Thema dran bleiben und die Behörden so lange nerven, bis sich grundlegend etwas tut in Sachen Mobilitätswende. Und dafür braucht es einen langen Atem. Ich wünsche den Akteuren um Zweirat Stuttgart viel Erfolg.




Früher war alles …

Früher war ja bekanntlich alles anders. Ob es besser oder schlechter war, muss jeder für sich entscheiden. Früher gab es zum Beispiel noch keine Smartphones, kein Facebook und auch kein WhatsApp. Man verabredete sich in der Schule, klingelte spontan und ohne vorherige Verabredung bei Freunden oder fuhr auf den nächstgelegenen Spielplatz, irgendwer würde schon da sein.

Quelle: @therealbanksy

Das Foto hat mich sofort an meine eigene Kindheit und Jugend erinnert. Aber die Zeiten ändern sich, und das hat natürlich vielerlei Gründe. Wenn ich heutzutage durch unsere grüne Lunge, die Günther-Klotz-Anlage, nach Hause fahre, sehe ich viele junge Leute nebeneinander auf den Bänken sitzen. Die meisten starren auf ihr Smartphone. Obwohl sie nebeneinander sitzen, wirken sie irgendwie allesamt einsam. Das hat was Gruseliges wie das Smartphone immer mehr Besitz von uns ergreift.
Falls ihr mehr vom berühmten Streetart-Künstler Banksy sehen wollt, ihr findet ihn auf Twitter unter @therealbanksy. Oder lasst die auf seiner Website veröffentlichen Bilder auf euch wirken.




Hinweisschild oder Leinwand?

Letzte Woche ist die Alb gewaltig über die Ufer getreten. Normalerweise ist das auch kein Problem. Die Stadt sperrt kritische Stellen dann ab und weist Umleitungsstrecken aus. Wer wie ich tagtäglich durch die Günther-Klotz-Anlage zur Arbeit fährt, weiß sowieso genau, wo dann Land unter ist und wo nicht. Am Bulacher Loch ist es mir erst ein einziges Mal passiert, dass nicht rechtzeitig abgesperrt war und ich kalt bzw. nass erwischt wurde. Es hat eben auch Nachteile, wenn man Frühaufsteher ist 🙁

In Richtung Rhein wird die Lage erst wieder hinter dem Entenfang ab der langen Unterführung kritisch. Bis zum Entenfang kommt man normalerweise immer trockenen Fußes. Etwa 200 Meter vor dem Entenfang wird bei Hochwasser diese „Schranke“ ausgefahren. Da sie aber gerade mal ein paar Zentimeter des Weges absperrt und man den Hinweistext auf dem Schild sowieso seit Jahren nicht mehr entziffern kann, bin ich wahrscheinlich nicht die einzige Radfahrerin, die hier trotz Schranke weiterfährt. Das war letzten Freitag keine so gute Idee, denn der Radweg war schon weit vor dem Entenfang überflutet.

Ich bin anscheinend nicht die einzige gewesen, die nasse Füße bekommen hat. Abends standen nämlich neue provisorische und gut lesbare Warnschilder mitten auf dem Radweg neben der Schranke. Die sind jetzt wieder weg. Den Hinweistext auf dem Schild an der Schranke kann ich leider immer noch nicht entziffern. Ich habe nichts gegen Graffiti. Im Gegenteil, ich freue mich jeden Tag über die wechselnde Ausstellung entlängs der Alb. Aber Warnschilder sollte man nicht als Leinwand missbrauchen.

Alles klar?




Mein Fahrrad-Pendler Jahr 2017

Ich bin letztes Jahr 210 Mal mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Ein einziges Mal habe ich das Auto genommen, da es zum TÜV musste. An dem Tag hatte ich allerdings mein Faltrad dabei, um von der Werktstatt zur Arbeitsstelle zu gelangen.

Insgesamt habe ich als Fahrrad-Pendler 7140 Kilometer mit dem Rad zurückgelegt.
Laut Einspar-Rechner des ADFC  (siehe unten) habe ich eine Menge Kosten gespart und einen nicht unerheblichen Beitrag zur Umwelt geleistet.
Ich hatte 2017 natürlich auch Unkosten: neue Bremsbeläge vorne und hinten sowie einen Getriebeölwechsel bei meiner Rohloff SPEEDHUB 500/14. Verglichen mit dem, was ich gespart habe, sind diese Kosten ein Witz.

Was der Rechner nicht wiedergibt:

  • Null Krankheits-/Ausfalltage
  • Null Stau
  • Jede Menge Spaß beim Radfahren
  • Stramme Waden 🙂

Einspar-Rechner des ADFC




Neue Vorschriften für Fahrradanhänger

Ab dem 1. Januar 2018 gelten laut § 67 der StVZO strengere Vorschriften für die Beleuchtung von Fahrradanhängern.

  1. Vorne müssen Fahrradanhänger, die breiter als 60 cm sind, mit zwei weißen Reflektoren ausgestattet sein, und zwar mit einem max. Abstand von 20 cm zur Außenkante. Ist der Anhänger breiter als 100 cm, muss man zusätzlich eine Frontleuchte an der vorderen linken Ecke anbringen.
  2. Hinten müssen Fahrradanhänger, die breiter als 60 cm sind, zwei rote Reflektoren der Kategorie „Z“ haben. Wird mehr als 50 % des Fahrradrücklichts durch den Anhänger verdeckt, muss hinten links außerdem eine rote Rückleuchte angebracht werden.

Quelle: Croozer

Absatz 2 gilt laut § 67 a StVZO Absatz 6) zwar nicht für Fahrradanhänger, die vor dem 1. Januar 2018 in Verkehr gebracht wurden, aber wenn ich meine Kinder im Schlepptau hätte, würde ich trotzdem darauf achten, dass mein Anhänger hinten zwei mit dem Buchstaben „Z“ gekennzeichnete Großflächen Rückstrahler und eine Rückleuchte aufweist. Schließlich transportiere ich ja das Liebste, was ich überhaupt habe.

Da im Grunde alle Fahrradanhänger für Kinder breiter sind als 60 cm (siehe Liste), ist von dieser Neuregelung des Gesetzes eigentlich jeder Besitzer eines Fahrradanhängers für Kinder betroffen.